Stadträte hinterfragen Stadtmauer-Prozess:

Kräfte richtig verteilt?

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Auch der Sonnengraben wird im Konzept bedacht.

Schongau – Eigentlich sollte erstmal nur der Sonnengraben umgestaltet werden, daraus wird aber nun ein größerer Aufriss. Seit wenigen Wochen laufen die Vorbereitungen auf einen Wettbewerb, in dessen Rahmen das Schongauer Stadtmauerumfeld städtebaulich und landschaftsplanerisch überarbeitet werden soll – zunächst aber nur auf dem Papier.

„Der Sonnengraben hat oberste Priorität“, erklärte Stadtbaumeister Ulrich Knecht in der jüngsten Stadtratssitzung. Nur dort Veränderungen vorzunehmen, wäre jedoch schwierig geworden. „Für die Umgestaltung am Schwanenweiher haben wir bereits eine Förderung erhalten,“ erinnert Knecht. Um eine weitere Anreihung an Einzelumbauten zu vermeiden, sollte stattdessen nun das gesamte Stadtmauerumfeld betrachtet werden – einerseits, „um die Einheitlichkeit zu gewährleisten“, so der Stadtbaumeister. Andererseits winken so Fördergelder aus dem Städtebaulichen Denkmalschutz, sodass nur 20 Prozent selbst gestemmt werden müssen. Insgesamt sind für den Wettbewerb 121 000 Euro veranschlagt, der Löwenanteil für Preisgelder (52 000 Euro netto) sowie Preisrichterhonorare (rund 31 000 Euro).

Friedrich Zeller (SPD) rechtfertigte, der Prozess sei zwar aufwendig, doch seien viele gute Ergebnisse zu erwarten. Und angesichts der hohen Förderung könne man den Wettbewerb ohnehin kaum ablehnen. Anders sah das Peter ­Huber (SPD): „Wir haben doch ein wunderschönes Stadtmauer­umfeld.“ Verbesserungswürdig sei nur wenig, bahnbrechende Ergebnisse erwarte er deshalb nicht.

Welche Themen finden in der Auslobung Berücksichtigung? Dazu hatte Till Fischer, Stadtplaner von AFKU-Architekten, erste Informationen parat – auch Ideen aus der Bürgerbeteiligung vom 6. April (der Kreisbote berichtete) seien darin eingeflossen. Der „historische Lehrpfad“, den CSU-Stadträtin Kornelia Funke beispielsweise in der Veranstaltung vorgeschlagen hatte, sei „eine inte­ressante Anregung“. Zu konkrete Ideen wie die Umsetzung eines Barfußpfads könne man in der Auslobung dagegen nicht berücksichtigen. Ebenso wenig werde von den 15 Stadtplaner-Teams, die gegeneinander um das beste Konzept wetteifern, eine Wasserquelle für Wanderer und Fahrradfahrer um die Stadtmauer herum untersucht, wie es ein Bürger gewünscht hatte. Fischer dazu: „Da ist der technische Aufwand sehr hoch“ – und die Notwendigkeit nicht unbedingt gegeben.

Große Herausforderung

Definitiv geprüft werden müssten im Konzept die Sitzgelegenheiten entlang der historischen Mauern. Auch der von Bürgermeister Falk Sluyterman zuletzt thematisierte Konflikt zur Sichtbeziehung werde einfließen – als „ganz elementarer Bestandteil“, verspricht Fischer. Zum Hintergrund dieses Konfliktes: Einerseits besteht der Wunsch, die Mauer sichtbarer darzustellen, um sie touristisch besser nutzen zu können. Kritiker monieren jedoch, dadurch müsse die Vegetation zu sehr ausgedünnt werden.

Den Grüngürtel voranzubringen, sieht auch Ilona Böse (SPD) als wichtig an – nicht nur wegen des Tourismus‘, auch für die Naherholung. Wichtig sei dafür ein Gesamtkonzept, deshalb gelte in Hinblick auf den Wettbewerb: „Diesen Kraftakt müssen wir auf uns nehmen.“

Michael Eberle (CSU) hält dagegen: Kräftezehrend sei so ein Prozess vielmehr für das Bauamt, das „eh schon auf Kante arbeitet.“ Dadurch würden Kapazitäten in Beschlag genommen, die an anderer Stelle fehlten. Geht es nach Eberle, müsse vielmehr dem Baugebiet in Schongau-Nord Priorität eingeräumt werden. Die geringe Bürgerbeteiligung am 6. April – nur etwa 40 Leute waren gekommen – sieht er als Bestätigung seiner Ansichten: Das Thema genieße bei den Schongauer Bürgern einen eher untergeordneten Stellenwert. Bettina Buresch (ALS) warnte, die Anzahl an Gästen als Desinteresse auszulegen. „An diesem Tag waren noch mehrere andere größere Veranstaltungen.“

Die nächste Gelegenheit für Bürger, sich im Prozess zu Wort zu melden, ist erst im Herbst. Im nächsten Schritt setzt sich kommende Woche das Preisgericht zusammen, bestehend aus Fach- und Sachpreisrichtern. Während das Fachpreisrichter-Gremium aus Architekten und Stadtplanern besteht, setzen sich die Sachpreisrichter rein aus Schongauer Akteuren zusammen. Diese werden sein: Falk Sluyterman, Ilona Böse, Kornelia Funke, Monika Maucher (UWV), Bettina Buresch und als ständiger Vertreter ­Helmut Hunger (CSU).

Marco Tobisch

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