Schongauer Seniorenbeirat

Mehrgenerationen-Wohnen: Alle unter einem Dach

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Maro-Vorstand Martin Okršlar referierte über die Wohnprojekte seiner Genossenschaft.

Schongau – Gemeinschaftliches Wohnen für alle Generationen – kann das funktionieren? Martin Okršlar würde diese Frage wohl mit einem deutlichen Ja beantworten. Der Vorstand der Maro-Genossenschaft für selbstbestimmtes und nachbarschaftliches Wohnen, die in Weilheim und Peiting gerade Mehrgenerationen-Wohnprojekte vorantreibt, sprach am Montag in der Sitzung des Schongauer Seniorenbeirats über diese besondere Art der Wohnform. Das Interesse an dem Vortrag war groß.

Sechs Singles, drei Paare und vier Familien mit insgesamt zehn Kindern: So lautet die bunte Mischung, die Anfang März die dreizehn Wohnungen an der Paradeisstraße in Weilheim beziehen wird. Ihr Antrieb: Nicht nebeneinander her, sondern mehr miteinander wohnen. Das ist das Prinzip, welches sich hinter dem Mehrgenerationen-Projekt der Maro-Genossenschaft verbirgt. Ein weiteres mit 14 Wohnungen wird wie berichtet im Herzen von Peiting verwirklicht. Die Bauarbeiten sollen im Frühjahr starten. Es gehe darum, lebendige Gemeinschaften zu schaffen, sagte Okršlar.

Das beginnt schon weit vor dem Einzug. Zwei Jahre lang etwa hätten sich die künftigen Bewohner der Weilheimer Anlage regelmäßig getroffen, um sich genauer kennenzulernen, berichtete der Vorstand. „Wir moderieren diesen Prozess.“ Hinzu kommt die spezielle Architektur der Gebäude, die die Kommunikation fördern soll: Räume für gemeinsame Aktivitäten, überdachte Gänge zu den Wohnungen, die breit genug sind, um Platz Tisch und Stühle zu bieten.

In alle Planungen sind die künftigen Bewohner eingebunden. Im besten Fall entsteht so eine Nachbarschaft, in der man sich gegenseitig hilft. „Gezwungen wird keiner“, erklärte Okršlar. Das Miteinander leben soll nicht überfordern. „Es sind keine Freunde, sondern gute Nachbarn.“ Einziehen kann jeder, egal, ob jung, alt, alleinstehend oder mit Familie.

Die Miete richtet sich nach der Wohnungsgröße und dem Einkommen. Wer wenig verdient, hat Anspruch auf Förderung. Wer einzieht, muss wie bei jeder Genossenschaft Anteile erwerben. Die Kosten dafür liegen laut Okršlar für eine 50 Quadratmeter-Wohnung zwischen 20 000 und 30 000 Euro. Dafür bekommt man Wohnrecht auf Lebenszeit. Dass Geld gibt‘s bei einem Auszug zurück.

Neben den Mehrgenerationsprojekten ging der Vorstand auch kurz auf die Demenz-Wohngemeinschaften ein, die die Genossenschaft gerade in Weilheim fertiggestellt hat. Sie bieten Platz für bis zu zehn Bewohner. Gerade Angehörige, die bislang den Schritt gescheut hätten, die von ihnen betreute demenzkranke Person im Pflegeheim unterzubringen, würden diese Art der Unterbringung schätzen, weil sie hier selbst mitbestimmen könnten, erläuterte Okršlar. Betreuung und Pflege sei rund um die Uhr durch ambulantem Dienst und Alzheimer Gesellschaft gewährleistet.

Interessiert folgten Seniorenbeiräte und Besucher den Ausführungen des Vorstands. Natürlich blieben Fragen nicht aus. Eine lautete, warum in den Mehrgenerationenhäusern nicht gleich eine Sauna und Whirlpool eingebaut werde. Die Erfahrung habe gezeigt, dass solche Anlagen nicht in Schuss gehalten werden von den Mietern, antwortete Okršrlar. Aber wer wolle, könne sich natürlich im Garten seine eigene kleine Blocksauna einrichten.

Auch mögliche Konflikte zwischen den Generationen standen im Fokus, etwa wenn sich jemand durch die lärmenden Kinder im Garten gestört fühle. Um solche Probleme anzusprechen, gebe es regelmäßige Hausversammlungen, sagte der Vorstand. „Eine Patentlösung gibt es aber nicht.“ Klar sei, dass nicht jeder seine Wünsche durchsetzen könne. Eine gewisse Kompromissfähigkeit sei deshalb Grundvoraussetzung. „Wer diese nicht hat, fühlt sich nicht wohl.“

Die Frage, ob die Maro bald auch in Schongau ein derartiges Projekt verwirklichen werde, musste Okršlar verneinen. „Wir haben derzeit hier nichts geplant“, sagte er. Wenn die Stadt allerdings einen heißen Tipp für ein passendes Grundstück habe, könne man sich gern unterhalten.

Christoph Peters

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