Schongaus neuer Bürgermeister im Interview

"Es ist ein Ansporn für mich"

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Direkt nach der Wahl zum Bürgermeister von Schongau konnte es Falk Sluyterman (Mitte) noch nicht so recht fassen. Da half auch das Anstoßen mit seiner Frau Cordula und dem bisherigen Stadtoberhaupt Karl-Heinz Gerbl nichts. Erst auf der Wahlparty wich die Anspannung.

Schongau – Es war die knappste Entscheidung, die es je bei einer Wahl des Schongauer Bürgermeisters gegeben hat. Mit 50,3 Prozent lag Falk Sluyterman (SPD) am Ende nur hauchdünn vor seinem Mitbewerber Tobias Kalbitzer (Wählergruppe Karl-Heinz Rumgedisse). Der KREISBOTE sprach mit dem Sieger über den kuriosen Wahlabend, das gewaltige Medieninteresse und seine neue Aufgabe als Stadtoberhaupt. 

Herr Sluyterman, Sie wirkten am Wahlabend nach der Bekanntgabe des Ergebnisses sehr angespannt. Wann haben Sie realisiert, dass Sie gewonnen haben? 

Sluyterman: „So richtig, als ich mit meiner Familie ins Ballenhaus gekommen bin und mit Applaus empfangen wurde. Da wusste ich, Mensch, du hast tatsächlich gewonnen.“ 

Wie oft ist Ihnen der Wahlkrimi in der Nacht noch durch den Kopf gegangen? 

Sluyterman: „Sehr lange. Normalerweise schlafe ich schnell ein. Aber am Sonntag war ich sehr aufgewühlt. Man fragt sich dann, was war ausschlaggebend für die 32 Stimmen, die den Unterschied gemacht haben. Waren es die letzten Hausbesuche am Freitag? Unser Info-Stand am Samstag in der Altstadt?“ 

Ihr Sieg war hauchdünn. Bereitet es Ihnen Kopfzerbrechen für Ihre künftige Arbeit, dass Sie nur von der Hälfte der Wähler gewollt sind? 

Sluyterman: „Kopfzerbrechen nicht. Gewählt ist gewählt. Es ist aber für mich ein Ansporn, jene, die mich nicht gewählt haben, zu überzeugen, dass ich ein guter Bürgermeister für alle bin. Vielleicht geben sie mir in sechs Jahren dann auch ihre Stimme.“ 

Im Vorfeld der Wahl wurde darüber spekuliert, dass der Verlierer den Posten des 2. Bürgermeisters übernehmen könnte. Wäre das nicht eine kluge Entscheidung angesichts des Ergebnisses? 

Sluyterman: „Darüber entscheide ja nicht ich, sondern der Stadtrat. Klar ist jedoch, dass Tobias Kalbitzer nur knapp am Amt des Bürgermeisters vorbeigeschrammt ist und er zudem mit den meisten Stimmen in den Stadtrat gewählt wurde. Er bringt also einige gute Argumente mit, mit denen man sich auseinandersetzen muss.“ 

Wenn die ALS, auf deren Liste Kalbitzer kandidierte, und Ihre Partei für ihn stimmen, würde es für seine Wahl zu Ihrem Stellvertreter reichen. 

Sluyterman: „Ich hatte im Wahlkampf immer betont, dass ich parteiübergreifend Politik machen will. Daran halte ich mich natürlich auch nach der Wahl. Jetzt über Bündnisse zu reden, finde ich deshalb nicht richtig. Die Entscheidung über den 2. Bürgermeister sollte ohne den Blick durch die Parteibrille fallen.“ 

Das Medieninteresse an der Wahl war enorm dank Kalbitzer. Waren Sie in den vergangenen Wochen nicht neidisch auf die viele Aufmerksamkeit, die Ihrem Kontrahenten geschenkt wurde? 

Sluyterman: „Von Neid will ich nicht sprechen. Manchmal habe ich mich allerdings gefragt, ob das Medieninteresse gerechtfertigt ist. Mich haben sogar Bekannte aus Berlin angesprochen, was denn hier in Schongau los sei. Aber das waren alles Menschen, die hier nicht wählen durften. Natürlich ist er dadurch auch in Schongau bekannter geworden als ich, es gibt hier sicher keinen mehr, der nicht weiß, wer Tobias Kalbitzer ist. Das war schon ein großer Vorteil. Da kam ich mir ein bisschen vor wie David gegen Goliath.“ 

In einem Monat werden Sie offiziell Ihr neues Amt antreten. Wie werden Sie die nächsten Wochen verbringen? 

Sluyterman: „Am Montag bin ich erstmal wieder zu meinem Arbeitsplatz im Verkehrsministerium nach Bonn gefahren und habe meinen Vorgesetzten eröffnet, dass ich ab Mai nicht mehr hier sein werde. Bis dahin werde ich einen Nachfolger einarbeiten und gleichzeitig versuchen, mich mit meiner neuen Aufgabe zu beschäftigen. Wenn es klappt, will ich mich dazu noch vor meiner Amtseinführung mit den Abteilungsleitern der Stadtverwaltung treffen.“ 

Was sind die Themen, die Sie als erstes anpacken werden? 

Sluyterman: „Da stehen ganz oben auf der Liste der Neubau der Grundschule, die Verkehrssituation in der Lechvorstadt und der Schongauer Bahnhof. Gerade bei letzterem habe ich bei unserer Aufräumaktion am Wahlsonntag mit Erschrecken festgestellt, dass die Bahn ihren Verkehrssicherungespflichten aus meiner Sicht nur unzureichend nachkommt. Der Zustand ist inakzeptabel und muss von der Bahn sofort verbessert werden. Das wird bestimmt eines meiner ersten Schreiben als neuer Bürgermeister sein.“

Interview: Christoph Peters

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