Schongaus Stadtbaumeister zieht Zwischenbilanz

"Manchmal stoßen wir an Grenzen"

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Bereits seit 2012 ist Sebastian Dietrich im städtischen Bauamt tätig, vor einem halben Jahr übernahm er die Position des Stadtbaumeisters.

Schongau – „Spannend und vielfältig“ beschreibt Sebastian Dietrich sein erstes halbes Jahr als Stadtbaumeister. Im August hatte er die Position von seinem Vorgänger Ulrich Knecht übernommen. Ein Unbekannter war Dietrich aber im städtischen Bauamt nicht, denn er ist bereits seit 2012 dort tätig. Und so ist der 40-Jährige schon mit vielen Projekten in seiner Heimatstadt vertraut, die er jetzt weiterführt.

„Es hilft unheimlich, Schongauer zu sein“, sagt Dietrich über seine Tätigkeit. Trotzdem will auch der Abstand gewahrt sein. Für den neuen Stadtbaumeister jedoch kein Problem: Zwar in der Lechstadt geboren und aufgewachsen, verließ er sie bereits als Jugendlicher und kehrte erst nach seinem Architekturstudium an der Technischen Universität München 2004 wieder dorthin zurück. Nach Tätigkeiten in Büros in München und im Ausland, konnte er bei einem Schongauer Planungsbüro erste Erfahrungen an einigen großen Bauprojekten in der Region sammeln.

Dazu gehörte auch die Sanierung der Dreifachturnhalle, durch die der Kontakt zur Stadt entstand. So ergatterte Dietrich 2012 eine Stelle im Hochbauamt. Als es um die Nachfolge des Stadtbaumeisters Ulrich Knecht, der sich im vergangenen Jahr in den Ruhestand verabschiedete, ging, fiel die Wahl von Seiten der Stadt schnell auf Dietrich. Der sieht sich durch die interne Besetzung in einer komfortablen Situation: „Projekte, die wir gemeinsam begonnen haben, können wir jetzt weiterführen.“ Das ermögliche auch eine langfristige Planung.

An Projekten mangelt es derzeit in Schongau nicht: Allen voran nennt der Architekt das Schulzentrum, das die Stadt ja bereits seit Jahren beschäftigt. Dietrich sieht im Teilneubau der Grundschule und der damit einhergehenden Einführung der Ganztagsschule eine „Entwicklung, die uns weit nach vorne bringt“. Die dazugehörige Mensa sowie der Schüler-Hort stellen einen weiteren wichtigen Baustein dar. Damit verbunden sieht Dietrich außerdem das im Herbst fertiggestellte Haus für Kinder, das – zumindest momentan – den Bedarf an Kindergartenplätzen in der Stadt deckt.

Doch nicht nur für die Jugend, auch für die älteren Bürger passiere viel in der Stadt, findet Dietrich. Beispielsweise nennt er hier das Münzgebäude, in das das Seniorenamt des Landkreises einziehen soll. Erste Planungen zur Sanierung sind bereits in vollem Gange.

Ein weiteres zentrales Thema ist natürlich die Schongauer Altstadt. Hier stehen die Inwertsetzung der Stadtmauer und die Neugestaltung des Stadtmauer­umfeldes an. Außerdem sei die Schaffung der Fußgängerzone ein erster wichtiger Schritt gewesen. „Unserer Altstadt tut das richtig gut“, sagt Dietrich und verweist darauf, dass die Weinstraße derzeit komplett vermietet sei. Apropos Weinstraße: Die Umgestaltung der Wein- und Münzstraße steht auch noch auf seiner Agenda, ist aber wegen der Diskussionen um die Straßenausbaubeitragssatzung (Strabs) zuletzt ein ums andere Mal nach hinten gerutscht.

Immer wieder stößt die Stadt aber an ihre Grenzen. Die Nachfrage an Wohnungen wächst, weiß Dietrich. Nachverdichtung ist hier bisher noch das Stichwort, dennoch müsse man sich auch mit der Ausweisung zusätzlicher Flächen auseinandersetzen, beispielsweise im Schongauer Norden. „Hier muss man sich aber gründlich überlegen, wie die Flächen bebaut werden können“, so der Architekt. Auch hier könnte das Integrierte Städtebauliche Entwicklungskonzept (ISEK), das derzeit in den Startlöchern steht, weiterhelfen. Den vielen Projekten steht 2018 erneut ein Rekordhaushalt mit einem Gesamtvolumen von insgesamt 40,4 Millionen Euro gegenüber.

An die Grenzen kommen Dietrich und seine Mitarbeiter im Bauamt allerdings auch personell. Eine genehmigte Stelle ist noch unbesetzt, Verwaltungs-Spezialist Michael Wölfle geht bereits im Herbst in Rente. „Tatsächlich ist es schwierig, die Stellen zu besetzen“, sagt Dietrich und verweist auch auf den vakanten Posten des Martkbaumeisters in Peiting.

Vor allem die Bandbreite an Themen, mit der er als Stadtbaumeister zu tun hat, sei unheimlich spannend, zieht Dietrich nach den ersten sechs Monaten Bilanz. Diese Vielfalt, die sich von pädagogischen Konzepten über naturräumliche Themen bis hin zum Denkmalschutz erstrecken, machen ihm besonders Spaß. Gleichzeitig wisse er, wie wichtig ein konstruktiver Stadtrat sowie ein gutes Team seien. „Wir können nur gut vorbereiten, die Entscheidung treffen andere.“ 

asn

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