Realschule eingeweiht

Nächste Etappe am Schongauer Schulzentrum

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Aufgsperrt is: Architekt Franz Balda, Landrätin Andrea Jochner-Weiß und Schulleiter Armin Eder (v. links) bei der symbolischen Schlüsselübergabe.

Schongau – Ihre Schulzeit liegt großteils Jahrzehnte zurück. Dennoch äußerten die Gäste, die sich am Montag in der Pfaffenwinkel-Realschule in Schongau einfanden, allesamt größte Verzückung, hier zu sein. Anlass dafür: die Segnung und Übergabe des neuen Anbaus.

Fünf Fachräume für Chemie, Physik und Biologie sind entstanden. Ferner fünf Werkstätten für Kunst, Werken und textiles Gestalten samt einem Werkhof in einem Ensemble aus Außenanlagen, das auch den benachbarten Schulen zugute kommt. Sechs neue Klassen- und zwei Gruppenräume lassen fortan gebundenen Ganztagsbetrieb zu, ihre flexible Nutzbarkeit ermöglicht moderne Lehrformen.

„Wunderschön und funktionell“ sei alles geworden, fand Schulleiter Armin Eder. Dass die Zeit des Improvisierens und der Einschränkungen nun vorbei sei, wünschte Bürgermeister Falk Sluyterman – und das wie immer in geschliffenem Hochdeutsch. Als „den, der koa Boarisch ko“, hatte Ministerialbeauftragter für Realschulen Ernst Fischer Schongaus Stadtoberhaupt als Nachredner scherzhaft angekündigt. Wo Dialekt im neuen Koalitionsvertrag doch eine so wichtige Rolle zugeschrieben werde.

„Die Schule braucht Raum, die Schule hat Raum bekommen“, fasste Fischer zusammen. Dass dem eine ganz entscheidende Rolle zukomme, belegte Landrätin Andrea Jochner-Weiß mit einem Zitat des italienischen Pädagogen Loris Malaguzzi: „Die anderen Kinder sind der erste Pädagoge, Lehrer sind der zweite und der Raum ist der dritte.“ Bei Letzterem sei das Defizit in der Vergangenheit nicht mehr zu übersehen gewesen.

Investition mit Zukunft

Ihr, der Landrätin, gebühre allergrößter Dank, befand Eder. „Sie haben das hier erst ermöglicht.“ Dabei habe es einige Widerstände auszuhalten gegeben, denn die finanziellen Anstrengungen waren und sind beträchtlich. Allein die Gesamtkosten für den Realschul-Anbau – nur ein Teil der Großbaustelle Schulgelände – beliefen sich auf knapp 9,9 Millionen Euro, von denen der Freistaat 3,2 übernahm.

Doch jeder Cent sei gut investiert, zeigten sich Eder und Jochner-Weiß überzeugt. Der Schulleiter rechnete vor: Der bayerische Staat wende täglich rund 50 Euro pro Realschüler auf. Vor dem Hintergrund, dass Bildung eine wichtige Größe sei, um Menschen vor der schiefen Bahn zu bewahren, rentiere sich das auch ökonomisch. Koste der Insasse eines Jugendgefängnisses den Steuerzahler doch täglich 600 Euro. „Da sind die zehn Millionen für diesen Neubau schnell drin“, bilanzierte Eder.

"Schulstandort gesichert"

„Dem Lerneifer steht jetzt nichts mehr im Weg“, lächelte Sluyterman. Eine wichtige Etappe auf dem Weg hin zu einem erneuerten Schulzentrum sei genommen; mit Hinblick auf die laufenden Bemühungen um Grund- und Mittelschule sowie Gymnasium liege aber noch ein weiter Weg in der Zukunft. Wichtig sei: „Der Schulstandort ist gesichert.“

Oberbayerns Vize-Regierungspräsident Walter Jonas, der seinen ersten offiziellen Termin in dieser Funktion im Landkreis hatte, schaute sich das Logo der Pfaffenwinkel-Realschule genauer an: Ein gelber Pfeil, der durch eine rote Tür führt, verbunden mit dem Slogan: „Das Tor in eine erfolgreiche Zukunft.“ „Der Neubau stößt den Schülern dieses Tor nicht automatisch auf“, erklärte Jonas. „Aber er macht es größer und schöner.“

Knifflige Aufgabe

Wie schön und groß, das schilderte Architekt Franz Balda aus Fürstenfeldbruck, bevor er den symbolischen Schlüssel an Land­rätin und Schulleiter übergab. Die Arbeit in Schongau seien höchst anspruchsvoll gewesen, erklärte er. Denn zum Schuljahresbeginn musste alles fertig sein. „Knapp wars“, schnauft er rückblickend durch. „Plan B gab es keinen, alle Räder mussten zwingend ineinander greifen.“ Das taten sie.

Neben der drängenden Zeit waren noch weitere Aufgaben zu meistern. Denn wo Baugeräte und Kinder aufeinander treffen, entsteht schnell ein Sicherheitsrisiko. Doch auch hier gingen alle Planungen auf. Gestalterisch, so Balda, galt es ferner, zu einem gemeinsamen Erscheinungsbild des Sammelsuriums an Einrichtungen am Schulzentrum beizutragen. Sein Anspruch war, auch optisch Zusammenhalt zu schaffen. „Die positive Art in Schongau hat uns Rückenwind gegeben“, bedankte sich der Architekt.

Zum Gelingen trugen auch hiesige Unternehmen bei, schildert Eder. Weil Firmen, die bei internationalen Ausschreibungen den Zuschlag erhielten „lieber auf Geld verzichten, als Mängel zu beseitigen“, betätigten sie sich mitunter gar als „Lumpensammler“. „Immer bereit, immer kompetent“, lobte der Schulleiter.

Den geistlichen Segen nahmen Prodekan Karl Klein, der katholische Stadtpfarrer Norbert Marxer und seine evangelische Kollegin Julia Steller. Seinen Platz haben und finden – räumlich wie sozial – sei dem Mensch ein großes Anliegen, so Steller. Sie wünschte Schülern und Lehrern den Mut, ihr „Licht scheinen“ zu lassen.

Im Jahr 2013 hatten Stadt und Landkreis einen Realisierungswettbewerb angestoßen mit dem Ziel, ein Konzept für die Schulzentrum-Entwicklung zu erhalten. 2015 beschloss der Kreistag die Erweiterung der Pfaffenwinkel-Realschule und des Gymnasiums; Gesamtkosten in Höhe von rund 28,6 Millionen Euro wurden damals eingeplant. Der Stadtrat befürwortete auf Grundlage der Entwurfsplanung zeitgleich den Neubau der Grundschule. Spatenstich an der Realschule war am 2. März 2017, am 11. September 2018 erfolgte die Inbetriebnahme fast aller Räume.

Rasso Schorer

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