Schongauer Klink bekommt "Vater-Mutter-Baby-Oase"

Wohlfühl-Klima statt Krankenhaus-Chic

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Schön bunt: Bauleiter Lothar Ragalla, Architekt Walter Koch, Krankenhaus GmbH-Geschäftsführer Thomas Lippmann und Architektin Marion Wartner-Koch präsentierten das neue Farbkonzept für die Wöchnerinnen-Station (v. li.).

Schongau – Thomas Lippmann ist erst wenige Wochen im Amt , da zeigt sich schon die Handschrift des neuen Geschäftsführers der Krankenhaus GmbH. Die sich gerade im Bau befindende Wöchnerinnenstation im neuen Bettenhaus des Schongauer Krankenhauses soll nach seinem Willen zur „Mutter-Vater-Baby-Oase“ werden. 

Dass der neue Geschäftsführer gerne schnelle Entscheidungen fällt, hatte er bereits bei seiner Vorstellung durchblicken lassen. Die ersten, die dies direkt zu spüren bekamen, waren die Architekten Walter Koch und Marion WartnerKoch. Vater und Tochter verantworten seit einem Jahr den Bau des neuen, rund 13 Millionen Euro teuren Bettenhauses am Schongauer Klinikum, das im Oktober eröffnet werden und auf zwei Stockwerken in schmucken Zweibettzimmern Platz für 72 Patienten bieten soll – darunter die Wöchnerinnen. 

Die Geburtshilfestation bescherte den Architekten über Ostern jetzt ordentlich Zusatzarbeit, denn Lippmann warf das bislang verfolgte Konzept für die Räume kurzfristig über den Haufen. Mehr Hotel-Charakter, weniger Krankenhaus-Charme lautete seine Anweisung. „Wer schwanger ist und zur Geburt kommt, ist nicht krank. Der soll sich hier mit seiner ganzen Familie richtig wohlfühlen“, betonte Lippmann, als er vor Ort auf die beschlossenen Änderungen einging. 

Das beginnt für den Geschäftsführer schon im zentralen Eingangsbereich. Statt einfacher Stühle und Tische verbreiten künftig Sofas und Sessel eine Lounge-Atmosphäre. Für die Kinder wird eine eigene Spielecke eingerichtet. Neu ist eine Service-Stelle für die Mütter – kostenloser Kaffee und Cappuccino inklusive. „Das wird unser Defizit schon nicht nennenswert erhöhen“, sagte Lippmann. Überhaupt legte er Wert darauf, dass die Umgestaltung die GmbH nicht mehr kostet als die ursprünglichen Pläne. „Ob wir jetzt weiß oder farbig streichen macht keinen Unterschied.“ 

Und farbig sollen die Wände und Decken werden, sowohl in den Gängen als auch in den einzelnen Zimmern und Stillräumen. „Wir müssen weg vom Krankenhaus-Weiß.“ Das gilt auch für die Böden, die eine Holzoptik bekommen sollen, und die Gardinen an den bodentiefen Fenstern. A propos Fenster: Damit die künftigen Patienten im neuen Bettenhaus einen schönen Blick auf die Stadt Schongau und das dahinterliegende Alpenpanorama haben, werden im Herbst die Bäume gefällt, die derzeit noch die Sicht nehmen. „Die Genehmigung haben wir“, so Lippmann.

Auch auf den Trend, dass immer mehr werdende Väter ihre Frauen bei der Geburt möglichst rundum die Uhr zur Seite wollen, hat der Geschäftsführer reagiert. Ein Doppelzimmer wird zur Familien-Suite ausgebaut, wie es sie bereits in anderen Krankenhäusern gibt. Ausgestattet mit Doppelbett, Tisch und großem Bad bietet sie der ganzen Familie Platz. Die krankenhaustypischen Anlagen verschwinden hinter einer Holzvertäfelung. „Das wird aussehen wie ein Hotelzimmer“, schwärmte Lippman. Noch ist es ein Versuch. Sollte das Zimmer gut angenommen werden, könne man weitere Räume entsprechend umbauen, kündigte er an. 

Für den Geschäftsführer sind die neuen Räume ein wichtiger Faktor im harten Wettbewerb. „Wir hoffen natürlich, dadurch die Geburtenzahlen zu steigern, indem mehr Mütter zu uns zur Entbindung kommen“, erklärte er. Als langsamen Abschied von der Geburtshilfe in Weilheim will er das aber nicht verstanden wissen. „Es wird weiterhin an beiden Standorten entbunden“, versicherte er. 

Das große Defizit der Gesellschaft von rund sechs Millionen Euro muss sinken, das weiß auch Lippmann. Einen Beitrag dazu soll die Photovoltaikanlage leisten, die der Geschäftsführer auf dem Bettenhaus und weiteren Teilen des Dachs installieren lässt. Auch diese war bislang in den Modernisierungsmaßnahmen nicht vorgesehen. Die zwischen 800 und 900 Quadratmeter große Anlage kann laut Bauleiter Lothar Ragalla bis zu 130 Kilowatt Peak leisten, was in etwa dem Grundbedarf der ganzen Klinik am Wochenende entspricht. Und die Kosten? „Die 200000 Euro sind im genehmigten Volumen drin“, sagte Lippmann. 

Überhaupt läuft finanziell alles nach Plan. „Wir liegen im Zeit- und Kostenrahmen, sogar mit einem kleinen Puffer“, bestätigte Koch. Geht es so weiter, steht einer Eröffnung im Herbst nichts im Weg.

Christoph Peters

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