Kalbitzer darf jetzt trauen

"Keine One-Man-Show"

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Schongau – Tobias Kalbitzer ist seit kurzem 2. Bürgermeister von Schongau. Doch der 27-Jährige ist mehr als nur der Stellvertreter von Stadtoberhaupt Falk Sluyterman. Denn schon bald darf der Schongauer heiratswillige Paar vermählen. Grund genug für den KREISBOTEN, einmal nachzufragen.

Herr Kalbitzer, waren Sie schon einmal bei einer standesamtlichen Hochzeit dabei? 

Kalbitzer: „Ja, aber das ist schon eine ganze Weile her. Sieben Jahre oder so. Sie fand damals im Ballenhaus statt."

Können Sie sich noch an den Standesbeamten erinnern und auch an das, was er gesagt hat? 

Kalbitzer: „Wenn ich mich richtig erinnere, war es Reinhold Jaser. Von seinen Worten weiß ich nicht mehr viel, mein Fokus lag damals natürlich auf dem Brautpaar.“ 

Der Stadtrat hat Sie jetzt selbst zum Standesbeamten bestellt. Sie werden also künftig genau wie Bürgermeister Fallk Sluyterman und die städtischen Standesbeamten Ehen schließen dürfen. Eine große Herausforderung?

Kalbitzer: „Natürlich, aber eine, über die ich mich sehr freue. Es ist eine coole Sache, Paare bei diesem wichtigen Schritt in ihrem Leben zu begleiten.“ 

Hat schon jemand bei Ihnen angefragt? 

Kalbitzer: „Tatsächlich haben sich schon zwei bei mir gemeldet, die mich gerne als Standesbeamten bei ihrer Trauung hätten.“ 

Ihr Auftreten ist eher locker, im Wahlkampf machten Sie dadurch auf sich aufmerksam, dass Sie zu manchen Anlässen keine Hose trugen. Müssen heiratswillige Paar befürchten, dass sie auch bei ihrer Hochzeit auf selbige verzichten? 

Kalbitzer (lacht): „Aber nicht doch. Da muss die Kleidung schon dem Rahmen entsprechend sein. Entweder ein Anzug, oder, was mir noch lieber wäre, eine schöne Lederhose samt passendem Trachtenhemd und ‘ner Weste.“

Der Ablauf einer standesamtlichen Hochzeit unterliegt strengen Regeln. Wie bereiten Sie sich darauf vor?

Kalbitzer: „Für alle neuen Standesbeamten gibt es einen eintägigen Lehrgang. Meiner, den lustigerweise der Herr Jaser leitet, findet in München statt. Da werden einem dann die Grundlagen vermittelt. Wie führe ich durch die Zeremonie? Was sind die rechtlichen Hintergünde? Was darf man sagen? Mir ist ja wichtig, dass die Brautleute im Vordergrund stehen. Das soll ja keine One-Man-Show von mir werden.“

Bei der Stichwahl zum Bürgermeister sind Sie bekanntlich knapp gescheitert. Deutschlandweit war damals berichtet worden. Bei der Wahl zum Stellvertreter hatten Sie mehr Erfolg. Überregional interessiert hat das aber niemanden mehr. 

Kalbitzer: „Das stimmt. Schon am Montag nach der Niederlage in der Stichwahl hat keiner mehr angerufen. Da ist mir richtig bewusst geworden, dass meine fünfzehn Minuten Ruhm vorbei sind. Traurig darüber war ich aber nicht, im Gegenteil.“ 

Ihre Amtszeit als 2. Bürgermeister hat gerade erst begonnen. Waren Sie schon einmal für die Stadt im Einsatz?

Kalbitzer: „Ja, am vergangenen Wochenende durfte ich beim Jugend-Triathlon die Sieger ehren. Richtig ernst wird es in der zweiten Pfingst-Woche. Da werde ich Falk Sluyterman im Rathaus vertreten. Da freue ich mich schon drauf.“ 

Wie vereinbaren Sie das mit Ihrem Job?

Kalbitzer: „Im Moment ist es tatsächlich etwas schwierig, da ich Vollzeit arbeite. Ab August kann ich meine Stunden reduzieren, dann wird’s leichter.“ 

Wie ist die Zusammenarbeit mit Sluyterman? 

Kalbitzer: „Das läuft gut. Wir sind ein gutes Team.“ 

Als Stadtrat haben Sie die ersten Sitzungen hinter sich. Zu Wort gemeldet haben Sie sich bislang allerdings nicht. Woran liegt das? 

Kalbitzer: „Ich bin jemand, der erst einmal beobachtet und nicht gleich vorprescht. Ich muss ja auch erst einmal sehen, wie die anderen so sind. Beim Thema Neubau der Arbeitsagentur wollte ich mich eigentlich äußern, doch die Argu-mente lagen schon auf dem Tisch. Da muss ich nicht das gleiche noch einmal sagen, nur um mich zu profilieren.“

Interview: Christoph Peters

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