Nicht »der große Wurf«

Schongauer Obdachlosenunterkunft: Studie zur Nachverdichtung durchgefallen

Möglichst viel vom Innenhof soll bei einer Nachverdichtung „Im Tal“ erhalten bleiben. Doch das war dem Stadtrat nicht genug.
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Möglichst viel vom Innenhof soll bei einer Nachverdichtung „Im Tal“ erhalten bleiben. Doch das war dem Stadtrat nicht genug.
  • Astrid Neumann
    VonAstrid Neumann
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Schongau – Die Entscheidung, dass die Obdachlosenunterkunft in Schongau am jetzigen Standort „Im Tal“ bleiben soll, ist bereits im Mai gefallen (wir berichteten). Zudem wurde eine Machbarkeitsstudie zu den Möglichkeiten der Nachverdichtung an diesem Standort durchgeführt. Da muss der Planer aber noch mal ran, wie sich der Stadtrat in seiner letzten Sitzung vor der Sommerpause einig war.

Auf der Grundlage, dass die Obdachlosenunterkunft in dem Quartier verbleibt, wurde eine entsprechende Planung mit mehreren Bausteinen erarbeitet. Diese stellte Architekt Peter Haberecht dem Gremium vor. Vorgesehen hat der Planer zwei Wohngebäude, eines im Süden und eines im Norden des Areals. „Es geht darum, möglichst viel vom Innenhof zu erhalten“, so Haberecht.

Die Obdachlosenunterkunft würde Haberecht jedoch – abweichend zu den bisherigen Annahmen – in den südlichen Teil des Areals verlegen. Die Situierung im nördlichen Teil – zur Wilhelm-Köhler-Straße hin – sei ungünstig, befand auch der stellvertretende Stadtbaumeister Robert Thomas. Im Norden könnte vielmehr ein etwa baugleiches Haus für den sozialen Wohnungsbau entstehen. Nötig für beide Neubauten würden 53 Stellplätze. Hier stellt sich Haberecht eine Tiefgarage zwischen den beiden Gebäuden vor. Als Voraussetzung für die eigentliche Sanierung der städtischen Häuser „Im Tal 8-12“ ist die Umsetzung des Bausteins der Obdachlosenunterkunft notwendig, um einen freien Aufgang sanieren zu können.

Die Kostenschätzung der gesamten Nachverdichtungsmaßnahmen beläuft sich auf rund 4,4 Millionen Euro. „Fördermittel stehen im Raum“, so Haberecht.

Die Obdachlosenunterkunft könnte dreigeschossig errichtet werden. Hier seien fünf Wohn­apartements pro Geschoss vorgesehen, so der Planer. Unter der Unterkunft könnte die Tiefgarage entstehen. Das Gebäude für die Sozialwohnungen könnte vier Geschosse aufweisen und unterkellert werden. Ausgeführt werden soll das Gebäude komplett barrierefrei, erklärte Haberecht.

Zu den Mieten nahm der stellvertretende Stadtkämmerer Kurt Konrad Stellung. Um eine schwarze Null zu erreichen wären Mieteinnahmen von 65 Euro für einen Tiefgaragenstellplatz und 9,50 Euro pro Quadratmeter Kaltmiete erforderlich. „Damit sind wir weit weg von sozialem Wohnungsbau“, so Konrad.

„Wir haben hier eine Machbarkeitsstudie, die uns sagt, dass wir‘s so gar nicht machen brauchen“, war das Urteil von Stadtrat Michael Eberle (CSU) nach der Vorstellung der Studie und einiger Diskussion. „Ein anderer Standort hätte uns Probleme erspart“, befand Bettina Buresch (Grüne). Geradezu entsetzt zeigte sie sich von den Parkfläche. „Ob das der große Wurf wird, da habe ich so meine Zweifel“, so Buresch.

Auch Eberle kam die Tiefgarage „sehr großzügig“ vor. Er schlug vor, da etwas zu sparen. Robert Thomas vom Bauamt erklärte, dass auch die Obdachlosenunterkunft Stellplätze mit sich bringt. Man wolle so außerdem den Parkdruck von der Wilhelm-Köhler-Straße nehmen. Stephan Hild (UWV) befand, dann müsse man eben an die Stellplatzsatzung rangehen.

Nicht nur die Stellplätze und die hohen Kosten führten zu Kritik im Stadtrat, sondern auch die Hofsituation. Anstatt das Problem durch zwei Punkthäuser zu lösen, hätte sich vielmehr ein Hufeisen angeboten, war die Meinung von Friedrich Zeller (SPD). Sein Vorschlag war, das nördliche Haus etwas größer und ein Stockwerk höher zu machen und dafür im Süden Parkdecks. Eine Idee, die auch Eberle aufgriff: „Das hätte den Charme, dass die Hoffläche dann größer ist.“

Es gehe darum, die Lebensumstände der Leute zu verbessern, so Buresch. Wenn das ganze Grün im Innenhof weg sei, wäre das ihrer Meinung nach nicht der Fall. Es handele sich hier um eine starke Hofsituation, „da ist es eher mal laut“, meinte Buresch. Generell kritisch fand Ilona Böse (SPD) die Nachverdichtung an dieser Stelle. „Wollen wir in dem Viertel wirklich noch dichter werden?“ Bezahlbaren Wohnraum könne man auch noch woanders schaffen, so Böse.

Am Ende stimmte der Stadtrat einzeln über die jeweiligen Bausteine ab. Während man bei der Obdachlosenunterkunft in die Planung gehen will (17:5 Stimmen), wurde der Baustein Sozialwohnungen so wie vom Planer vorgesehen mit einer Gegenstimme abgelehnt. Auch die Tiefgarage lehnte das Gremium – ebenfalls mit einer Gegenstimme – ab.

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