»Münchner Modell« Favorit

Schongaus Obdachlosenunterkunft soll am jetzigen Standort im Tal bleiben

Obdachlosenunterkunft Im Tal Schongau
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Die jetzige Unterkunft für Wohnungslose befindet sich im linken Gebäude. Die Schongauer Stadträte favorisierten einen Neubau nach dem Vorbild des Dantebades in München, wo eine Parkfläche (hier vorne im Bild) überbaut wurden.
  • Astrid Neumann
    VonAstrid Neumann
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Schongau – Wohin mit der Unterkunft für Obdachlose? Das war eine der zentralen Fragen in der jüngsten Schongauer Stadtratssitzung vergangene Woche. Nach längerer Diskussion entschied das Gremium mit großer Mehrheit, auf den derzeitigen Standort im Tal zu setzen.

Im vergangenen September war der Beschluss gefallen, in die Generalsanierung der städtischen Häuser „Im Tal“ 8 und 12 einzusteigen. Zudem soll eine Machbarkeitsstudie zu den Möglichkeiten der Nachverdichtung am Standort durchgeführt werden. Das macht auch die Suche nach Lösungsansätzen für die zukünftige Unterbringung von Obdachlosen im Stadtgebiet erforderlich, so Stadtbaumeister Sebastian Dietrich.

Derzeit ist die Unterkunft für Oberdachlose im ersten Aufgang der städtischen Häuser beheimatet. Sowohl aus baubetrieblicher als auch aus wohnungswirtschaftlicher Sicht sei es jedoch notwendig, alternative Standorte zu finden, erläuterte der Stadtbaumeister. Vorgesehen seien um die zehn Einzelappartements, welche auch über eine separate Erschließung verfügen sollen. „Wohnungslosigkeit betrifft zu 70 Prozent alleinstehende Männer“, so der Stadtbaumeister. Eine Unterbringung in Einzel- und Zweier-Appartements sei in den Bestandswohnungen im Tal nicht zu realisieren, fasste er die Situation zusammen. Eine dezentrale Lösung verteilt auf das Stadtgebiet oder eine temporäre Lösung sei weder aus wirtschaftlichen Gründen noch mit Blick auf die städtebaulichen Ziele zielführend. Eine dezentrale Unterbringung habe man deshalb verworfen.

Zwei Standorte brachte Dietrich als Vorschlag ein. Zum einen im Tal. Ein Neubau in Modulbauweise könnte entweder zwischen den Baukörper auf der Grünfläche oder vorgelagert zur Wilhelm-Köhler-Straße hin errichtet werden. Für die zweite Lösung könnte ein bestehender Parkplatz überbaut werden. Als Beispiel nannte er das Dantebad in München. Hier ist eine Parkplatzfläche mit einem fünfgeschossigen und mehr als einhundert Meter langen Baukörper aus Holz überbaut worden. Vorteil hier sei, dass die Nachbarschaft mit der Thematik Obdachlosigkeit bereits vertraut sei.

Einen weiteren möglichen Standort sieht der Stadtbaumeister im städtischen Grundstück an der Benefiziumstraße direkt am Kreisverkehr. Hier ist momentan eine Notgruppe des Kindergartens Luftballon untergebracht. Vorteil sei hier das vorhandene Mischgebiet und die Nähe zum alten Standort. Einen Nachteil sieht Dietrich in der Lage direkt an der Ortseinfahrt.

„Die Situierung am Kreisel erscheint mir nicht günstig“, war auch die Ansicht von Kornelia Funke (CSU). Sie wollte wissen, wie es um eine Sanierung im Bestand oder einer dezentralen Unterbringung stünde. Laut Stadtbaumeister würde das eine erhebliche Belastung für die Bewohner bedeuten. Zudem stünde dann weniger Wohnraum und ungeeignete Grundrisse für die Unterbringung der Obdachlosen zur Verfügung. So könnten dort im Bestandsgebäude immerhin sechs Wohnungen für sozialen Wohnraum geschaffen werden. Auch dezentral halte er für ungünstig: „Wir hätten überall Kompromisse und alles würde nach Schongau West verlagert.“

Ein großer Fan der dezentralen Lösung wäre Michael Eberle (CSU), wie er in der Sitzung sagte. Dies wäre aus seiner Sicht für die Nachbarschaft weniger belastend. Er kenne die Problematiken aus solch zentralen Unterkünften aus Landsberg und Weilheim, wo viel Alkohol und Lärm häufig zu Konflikten führe. „Dezentral wäre das viel leichter zu handeln“, so Eberle. Auch er halte eine dezentrale Unterbringung in Schongau West für kontraproduktiv, pflichtete Bürgermeister Falk Sluyterman der Argumentation des Stadtbaumeisters bei.

Ein nördlicher Riegel hin zur Wilhelm-Köhler-Straße würde die städtebauliche Kante weiterführen, sprach sich Ilona Böse (SPD) für das „Münchner Modell“ mit überbautem Parkplatz aus. Diesen fand auch Bettina Buresch (Grüne) „ideal“. Aber auch den Standort am Kreisel halte sie für absolut geeignet und sehr reizvoll.

Eine dezentrale Unterbringung fiel mit 6:13 Stimmen durch. Auch der Standort am Europa-Kreisel fand keine Zustimmung (3:16 Stimmen). Mit großer Mehrheit (16:3 Stimmen) sprach sich der Stadtrat für den Verbleib im Tal aus. Favorisiert wurde hier von den Stadträten eindeutig das Münchner Vorbild. Nun soll eine Planung erarbeitet und ein Förderverfahren eingeleitet werden.

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