Trotz dringendem Bedarf

Kindergarten-Neubau verzögert sich

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Symbolfoto

Schongau – Mehr Zuzug, mehr Geburten: Schongaus Bevölkerung wächst. Was auf der einen Seite eine gute Nachricht ist, stellt die Stadt bei der Kinderbetreuung vor Probleme. Kindergärten und -krippen sind ausgebucht. Wer einen Platz braucht, kommt aktuell nur auf eine Warteliste. Am Dienstag beschäftigte sich der Stadtrat deshalb erneut mit der Frage, wie dem wachsenden Bedarf am besten zu begegnen sei. Eine Hauptrolle spielte dabei das geplante Haus für Kinder am Schulzentrum.

 Aktuell gibt es in der Stadt 386 Kindergarten- und 54 Krippenplätze. Davon sind 361 beziehungsweise 51 belegt. Doch frei sind die übrigen nur auf dem Papier. Grund dafür ist zum einen der Anstellungsschlüssel, der das Verhältnis der Arbeitszeit des Personals zu den Buchungszeiten widerspiegelt und einen gewissen Wert nicht überschreiten darf. Zum anderen würden etwa Unter-Dreijährige und Integrativkinder zwei Plätze belegen, erläuterte Rita Weckbecker, bei der Stadt zuständig für die Kindergärten.

Das führe dazu, dass man aktuell keine neuen Kinder aufnehmen könne außer man nutze die von der Regierung eingeräumte Möglichkeit, den Anstellungsschlüssel zu überschreiten oder eigentlich voll belegte Einrichtungen für eine kurze Zeit zu überbuchen. Aktuell warten 13 Krippen- und 18 Regelkinder auf einen Betreuungsplatz.

Entspannung könnte kurzfristig die vor Weihnachten genehmigte Umwandlung der HPT-Plätze in der Clara-Fey-Tagesstätte in zehn Regelplätze schaffen. Doch noch sei der Träger auf der Suche nach Personal, sagte Weckbecker. Möglicherweise könnte außerdem eine Notgruppe im Pfarrheim von Verklärung Christi installiert werden. Entsprechende Gespräche würden demnächst geführt.

Insgesamt gehe man in den kommenden Jahren von einem zusätzlichen Bedarf von 25 Kindergarten- und bis zu 18 Krippenplätzen aus, stellte die Stadtmitarbeiterin mit Verweis auf die aktuellen Entwicklungen – allein 2015 sind 14 Kinder im Alter zwischen 0 und fünf Jahren neu hinzugekommen – und die Prognose der Firma SAGS fest.

CSU fühlt sich bestätigt

Bei der CSU sah man sich durch die Zahlen bestätigt. „Wir haben diesen Bedarf schon vor fünf Jahren gesehen. Hätten wir damals gehandelt, hätten wir jetzt keine Warteliste“, wetterte Fraktionschef Michael Eberle. „Jetzt haben wir für zwei Jahre ein Riesenproblem.“ Diesen Vorwurf freilich wollte Bürgermeister Falk Sluyterman nicht einfach so stehen lassen. Diese Entwicklung sei damals anhand der vorhandenen Zahlen nicht absehbar gewesen, entgegnete er. „Im Nachhinein ist immer alles einfacher. Wir müssen jetzt in die Zukunft schauen.“

Eigentlich hatte der Stadtrat bereits im September entsprechende Schritte eingeleitet, als er den Neubau eines Haus für Kinder am Schulzentrum beschloss. Der Plan sah vor, dieses möglichst schnell zu errichten, um es ab September übergangsweise als Ausweichquartier während des Neubaus der Grundschule nutzen zu können. Anschließend sollten dort vier Kindergartengruppen unterkommen.

Doch von dieser Kopplung, die der Stadt viel Geld sparen sollte, weil man auf Container hätte verzichten können, habe man mittlerweile wieder Abstand nehmen müssen, sagte Stadtbaumeister Ulrich Knecht. Als Grund nannte er zum einen die hohe Auslastung der Systembauhersteller durch die Flüchtlingskrise. Zum anderen sei nicht sicher gewesen, ob das Grundstück bis März geräumt werden könne. Monatelange Verzögerungen seien dadurch nicht auszuschließen gewesen, weshalb man im Dezember einen Planungstopp verhängt habe.

Zwei Varianten

Doch der Stadtbaumeister war nicht mit leeren Händen in die Sitzung gekommen. Als Alternative hatte das Bauamt zwei Varianten erarbeitet. Die erste sieht einen Neubau für vier Gruppen am May-Gelände vor. Die Außenstelle „Luftballon“ an der Benefiziumstraße wird geschlossen. Der Kindergarten Regenbogen wird saniert, soll aber nur noch eine Kindergarten- und eine Krippengruppe beherbergen.

Bei Variante zwei fällt der Neubau kleiner aus (drei Gruppen), dafür bekommt der Kindergarten Regenbogen einen Anbau, um weiterhin drei Gruppen aufnehmen zu können, ohne den Mehrzweckraum wie bislang zweck­entfremden zu müssen. Die Kosten für die erste Lösung schätzte Stadtbauamtsmitarbeiter Robert Thomas auf 2,9 Millionen Euro – die zu erwartende Förderung bereits abgezogen. Variante zwei wäre mit 3,1 Millionen Euro rund 180 000 Euro teurer. In beiden Fällen sind die Kosten für eine übergangsweise Unterbringung der Gruppen während der Sanierungsphase bereits eingerechnet.

„Beide Varianten sind gute Lösungen“, betonte Knecht. Er tendiere jedoch zur zweiten. So falle bei Einrichtungen mit drei Gruppen die Personalplanung leichter, begründete er. Der fließende Übergang von Krippe in den Kindergarten sei besser zu bewerkstelligen, genau wie eine wohnortnahe Versorgung. Durch den Anbau sei außerdem das Grundstück komplett erschlossen. „Am May-Gelände können wir auch später noch leicht erweitern.“

In der anschließenden Diskussion ging es weniger darum, welche Variante die bessere sei, sondern vielmehr um die Frage, ob die Stadt die hohe Summe überhaupt stemmen könne. „Die Notwendigkeit ist da und es ist eine Pflichtaufgabe. Aber woher nehmen wir das Geld?“, sorgte sich Roland Heger (UWV) angesichts der vielen offenen Projekte.

 Dass Sanierung und Neubau nun zusammen angegangen werden sollten, war auch für Kämmerer Werner Hefele neu. Bislang seien nur die Kosten für das Haus für Kinder im Haushalt (2,25 Millionen Euro) zeitnah vorgesehen. „Sollten Sie das jetzt beschließen, hätte das gravierende Auswirkungen.“ Er schlug vor, vor einer Entscheidung die Haushaltssitzung am 2. Februar abzuwarten.

Entscheidung vertagt

Bei der CSU kam das nicht gut an. „Wir sind jetzt in der dritten Lesung. Ich weiß nicht, was noch besser werden soll. Billiger wird es auch mit Haushalt nicht.“ Doch der Appell und auch der Hinweis des Bürgermeisters, dass man Sanierung und Neubau getrennt entscheiden könne, fruchteten nicht. Mit 13:10-Stimmen entschied das Gremium, die Entscheidung auf die Haushaltssitzung zu vertagen.

Christoph Peters

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