Der Fotograf und die Brücke

Meister und Meisterwerk seiner Zeit: Schongauer Paul Bromberger und die Echelsbacher Brücke

Die Bildpostkarte mit den sechs Bauabschnitten, die tausendfach in alle Welt verschickt wurde: Ein Werk des Schongauer Fotografenmeisters Paul Bromberger.
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Die Bildpostkarte mit den sechs Bauabschnitten, die tausendfach in alle Welt verschickt wurde: Ein Werk des Schongauer Fotografenmeisters Paul Bromberger.

Echelsbach/Schongau – Bei diesem Projekt waren auf alle Fälle zwei Meister am Werk: Der eine war Meister genialer baulicher Ingenieurskunst, der andere ein Meister des Fotografenhandwerks. Beider Herzen schlugen für ein Bauwerk, das vor gut 90 Jahren die große Sensation war und bis heute nichts von seiner Anziehungskraft eingebüßt hat. Die Rede ist von der Echelsbacher Brücke, die derzeit mit großem Aufwand teilerneuert wird. 

Über die Echelsbacher Brücke wurde in den letzten Wochen und Monaten schon viel geschrieben. Ganz klar, sie fasziniert gleichsam Jung und Alt und ist noch mehr in den Fokus gerückt, seit die Arbeiten der Teil­erneuerung laufen. Das Interesse ist so groß, dass die angebotenen Führungen hautnah am Objekt fast immer ausgebucht sind. Eine Mischung aus technischen Daten und interessanten Geschichten macht die Brücke so anziehend.

Wenn man Maria Sporer bei einer der Führungen zuhört, wird man schnell in eine andere Welt versetzt. Besser gesagt in eine andere Zeit. Sporer bringt dann ihr Fachwissen über die Bauarbeiten vor zirka 90 Jahren an den Mann und die Frau. Wer hätte gedacht, dass die Eisenkonstruktion und die beiden Stahlbögen mit 87.000 Nieten verbunden wurden? Nicht zu vergessen die 500 Tonnen Eisen und 3.300 Kubikmeter Beton. Alles in schriftlichen Unterlagen dokumentiert.

Es gibt aber noch andere Dokumente aus dieser Zeit. Fotografische Dokumente, die der bekannte Schongauer Fotografenmeister Paul Bromberger hinterlassen hat. Glücklicherweise, denn sich die Bauarbeiten ohne Bilder vorzustellen ist wie die Suppe ohne Salz. Und Bromberger hat kräftig gesalzen. Beim Betrachten seiner Werke kann man schon mal eine leichte Gänsehaut bekommen.

Bromberger war seinerzeit weit über die Grenzen bekannt für seine Aufnahmen in bestechender und hervorragender Qualität. Vor allem Landschaften hielt er auf seine ganz eigene Art und Weise fest. Das hatte natürlich auch zur Folge, dass durch ihn hunderte von verschiedenen Postkarten aufgelegt wurden. Diese waren vor allem bei Touristen beliebt, die einen Gruß nach Hause senden wollten. Schließlich ging es darum zu zeigen, wo man sich den Urlaub leisten kann.

Paul Bromberger hat aber auch viele entstehende Bauwerke dokumentiert. So auch die Bauarbeiten der Echelsbacher Brücke, was damals eine Sensation war. Für den Fotografenmeister eine große Herausforderung – von wegen Analog- oder gar Digitalfotografie. Oder einfach schnell das Handy zücken. Damals war eine ganz andere Art von Fotografie angesagt.

Der Meister arbeitete mit sogenannten Plattenkameras. Der Kamerakörper bestand aus Mahagoniholz und musste auf ein Stativ gesetzt werden. Denn die Belichtungszeit war so lang, dass man das Bild ohne Stativ verwackelt hätte. Am beeindruckendsten aber ist, dass man noch keinen Film auf Zelluloid kannte und stattdessen beschichtete Glasplatten verwendete. Eine überaus zerbrechliche Herausforderung seiner Zeit. Doch Bromberger nahm diese Herausforderung an. Immer wieder kletterte er in dem unwegsamen Gelände in der Nähe der Brücke, um das Bauwerk aus wechselnden reizvollen Perspektiven aufzunehmen. Wie gesagt, einmal stolpern und stürzen und die Glasplatten sind dahin.

Bromberger legte noch eins drauf. Er wollte nah an den Arbeitern sein. Hautnah. Er nahm das Risiko auf sich, seine Kamera in schwindelnder Höhe zu beschädigen oder gar zu verlieren. Der Fotograf kletterte über die Eisenstreben auf dem Brückengerippe, um die Bilder zu bekommen. Und das in überragender Schwarz-Weiß-Qualität.

Die Postkarten von ihm werden in alle Welt verschickt. Schließlich ist nach Fertigstellung der Echelsbacher Brücke diese die größte Melan-Bogenbrücke der Welt. Und Paul Bromberger hat große Teile der Bauarbeiten dokumentiert.

Eine der beliebtesten Karten ist die, auf der sechs Bauabschnitte gezeigt werden. Versehen auf der Vorderseite mit dem Text: „Bau der Ammer-Hochbrücke bei Echelsbach, erbaut vom Frühjahr bis zum Herbst des Jahres 1929“.

Hans-Helmut Herold

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