Diesmal ohne Liegestütze

Schongauer Bürgermeisterkandidaten stehen bei Podiumsdiskussion Rede und Antwort

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Diskutierten vor rund 300 Zuhörern über die Belange Schongaus: die Bürgermeisterkandidaten Hans Rehbehn (CSU), Daniela Puzzovio (ALS) und Falk Sluyterman (SPD).

Schongau – Am 15. März geht es an die Urnen für die Bürgermeisterwahlen. Die Schongauer können sich zwischen drei Kandidaten entscheiden. Am Montagabend nutzten etwa 300 Zuhörer die Gelegenheit, Hans Rehbehn (CSU), Daniela Puzzovio (ALS) und Falk Sluyterman (SPD) bei der Podiumsdiskussion der Tageszeitung im Jakob-Pfeiffer-Haus genauer unter die Lupe zu nehmen.

Bereits eine halbe Stunde vor Einlass war der Parkplatz des Jakob-Pfeiffer-Hauses am Montagabend voll, eine Menschentraube suchte unter dem Vordach Schutz vor dem anhaltenden Regen. Pünktlich um 18.30 Uhr öffneten sich dann die Pforten für die Podiumsdiskussion der Schongauer Bürgermeisterkandidaten. In fast zweieinhalb Stunden und vor rund 300 Zuhörern beantworteten die Herausforderer Hans Rehbehn (CSU) und Daniela Puzzovio (ALS) sowie der amtierende Rathauschef Falk Sluyterman (SPD) Fragen über sich selbst und die Lechstadt.

Hans Rehbehn

An die Wahl vor sechs Jahren und die 32 Stimmen, die zwischen ihm und Tobias Kalbitzer damals lagen, ließ sich das derzeitige Stadt­oberhaupt Falk Sluyterman nur ungern erinnern. Wie knapp es damals wirklich war, das sei ihm bei der Stichwahl bewusst geworden, als er an den Häusern klingelte und oftmals zu hören bekam: „Ja, ich hab den Langhaarigen gewählt“, sagte Sluyterman am Montagabend. Gelassener sieht er aber die jetzt anstehende Wahl nicht. „Ich möchte weiter Bürgermeister sein, da ist für Entspannung keine Zeit.“

Hans Rehbehn, der nun als Parteiloser für die CSU ins Rennen geht, hat den damaligen Wahlkampf in Schongau zwar aufmerksam verfolgt, selbst aktiv angetreten war er aber noch nicht. Überlegt hatte er es sich aber schon, so Rehbehn. Kandidatin der ALS – Bunte Liste für Schongau Daniela Puzzovio lebte 2014 noch in Weilheim. Auf das Amt als Bürgermeisterin von Schongau vorbereitet hat sich Puzzovio, die keine Erfahrung in der Kommunalpolitik mitbringt, mit einem viertägigen Kurs im Bayerischen Selbstverwaltungskolleg.

Ihre männlichen Mitbewerber sind dagegen „vom Fach“. Den ersten Kontakt zur Kommunalpolitik erhielt Hans Rehbehn 2009, als er seine Stelle als Pressesprecher im Landrats­amt Weilheim-Schongau antrat. Bei ihm läuft auch das komplette Beschwerdemanagement zusammen, wodurch er schon Führungserfahrung habe sammeln können. Außerdem ist er seit etwa einem Jahr regelmäßiger Besucher der Stadtratssitzungen.

Dauerthema Altstadt

Daniela Puzzovio

Mit einem Dauerbrenner in der Lechstadt startete man in die Diskussion: Konzepte für die Belebung der Altstadt. Der CSU-Kandidat erkannte hier „so viel Potenzial nach oben“. Als Sofortmaßnahmen würde er beispielsweise die Bücherei als Frequenzbringer in die Innenstadt holen wollen. Außerdem müsse die Tourist-Info raus aus dem Rathaus und zentral und barrierefrei zugänglich gemacht werden.

Weiter am Einzelhandelskonzept und am Tourismus arbeiten, so stellt sich die ALS-Kandidatin eine Belebung der Altstadt vor. Zudem fehlen ihr ein paar Läden in der Stadt. „Da muss man aktiv suchen“, findet Puzzovio.

Vor allem bei der Einstellung sei etwas zu bewegen, um sich wieder mit der Stadt zu identifizieren, findet der SPD-Kandidat. „Unsere Altstadt ist nicht tot“, so Sluyterman. Mit dem intelligenten Parksystem und der autofreien Zone auf dem Marienplatz habe man bereits eine gute Weichenstellung vorgenommen. Was dringend noch fehlt, sind seiner Meinung nach einheitliche und durchgehende Öffnungszeiten.

