Besonderes Brauchtum

Schongauer Leonhardiritt: Tradition in ihrer ursprünglichen Form

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Prächtig geschmückt zogen Ross und Reiter am Samstag zu Ehren des heiligen Leonhard durch die Lechstadt.
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Prächtig geschmückt zogen Ross und Reiter am Samstag zu Ehren des heiligen Leonhard durch die Lechstadt.
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Prächtig geschmückt zogen Ross und Reiter am Samstag zu Ehren des heiligen Leonhard durch die Lechstadt.

Schongau – Bayern ist Leonhardiland. Da schlägt das Herz aller Rosserer noch einige Takte höher. Seit nunmehr 39 Jahren findet die gelebte Tradition in der Lechstadt statt, nachdem Josef Reßle (†2014) nach einer langen Durststrecke ohne dieses Brauchtum dem Leonhardiritt 1979 wieder neues Leben eingehaucht hat. Mit ganzen vier Rössern hat er damals den Grundstein gelegt, am ersten Samstag im November miteinander diesen Tag zu begehen.

Es ist Schlag 5 Uhr morgens. Noch stockdunkel. Über Schongau liegt ein leichter Nebelschleier ausgebreitet. Nebensache. Auf dem „Seitzenhof“ in der Dornau heißt es jetzt raus aus den Federn. Auf diesen Tag haben alle auf dem Hof hin gefiebert. Es ist ein besonderer Tag für die Familienmitglieder von Franz Reßle sen. Er wird heute der große Gastgeber für die vielen Reiter sein, die zum Leonhardiritt nach Schongau kommen.

Von wegen gemütliches Frühstück. Nicht einmal ein Haferl Kaffee gönnen sich die Eheleute Franz und Angelika Reßle. Das Vieh muss von der Weide in den Stall getrieben und gemolken werden. Dann geht‘s wieder raus in die Natur. In der Zwischenzeit hat die Jugend den Stall in Beschlag genommen. Franz jun. bringt die Rösser in Position, seine Schwestern Antonia, Johanna und Regina stehen für eine wichtige Aufgabe bereit. Nicht zu vergessen Vroni, die Tochter des Cousins. Alle werden in den nächsten Stunden die Rösser „einflechten“. Das heißt, dass die Mädels Mähne und Schweif der Tiere mit Hanf und bunten Bändern verzieren. Festtagsfrisur für die Vierbeiner. Nicht für ein oder zwei Rösser müssen sie Geduld und Fingerfertigkeit aufbringen, für ganze elf Stück haben sie an diesem Morgen die Verantwortung. Drei für Kreuzträger und Vorreiter, eins für den Diakon, der Rest wird für die Mädels bereitgehalten. Und Franz das Oberhaupt? Der sattelt nebenbei noch auf, bevor er die ersten Gäste begrüßt.

Genau fünf Stunden später. Schon von weitem ist das Hufgeklapper der Rösser am Frauentor zu hören. Der gesamte Tross rückt an. Zur großen Begeisterung der vielen Gäste, die ein lockeres Spalier gebildet haben. Kameras und Handys werden gezückt, um den ersten beeindruckenden Moment festzuhalten. Kreuzträger Franz Reßle jun. reitet durch den Torbogen, dicht gefolgt von den drei Vorreitern Franz Reßle sen., Diakon Hans Steinhilber und Thitikorn Pramchuen. Über dem Torbogen zu erkennen Maria im roten Kleid mit blauem Umhang und goldener Krone. Sie breitet den Mantel aus, an diesem Tag besonders über allen Rössern und Reitern, die jetzt nachfolgen.

Oben in der Christophstraße reihen sich die Kutschen in den Prozessionszug ein. Vater und Sohn Klement Kölbl sen. und jun. aus Forst haben in ihrem Landauer die beiden Pfarrer Norbert Marxer und Hartwig Obermüller sowie Bürgermeister Falk Sluyterman und Sparkassen-Vorstand Alexander Schmitz geladen. Die Ministranten dahinter kutschiert Christian Schmid aus Peiting. Bei der nächsten Kutsche hat es in diesem Jahr einen Führungswechsel gegeben. Michael Strauß, der traditionell die Austragler von Schongau und verdiente Teilnehmer kutschiert, hat an Sohn Matthias die Zügel übergeben.

Er sitzt auf dem Kutschbock wie ein Fels in der Brandung. Lässt sich durch nichts aus der Ruhe bringen. Reinhard Bair aus Tannenberg darf nicht nur aus diesem Grund den Truhenwagen mit den Trachtenfrauen in ihrem Festtagsgewand kutschieren. Das macht er nicht ohne Stolz, gibt es schließlich nur einmal im Jahr. Und die vielen Trachtenkinder? Die haben es sich auf dem geschmückten Holzwagen gemütlich gemacht. Kutschiert von Johannes Knappich aus Hohenpeißenberg.

Der Gottesdienst unter freiem Himmel auf dem Bürgermeister Schaegger Platz wird durch die Pfarrer Marxer und Obermüller sowie Diakon Steinhilber zelebriert. Alle miteinander hoch zu Ross mit Blick auf den Altar. Seitlich umrahmt von den Gästen. In seiner Predigt erinnert Pfarrer Norbert Marxer daran, dass der heilige Leonhard sich besonders für Menschen in außergewöhnlichen Situationen eingesetzt hat. Und Pfarrer Hartwig Obermüller ergänzt, dass Leonhard sich vor allem für Gefangene eingesetzt hat, die zu der damaligen Zeit völlig rechtlos waren. „Er hat durch sein Tun Ketten gesprengt.“

Großer Umritt durch die Altstadt. Die Stadtkapelle Schongau gibt jetzt den Ton an. „Monte Rosa“, „Musinan Marsch“ oder der „Regimentsgruß“, Dirigent Marcus Graf bringt an diesem Samstag wahrlich Leben in die Bude. Die Zuschauer danken es mit lautem Beifall. Und die Reiter geben dabei ein farbenfrohes Bild ab. Keine Schicki-Micki-Veranstaltung, es ist Brauchtum in seiner ursprünglichen Form. 

Hans-Helmut Herold

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