Als Parteiloser ins Rennen

Schongauer CSU wählt Hans Rehbehn zu ihrem Bürgermeister-Kandidaten

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Er möchte als neuer Bürgermeister ins Schongauer Rathaus einziehen. Hans Rehbehn mit den bei seiner Vorstellungsrede verwendeten Utensilien.

Schongau – Über die Parteigrenzen hinweg hatte der CSU-Ortsverband Schongau am Donnerstagabend ins Ballenhaus eingeladen. Es galt anlässlich der bevorstehenden Ortshauptversammlung ihren Kandidaten für die Bürgermeisterwahl zu präsentieren und diesen für die am 15. März 2020 vorgesehenen Kommunalwahlen aufzustellen.

Als der Ortsvorsitzende der Schongauer CSU Dr. Oliver Kellermann die für eine Nominierung unerlässliche Aufstellungsversammlung einleitete, schlug er mit Hans Rehbehn nochmals offiziell den Mann für die Kandidatur vor, der zuvor bereits alle Gremien, die Vorstandschaft und den Parteirat der CSU einstimmig davon hatte überzeugen können, dass er der Richtige für das Amt des Bürgermeisters von Schongau sei. Dabei ist Hans Rehbehn parteilos und gehört keiner politischen Gruppierung an. Dass die CSU ihn für den richtigen Kandidaten hält, war bereits im April öffentlich gemacht worden.

Wie er in seiner Vorstellungsrede feststellte, könne er als parteiloser Bürgermeister viel besser zwischen den einzelnen politischen Parteien und deren Vorstellungen vermitteln. Gleichwohl sei es ihm eine große Ehre, dass die CSU mit ihm für das Amt des Bürgermeisters ins Rennen gehen möchte.

Der 59-jährige Hans Rehbehn ist in Schleswig-Holstein als siebtes von neun Kindern geboren. Dort besuchte er auch die Grund- und Hauptschule, bevor er mit 15 Jahren auszog, um eine Lehre zum Koch zu machen. Nach nur einem Gesellenjahr war es dann die Bundeswehr, die seinen weiteren Lebensweg beeinflussen sollte.

Als Wehrpflichtiger trat er 1980 seinen Dienst bei den Fallschirmjägern im baden-Württembergischen Calw an. Es folgten seine Ausbildung zum Unteroffizier und später zum Feldwebel, bevor er als Berufssoldat im September 1987 nach Altenstadt zur Luftlande- und Lufttransportschule versetzt wurde. Dass Schongau seine neue Heimat werden sollte, wurde ihm aber seiner eigenen Angabe nach erst klar, als er hier seine jetzige Frau kennenlernte.

Nach sieben Jahren in Altenstadt verließ Rehbehn die Bundeswehr, um bei der Bundeswehrfachschule in München die Fachhochschulreife zu erwerben. Daran anschließend studierte er an der Hochschule für den öffentlichen Dienst in Hof. 1999 erhielt er das Diplom zum Verwaltungswirt.

Danach war er bei der Landeshauptstadt München als Programmierer eingesetzt. 2001 trat er seinen Dienst beim Sozial­amt des Landratsamtes Weilheim-Schongau an. Der Tätigkeit als Sozialhilfe-Sachbearbeiter folgte 2009 die Berufung in das Amt des Pressesprechers und des stellvertretenden Büroleiters des Landrats. Pressesprecher des Landkreises ist er auch aktuell noch, zudem ist er Leiter des Büros der Landrätin und stellvertretender Dienststellenleiter in Schongau. Und wenn es nach ihm geht, wird der Vater von vier erwachsenen Kindern nach den Kommunalwahlen im Frühjahr 2020 neuer Bürgermeister.

„Als erfahrener Triathlet und Finisher eines Ironmans, weiß ich, was es heißt dranzubleiben, sich ehrgeizig auf ein Ziel vorzubereiten und entschlossen und mit mentaler Stärke das Ziel zu erreichen”, stellte er in seiner Ansprache fest. Er verriet aber auch, dass er es in trainingsfreien Zeiten etwas ruhiger angehen lässt und sich der Aquarellmalerei verschrieben hat.

Neben zahlreichen sportlichen Zugehörigkeiten gehören u. a. der Förderverein des Welfen-Gymnasiums sowie die Freunde der Musikschule Schongau dazu. Seit 2017 ist er erster Vorsitzender vom Tropfen e.V., einem gemeinnützigen Verein, dessen Ziel und Zweck es ist, schnelle und direkte Hilfe für in Not geratene Kinder und Jugendliche und deren Familien aus dem Landkreis zu leisten.