Umstrittener Posten

Falk Sluyterman

In Sachen Transparenz und Bürgernähe kam schließlich auch die Sprache auf den Posten des Wirtschaftsförderers. Nach Martin Soyka, der 2014 nach knapp eineinhalb Jahren das Handtuch warf und Nachfolgerin Yvonne Voigt, die Anfang 2018 nach einem privaten Schicksalsschlag Schongau verließ, folgte im Mai 2018 Meike Petro. Doch nach nur einem Jahr im Amt hatte sich das auch schon wieder erledigt. Die Gründe dafür sind nicht bekannt. „Das ist eine Personalangelegenheit, dazu kann und darf ich auch heute keine Auskunft geben“, machte Sluyterman während des Kandidatenforums am Montag klar. Im neuen Stellenplan sei allerdings wieder ein Wirtschaftsförderer vorgesehen „mit einem etwas geänderten Anforderungsprofil.“

Ein Wirtschaftsförderer sei unbedingt nötig, befand Hans Rehbehn. Er hält es außerdem für einen Fehler, dass die Stelle noch nicht wieder nachbesetzt wurde, wie er deutlich machte. Eine hohe Wichtigkeit maß auch Daniela Puzzovio dieser Personalie bei, „vielleicht auf mehrere Köpfe verteilt“.

In städtische Hand?

Aber nicht nur die Wirtschaft, sondern auch die Kultur will gefördert werden. Während beispielsweise in Landsberg und Weilheim Dinge wie Museum, Musikschule und Bücherei in städtischer Hand sind, sieht das in Schongau bekanntlich anders aus. Die Dinge würden zwar ganz gut laufen, war die Meinung Rehbehns, trotzdem würden die Ehrenamtlichen immer weniger werden. Bei Museum und Bücherei könne er sich jedoch durchaus den Einsatz eines Hauptamtlichen vorstellen. „Ich weiß nicht, ob die Stadt das betreiben muss“, so die Aussage Puzzovios. Den Wunsch, dass die Stadt unterstützt, sei zwar nachvollziehbar, so Sluyterman, der Personalhaushalt gebe das derzeit aber schlichtweg nicht her.

Wegen Strabs

Verzögerungen hat es sowohl beim sozialen Wohnungsbau als auch beim Straßenbau in den vergangenen Jahren einige gegeben. Gründe dafür, warum es bei den Wohnungen Im Tal nicht vorangeht, sind laut Sluyterman kommunale Pflichtaufgaben. Die Schulen – derzeit die Sanierung der Mittelschule – haben aus Fördergründen Vorrang.

Beim Straßenbau hängen die Verzögerungen mit der Straßenausbaubeitragssatzung zusammen. „Ohne Satzung wäre nichts genehmigt worden“, so das Stadtoberhaupt. Nun, da die Strabs abgeschafft worden ist, müsse man den Zustand der Straßen erfassen und priorisieren. Ähnlich sah das auch der CSU-Kandidat, der sich einen Zehn-Jahres-Plan wünschte.

Nach fast zweieinhalb Stunden gingen die Kandidaten von der Bühne. Bei den Zuhörern ging die Diskussion auf dem Weg aus dem Saal häufig noch weiter. Dabei drehte es sich weniger um die Schongauer Themen, als um das Geschick der Kandidaten. 

Gehört & notiert beim Schongauer Kandidatenforum

„Ich war damals schon überrascht, wie man mit so wenig Hintergrundwissen so heiß diskutieren kann.“ Hans Rehbehn zur Wahl und Podiumsdiskussion 2014

„Also Liegestütze auf dem Marienplatz würd‘ ich nicht machen.“ Daniela Puzzovio ebenfalls zu den Wahlkampfaktionen 2014

„Pro Liegestütze würde ich eher einmal um die Stadtmauer laufen.“ Hans Rehbehn zum selben Thema

„Gesunder Menschenverstand fehlt ja oft – ich hab‘ den.“ Daniela Puzzovio allgemein zur Kommunalpolitik

„Ich würde mich freuen, wenn Frau Puzzovio und Herr Rehbehn in den Stadtrat gewählt werden.“ Falk Sluyterman zu den anderen Kandidaten

„Einen geöffneten, zugeparkten Marienplatz wird es bei mir nicht geben.“ Hans Rehbehn zur Fußgängerzone

„Ich bin zwar ein Macher, aber kein Zauberer.“ Falk Sluyterman zum Thema Transparenz

„Kommunikation ist eine der schwierigsten Aufgaben.“ Daniela Puzzovio zum selben Thema

„Für‘s lustig sein wird bei mir keiner bezahlt.“ Falk Sluyterman zum Thema „Spaß bei der Arbeit“

„Personal ist das wichtigste Gut in einer Verwaltung.“ Hans Rehbehn zum gleichen Thema

„Das ist gegen jedes Demokratieverständnis. Ich wundere mich, dass die Menschen nicht früher auf die Straßen gegangen sind.“ Daniela Puzzovio zur Straßenausbaubeitragssatzung und deren Abschaffung

„Hier gilt es, einen gordischen Knoten zu durchtrennen.“ Falk Sluyterman zur Verkehrssituation in der Lechvorstadt

„Ich kenne zwar die Zahlen nicht, aber find‘s gut.“ Daniela Puzzovio zu einem kostenlosen Stadtbus

„Wenn wir jetzt nicht auf den Zug aufspringen, wann denn dann?“ Falk Sluyterman zu Fuchstalbahn und Klimabewegung

„...dann bin ich Bürgermeister von Schongau.“ Hans Rehbehn zu seinem potenziellen Wahlsieg

asn

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