Projekt für die Zukunft

Per Schrägaufzug in die Altstadt

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So sieht der Schrägaufzug in Schwarzenberg aus. Ein Durchbruch in der Stadtmauer käme in Schongau allerdings aus Denkmalschutzgründen nicht in Frage.

Schongau – Per Schrägaufzug in die Schongauer Altstadt: Seit Jahren wird die Idee von der komfortablen Aufstiegshilfe vor allem aus Kreisen der CSU immer wieder genannt, wenn es um die Anbindung der unterhalb liegenden Parkplätze geht. Jetzt hat das Stadtbauamt erstmals auf Antrag der Christsozialen errechnet, was ein derartiges Projekt die Stadt kosten würde – mit durchaus überraschendem Ergebnis.

Um den Wunsch der CSU zu erfüllen, hat sich Stadtbaumeister Ulrich Knecht in den vergangenen Wochen auf die Suche nach einer Stadt begeben, in der ein ähnliches Vorhaben bereits umgesetzt wurde. Fündig wurde er im rund 460 Kilometer entfernten Schwarzenberg.

Dort ist die Topografie nahezu identisch. Auch in der Kreisstadt am Erzgebirge mit 18 000 Einwohnern liegt das Zentrum erhöht auf dem Schlossberg. Der Weg von den unterhalb liegenden Parkplätzen hinauf ist genau wie in Schongau beschwerlich. Doch dort ist man bereits einen Schritt weiter.

Seit 2010 gibt es in Schwarzenberg eine bequemere Variante, die rund 27 Meter Höhendifferenz zu überwinden. Ein Schrägaufzug befördert Besucher vom Parkplatz direkt in die Altstadt. 54 Sekunden dauert die Fahrt mit dem Lift, der bis zu acht Personen befördern kann. Wer ihn nutzen will, zahlt 50 Cent. Dafür sind die Parkplätze kostenlos, erklärte Knecht im Stadtrat.

Gekostet habe der Bau 1,5 Millionen Euro, was – rechnet man die Preissteigerungen ein – heute rund zwei Millionen Euro entspreche. Mit dieser Summe müsste man rechnen, wenn man einen Schrägaufzug am Buchenweg errichten würde, sagte Knecht, denn dort wäre die Strecke mit einer Länge von 65 Metern und einem Höhenunterschied von 24 Metern ähnlich dimensioniert. Nochmal eine Million Euro teurer käme dagegen eine Verbindung vom Volksfestplatz aus, da es hier 40 Meter Höhe auf einer Länge von 94 Metern zu überwinden gilt.

Egal, ob drei oder zwei Millionen Euro: Angesichts der engen Haushaltslage war nicht nur dem Stadtbaumeister klar, dass eine solche Investition fern jeglicher Realität ist. Doch, auch das wollte er den Stadträten nicht vorenthalten, ließen sich die Kosten für die Stadt wohl drastisch senken.

So habe eine Anfrage bei der Regierung von Oberbayern ergeben, dass man im Rahmen des Struktur- und Härtefonds mit einer Förderung von 80 Prozent rechnen könne. Unter dem Strich würden sich die von der Stadt zu stemmende Summe so auf nur noch 400 000 Euro belaufen. „Auch das ist natürlich ein Haufen Geld“, räumte Knecht ein. Hinzu kämen außerdem noch jährliche Betriebskosten von rund 25 000 Euro – die Einnahmen bereits eingerechnet.

Der Großteil des Gremiums war sich einig, dass die Idee durchaus ihren Charme habe, allerdings derzeit aus finanzieller Sicht nicht zu verwirklichen sei. Das betonte auch der CSU-Fraktionsvorsitzende Michael Eberle. „Uns ist es rein um die Information gegangen und nicht darum, hier und jetzt eine Entscheidung zu fällen.“ Zumal die Anbindung der außerhalb der Altstadt liegenden Parkplätze an Dringlichkeit verloren hat durch die Entscheidung, den Umbau der Münz- und Weinstraße auf nach 2020 zu verschieben. Denn damit bleiben auch die Parkplätze in der Altstadt vorerst in der derzeitigen Anzahl erhalten.

Während Paul Huber (CSU) noch auf eine Kostenschätzung für eine Rolltreppe statt Schrägaufzug drängte (hier will die Stadt die Informationen noch nachliefern), hielt Siegfried Müller (ALS) die ganze Diskussion für überflüssig. „Wir reden hier über etwas, von dem wir wissen, dass es in unserer Amtszeit nicht realisierbar ist anstatt uns mit der Riesen Anzahl Projekte zu beschäftigen, die wir eh schon vor uns herschieben.“

Christoph Peters

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