"Pläne und Ziele"

„Es gibt auch etwas, was ich für das Bürgermeisteramt nicht mitbringe, nämlich langjährige politische Erfahrung”, führte er weiter aus. Durch seine lange Tätigkeit als Pressesprecher und Büroleiter der Landrätin wisse er aber wie Kommunalpolitik funktioniert. Und er habe Pläne und Ziele für die Stadt, aber auch noch keine fertigen Antworten für alles. Bei seiner Rede präsentierte er sodann einige mitgebrachte Utensilien, die er als Symbole seines politischen Ansinnens verwendete.

Er zeigte seinen Zuhörern Schaufel und Handfeger und sagte, dass man mit diesen gut Dinge freilegen kann, die vielleicht noch tief verborgen oder nicht offensichtlich sind. „Dinge wie die Möglichkeiten in der Stadt Schongau, die viel zu oft – so kommt es mir jedenfalls vor – verborgen bleiben”. Als Beispiele nannte er den Öffentlichen Nahverkehr, dessen Attraktivität er durch die Verbindung mit Schnellbussen nach Weilheim, Landsberg und Markt­oberdorf steigern möchte. Ferner will er eine bessere Taktung des Stadtbusses mit weiteren Haltestellen u. a. im Dornauer Feld, in der Lechvorstadt und am Krankenhaus veranlassen.

Auch das Radwegenetz soll unter Beteiligung der Bürgerschaft ausgebaut sowie ein einheitliches Mietradsystem mit Standort am Bahnhof geschaffen werden. Auch müsse die Pfaffenwinkelbahn modernisiert und die Fuchstalbahn aktiviert werden. „Die touristische Vermarktung der Stadt liegt am Boden”, sagte er. Sowohl die Romantische Straße als auch die Via Claudia und demnächst auch der Lechradweg führten an Schongau vorbei, weil niemand die Stadt kennt.

Auch den Umweltschutz führte der Bürgermeisterkandidat als Handlungsfeld an. Müll möchte er sowohl mittels einer gezielten Aufstellung von Mülleimern und Papierkörben im öffentlichen Bereich, als auch einer konsequenten Ahndung von illegalen Müll­ablagerungen vermeiden. Zudem möchte er freundliche Stadteinfahrten mit Blühstreifen zur Erhaltung der Artenvielfalt gestalten und städtische Fahrzeuge als Vorbild mit alternativen Antriebsformen anschaffen.

Weiterhin präsentierte Rehbehn eine Bohrmaschine, mit der man dicke Bretter bohren könne. Hierzu nannte er die Wirtschaftsförderung und das Citymanagement, die er zur Chefsache machen möchte. „Mutige Entwicklungen und Erhaltung von lieb gewonnenem sollten sich die Waage halten” sagte er und führte dazu aus, Leerstände für Ansiedlungen vermarkten und den Parkraum mit einer Verbindung zur Altstadt erweitern zu wollen.

Mit dem mitgebrachten Schraubenzieher wolle er an manchen Schrauben drehen. Er werde sich für die Erhaltung und Steigerung der Lebensqualität aller Generationen der Stadt stark machen, sagte Rehbehn. Hierzu nannte er die Schaffung von bezahlbarem und barrierefreiem Wohnraum in allen Stadtteilen. Zum Beispiel durch die Schaffung eines Jugendbeirates will Rehbehn die Stadtjugend zur Beratung und als Ideengeber für den Stadtrat und den Bürgermeister mit einbinden.

Für die Stärkung des Ehrenamtes möchte er sich durch eine wertschätzende Anerkennungskultur und eine gezielte Vereinsförderung einsetzen. Zudem sprach er sich für moderne Sport- und Freizeitstätten mit einem für alle Generationen nutzbaren Bike- und Skaterpark und den Ausbau der vorhandenen Spielplätze in Mehrgenerationenspielplätze aus. Auch die Sanierung des Eisstadions, des Sanitärgebäudes am Fußballplatz in der Markt­oberdorfer Straße sowie die Rutsche im Plantsch machte er zu seinen Themen.

Als letztes Utensil und wie er meinte „vielleicht nicht das unwichtigste Werkzeug” präsentierte er einen kleinen Hammer, um damit Mauern, Barrieren und sonstige Hindernisse einzubrechen. Als Beispiel nannte er die Wichtigkeit einer soliden Haushaltsplanung und den verantwortungsvollen Umgang mit den finanziellen Mitteln der Stadt. Auch sehe er den Schuldenabbau und interkommunale Zusammenarbeit für die Leistungsfähigkeit der Stadt als unerlässlich. „Wir müssen aufpassen, dass der östliche Landkreis uns nicht abhängt und auf ein Abstellgleis schickt. Wir müssen unser Mittelzentrum wieder zum Leben erwecken.”

Einstimmig sei Hans Rehbehn gewählt worden, so Ortsvorsitzender Kellermann kurz nach der Auszählung der von den anwesenden 41 Mitgliedern im unmittelbaren Anschluss abgegebenen Stimmen.

mel

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