"Ein sehr gutes Ergebnis"

Abi-Abschied vom WGS

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Oberstufenkoordinator Richard Schwarz (ganz links) und Schulleiter Bernhard O‘Connor (ganz rechts) gratulierten Maximilian Ludwig, Laura Kögel, Magdalena Kögl, Sonja Landgraf, Vanessa Romeißen, Joseph Pietsch, Maria Götsch, Amelie Sänger und Helene Schilcher (v. links) zu ihrem Schnitt von 1,5 oder besser.

Schongau – Wieder verlässt eine große Schar junger Menschen das Schongauer Welfen-Gymnasium mit dem Abi in der Tasche. Nochmals einen Blick zurück auf ihren Werdegang an der Schule zu werfen und ihnen viele gute Wünsche mit auf den weiteren Weg zu geben, stand bei der Zeugnis-Verleihung am Freitag in der Lechsporthalle auf dem Programm.

Anna Beckmann kann genau ausschneiden, hat mit dem Knoten-Knüpfen aber Schwierigkeiten. Tassilo Seiler kaspert in der Garderobe umher und Lukas Dill verlangt es einiges an Mühe ab, sich an Gesprächsregeln zu halten. Das geht aus den Zeugnissen hervor, die am Freitag auszugsweise verlesen wurden. Doch keine Bange: Die Zitate sind jahrealt, sie stammen aus der Grundschulzeit der heutigen Abiturienten.

„Er kennt die Wochentage und kann die Uhr lesen“, wurde Joseph Pietsch vor zwölf Jahren gelobt. Nun, 2018, fuhr er seine allgemeine Hochschulreife mit einem Schnitt von 1,0 ein, punktgleich mit Laura Kögel. Das Duo erhielt dafür je 1.000 Euro von der Frank-Hirschvogel-Stiftung und bildete die Spitze eines Jahrgangs, der ein „sehr gutes Ergebnis“ hinlegte, wie Schulleiter Bernhard O‘Connor lobte.

Insgesamt 122 Schüler – davon 74 weiblich – nahmen ihr Abschlusszeugnis am Freitag in Empfang; 81 brachten ihr Abi mit 2,5 oder besser in trockene Tücher; 39 hatten sogar eine Eins vor dem Komma. Insgesamt lag der Schnitt bei 2,27. „Ihr dürft stolz sein“, befand O‘Connor.

„Wir erinnern uns noch sehr gut an Euren ersten Tag am Gymnasium“, sagte Waltraud Fürst stellvertretend für den Elternbeirat. Und wenngleich Lehrer Wilfried Funke scherzhaft – beispielsweise beim Blick auf das morgendliche Parkplatz-Gebahren der Abiturienten – fragte, ob mit dem Erwerb des Reifezeugnisses auch tatsächlich Reife bezeugt werde, sah Fürst die scheidenden Schüler, die ein „erstes Etappenziel“ erreicht hätten, als „die Elite des Landes“. „Ihr werdet gebraucht.“

Wo, da äußerte Schongaus Bürgermeister Falk Sluyterman einen Wunsch: Hier, in und rund um seine Lechstadt. „Verlieren Sie nicht die Bindung zur Heimat“, bemühte er einen viel benutzten Begriff. „Heimat ist, wo ich verstehe und verstanden werde“, zitierte Funke den Philosophen Karl Theodor Jaspers. Ob Schongau oder Shanghai, ob Peiting oder Peking – das Besinnen auf die Herkunft biete Halt und Orientierung. „Zwei Dinge sollen Kinder von ihren Eltern bekommen: Wurzeln und Flügel“ lautete ein Ausspruch von Johann Wolfgang von Goethe, den mit Landrätin Andrea Jochner-Weiß und Fürst gleich zwei Rednerinnen heranzogen.

Jetzt gelte es, diese Flügel zu erproben, so die Vertreterin des Elternbeirats. „Ihnen stehen alle Türen offen und Sie entscheiden, durch welche sie gehen“, formulierte es Sluyterman. Und manchmal sei die Wahl der Tür weniger wichtig, als „dass Sie beherzt eintreten“. Doch erst einmal, das sei auch ihm klar, sei Müßiggang angesagt, erinnerte sich der Bürgermeister etwas wehmütig an seine eigene Zeit zwischen Abi und Bundeswehr-Antritt. „Ein Mensch, der nichts tut, kann unmöglich glücklich sein“, zitierte O‘Connor Aristoteles. Seiner persönlichen Meinung entspreche das nicht. „Doch“, hielt er dagegen, „das geht“, und wünschte den Abiturienten eine schöne freie Zeit bis zum Beginn ihres Studiums, ihrer Ausbildung – oder bei der angedachten Auszeit. „Aber übertreiben Sie es nicht, auch ihren Eltern zuliebe.“ Dass die scheidenden Schüler ihre Freiheit tatsächlich in vollen Zügen genießen, darum sorgte sich auch Funke kaum. Überhaupt: Erstrebenswert sei ja kein ge- sondern ein erfülltes Leben. Abschauen könne man sich von den jungen Frauen und Männern neben Zusammenhalt, auch jede Menge Lässigkeit.

Die stellten Daniel Wimmer und Fanny Obmann, die stellvertretend für den Jahrgang eine Abschiedsrede hielten, dann auch gleich zur Schau: Herangegangen seien sie an diese ehrenvolle Aufgabe, wie an alle weiteren schulischen Verpflichtungen eben auch: Warten, bis die Gleichgültigkeit der Panik weicht und dann die Suchmaschine Google bemühen. Doch weil die dort erstöberten Funde entweder unauthentisch gut oder zum Schämen schlecht gewesen seien, habe man sich doch selbst ans Werk gemacht. Das Ergebnis: Ein launig-unverfängliches Schlusswort, das der Lehrerschaft bescheinigte, einen „ordentlichen Job“ vollbracht zu haben und mit einem Lob an die Kameradschaft ans Herz ging.

Denn wie schon die Landrätin vorab Fjodor Michailowitsch Dostojewski zitiert hatte: „Es ist nicht der Verstand, auf den es ankommt, sondern das, was ihn leitet: Herz und Charakter.“ Sie gratulierte den Abiturienten, hielt aber fest: „Ihr Zeugnisschnitt ist weniger wichtig, als dass sie sich im Leben zurechtfinden.“ 

ras

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