"Die Würde ist entscheidend"

Welfen-Gymnasium ist "Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage"

+
Das Schongauer Welfen-Gymnasium darf sich nun „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ nennen. Der Titel wurde am Montag verliehen.

Schongau – Nach der Mittelschule trägt nun auch das Welfen-Gymnasium den Titel „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“. Mit einem Festakt wurde die Übergabe der Plakette am Montag gefeiert. Die Auszeichnung ist vor allem auf das Engagement dreier ­Schülerinnen zurückzuführen.

Begonnen hatte alles vor mehr als zwei Jahren, wie Amelie Kaul, eine der Initiatorinnen des Projekts, den Gästen schilderte. Sie erfuhr von „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“, holte zuerst ihre Mitstreiterinnen Rebecca Keller und Sophia Sinn, dann Schülermitverwaltung (SMV), Klassensprecher sowie Lehrer an Bord. Als betreuende Lehrkraft mussten sie Caroline Neumeier nicht lange bitten. Um sich überhaupt für das Projekt zu qualifizieren müssen mindestens 70 Prozent der Schulgemeinschaft eine Selbstverpflichtung unterschreiben. Am Welfen-Gymnasium hat man knapp 82 Prozent erreicht, wie die Initiatorinnen nicht ohne Stolz schilderten.

Doch damit nicht genug – ein Pate musste her. Gefunden haben die Schüler diesen in Eishockeynationalspieler Bernhard Ebner. Der stammt aus Ingenried und ist selbst aufs Welfen-Gymnasium gegangen. Ebner spielt bei der Düsseldorfer EG und eben auch für die deutsche Nationalmannschaft. Seine Patenschaft erfülle ihn mit Stolz, sagte er bei dem Festakt. Denn auch im Sport komme es immer noch und immer wieder zu Diskriminierungen, so der Projekt-Pate.

Eine erste öffentlichkeitswirksame Aktion bot sich den Gymnasiasten kurz vor den Landtagswahlen. Die AfD hatte direkt am Eingang zum Schulzentrum ein Plakat mit der Forderung nach „Islamfreien Schulen“ platziert. Die Verbindungslehrer Matthias Bichl­mayr und Alexander Mikutta sowie „Werte-Multiplikatorin“ Monika Soyer-Bauer waren sofort dabei. „Wir wollten inhaltlich antworten“, schildert Bichl­mayr während des Festakts. So wurde schnell ein Schild gebastelt, auf dem „Rassismusfreie Schulen“ zu lesen war. Bei Bürgermeister Falk Sluyterman fanden die Schüler Unterstützung: Er genehmigte die Aufhängung schnell und unbürokratisch.

In einer Zeit, in der Angriffe auf Migranten trauriger Alltag seien und eine Partei Schüler als Denunzianten missbrauche, müsse man sich einmischen, befand Schulleiter Bernhard O‘Connor. Mit der Plakataktion hätten die Schüler ein „starkes Signal“ gesendet. Doch dabei soll es natürlich nicht bleiben, so der Schulleiter. „Das Engagement endet ja nicht mit der Überreichung der Plakette.“ Er wünschte seinen Schülern, dass sie weiterhin die Courage gegen jede Art von Diskriminierung vorzugehen und immer genügend Mitstreiter für dieses Tun gewinnen können.

Sich für „Vielfalt und Farbenfrohheit“ einsetzen, das passiere am Welfen-Gymnasium, ist Landrätin Andrea Jochner-Weiß überzeugt. Sie lobte das Engagement der Schüler, die „unterstützen, helfen und über sich hinauswachsen“ wollen.

Wie wichtig es gerade in der heutigen Zeit ist, Rassismus Einhalt zu gebieten, hob Bürgermeister Falk Sluyterman hervor. In einer Zeit, in der mit Hass Wahlen gewonnen werden könnten, sei es unerlässlich ein Zeichen zu setzen. Der Rathaus­chef betonte, dass in Schongau viele unterschiedliche Nationen friedlich miteinander leben. „Rassismus hat in unserer Stadt nichts zu suchen“, so Sluyterman.

Mit dem Film „Love has no labels“ (Liebe hat kein Etikett) warben Kaul, Keller und Sinn bei ihren Mitschülern für das Projekt. „Der Film drückt aus, was wir vermitteln wollen“, so Kaul, „nämlich jeden so zu akzeptieren, wie er ist.“

Regionalkoordinator von „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ Michael Schneider-Velho überreichte der Schulgemeinschaft die Plakette. Er erinnerte daran, dass das Projekt 1988 in Belgien von Schülern entwickelt wurde. Und zwar in einer ganz ähnlichen Situation, wie wir sie derzeit in Deutschland vorfinden würden. Er ging auf die Menschenwürde ein, die „unendlich und nicht verhandelbar“ sei. Nicht Herkunft oder Aussehen sei entscheidend, sondern dass alle die gleiche Würde haben. Die Realität sehe aber leider anders aus, sagte Schneider-Velho. Der Regionalkoordinator wünschte sich, dass das Projekt am Welfen-Gymnasium am Leben gehalten und immer an die jüngeren Schüler weitergegeben werde.

Astrid Neumann

Auch interessant

Meistgelesen

Brunnen bleibt bis Weihnachten ein Ausschank
Brunnen bleibt bis Weihnachten ein Ausschank
Sparkasse Oberland unterstützt Vereine und Institutionen im Altlandkreis Schongau
Sparkasse Oberland unterstützt Vereine und Institutionen im Altlandkreis Schongau
Umzug von 19 Tonnen
Umzug von 19 Tonnen
Keine Stille Nacht allein unterm Baum
Keine Stille Nacht allein unterm Baum

Kommentare