Chororgel ergänzt Hauptorgel

Schongauer Orgelnacht mit besonderem Debüt

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Andreas Wiesmann ist glücklich, dass neben der Hauptorgel nach längerer Abwesenheit auch wieder ein kleines Chorinstrument in Schongaus Stadtpfarrkirche erklingt.

Schongau – Wenn am Pfingstsonntag die Orgelnacht in der Schongauer Stadtpfarrkirche Mariä Himmelfahrt steigt, gibt sie ihr Debüt: die neue Chororgel, die vor kurzem ihren Platz im Altarraum eingenommen hat. Wie es dazu kam und wieso sie dort eigentlich schon längst wieder hingehört, erklärt Andreas Wiesmann, Organist der Stadtpfarrei Mariä Himmelfahrt, im Gespräch mit dem Kreisboten.

Als Wiesmann beim Stöbern im Internet auf einer Gebraucht-Orgel-Plattform einen interessanten Eintrag findet, ist seine Neugier geweckt. „Eine einmalige Gelegenheit“ habe sich da aufgetan, „ein echter Glücksfall“. Sein nächster Weg führt den Organisten direkt zu Stadtpfarrer Norbert Marxer.

„Ich habe mit ihm darüber gesprochen, ob Interesse bestünde, die historische Situation wiederherzustellen.“ Denn dass nur eine Orgel in der Stadtpfarrkirche steht, sei ein vergleichsweise neuer Zustand. „Es war ewig so, dass es hier zwei gab.“ Das lässt sich belegen, wie im Welf des Jahres 2003, herausgegeben vom Historischen Verein, nachzulesen ist. Seit wann der Platz der kleineren Chororgel im Altarraum verwaist ist, weiß Wiesmann zwar nicht. Wohl aber, dass zwei Orgeln in einem Gotteshaus eben gar nicht so unüblich sind. „In der Wies verhält es sich genauso, ebenso in St. Johann in Peißenberg oder St. Mang in Füssen.“

Zu diesem Kreis darf sich mittlerweile auch Schongaus Stadtpfarrkirche wieder zählen, denn Marxer stimmte dem Anliegen Wiesmanns zu. „Ich habe mich riesig über das grüne Licht gefreut“, strahlt dieser, der Kontakt zum Verkäufer aufnimmt und die Neuerwerbung wenig später zusammen mit drei freiwilligen Helfern von Dillingen in die Lechstadt überführt.

Günstiger Preis, hervorragender Zustand

An ihrem neuen Zuhause füge sich die kleine Orgel hervorragend ein, findet der Musiker. „Wenn man eine eigene Orgel hätte anfertigen lassen, hätte sie genau diese Holzfarbe haben müssen.“ Auch sonst sei das Instrument in hervorragendem Zustand. Im Jahr 1975 erbaut, hegte, pflegte und bespielte sie ein Dillinger Chirurg in seinen privaten Räumlichkeiten. Die schädlichen Einflüsse wie Temperaturschwankungen, Schimmel oder Holzwürmer, denen ihre Artgenossinnen in Kirchen häufig ausgesetzt sind, konnten ihr so nichts anhaben. Noch dazu habe der Vorbesitzer das gute Stück sehr günstig weitergegeben. Die Stadtpfarrei griff zu, unterstützt durch Spenden, die bei den regelmäßigen „Musik zum Tagesausklang“-Konzerten zusammengekommen waren.

Anzuhören ist dem Neuzugang sein Schnäppchenpreis nicht, im Gegenteil: „Sie stammt aus der gleichen Werkstatt, wie unsere im Jahr 2012 neu ins historische Gehäuse gesetzte Hauptorgel“, weiß Wiesmann. Jedem Orgelbauer – in diesem Fall Sandtner in Dillingen – sei eine eigene Handschrift anzuhören. „Deshalb vertragen sich die beiden sehr gut.“ Eine ehemalige Chororgel, also eine Vorgängerin der Neuanschaffung, findet sich umgewidmet übrigens immer noch in der Stadtpfarrkirche: Sie war vor langer Zeit als Rückpositiv in die Brüstung der Empore verbaut worden.

Zusammen zu hören waren große und kleine neue Schwester, Haupt- und Chororgel, bisher noch nicht, doch die Gelegenheit werde kommen, verspricht Wiesmann. Bis dahin erklingt die Neuerwerbung mit ihren 300 Pfeifen – der Platzhirsch an der anderen Seite des Sakralbaus wartet mit derer 2 600 auf – vor allem bei kleinen Anlässen wir Taufen, Werktagsgottesdiensten oder Hochzeiten. „Für liturgische Anlässe ist es sehr praktisch, nicht die ganze Kirche beschallen zu müssen“, lobt Wiesmann.

Ihr Debüt gibt die Neue, wenn am Pfingstsonntag die Schongauer Orgelnacht ansteht. Dann jährt sich auch die fünfjährige Weihe der großen Hauptorgel.

Rasso Schorer

Der Orgelnacht-Ablauf:

Eröffnet wird die Schongauer Orgelnacht am Pfingstsonntag um 19 Uhr in der Stadtpfarrkirche von Andreas Wiesmann, der Großwerke von Bach und Liszt an der Haupt-, sowie Stücke des süddeutschen Barock an der Chororgel spielt.

Ab 19.45 Uhr treten Sopranistin Anna-Magdalena Perwein und Mezzosopranistin Maria Hegele auf. Sie interpretieren unter anderem vier Offertorien des ehemaligen Schongauer Chorregenten und Komponisten Heinrich Huber. 

Um 20.30 Uhr improvisiert Matthias van Velsen, Kirchenmusiker in Weißenhorn, über bekannte Pfingst-Choräle. Um 21.15 Uhr führen Katharina Ehlich (Flöte) und Wiesmann neben anderen Werken Sonaten- und Suitensätze von Bach und Rutter auf. 

Ein „Rendez-vous français“ erwartet die Zuhörer beim Abschluss um 22 Uhr: Auf „absolute Highlights der französischen Orgelsinfonik“, unter anderem von Lefébure-Wély, Widor, Vierne und Alain freut sich Wiesmann.

 Der Eintritt ist frei, Kommen und Gehen jederzeit möglich. 

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