"Wir leben Inklusion"

"Die schrägen Vögel" Schwabniederhofen und die Bouleliga

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‚Die schrägen Vögel‘ und der Bürgermeister. Albert Hadersbeck (4. von links) ließ sich beim einjährigen Bestehen der Boulebahn im vergangenen Sommer dazu hinreißen, auch einmal zu spielen. Die Mannschaftsführer Gerhard Frischat (2. von links) und Dieter Wagner (ganz rechts) haben viel vor mit ihrem Team.

Schwabniederhofen – Die auf dem Sport- und Spielgelände in Schwabniederhofen befindliche Boulebahn soll nicht mehr nur Trainings-, sondern nach erfolgreicher Lizenzierung auch Austragungsort von Ligaspielen der Boulemannschaft des TSV Schwabniederhofen in der 3. Kreisliga Süd Bayern sein. „Die schrägen Vögel“, so der Name der Mannschaft, wollten ursprünglich am 18. April zu ihrem ersten Ligaspiel antreten. Daraus dürfte aber aufgrund der aktuellen Situation erst einmal nichts werden.

Boule, das ist ein französisches Kugelspiel, bei dem zwei Mannschaften versuchen, mit ihren Kugeln möglichst nah an eine kleine hölzerne Zielkugel zu spielen. Boule kann von Menschen jeden Alters gespielt werden. Die Regeln sind einfach und leicht verständlich.

Im November 2017 kamen vier Spieler im damaligen Schwabniederhofener Sportheim beim Crossboule, einer Schlechtwettervariante von Boule, die man meist innerhalb geschlossener Räume spielt, auf die Idee, auch andere für ihre Leidenschaft zu gewinnen. Auf den Gedanken folgten alsbald Taten. Christof Schweiger, Tagesstättenleiter bei der Herzogsägmühle für seelisch Erkrankte, und Dieter Wagner aus Schwabniederhofen konnten den Vorsitzenden des TSV Schwabniederhofen Claus Wolf schnell davon überzeugen, diese Sportart im Verein aufzunehmen. Wichtig war beiden dabei, dass auch Menschen mit einer körperlichen oder geistigen Beeinträchtigung dabei sein dürfen und auch aktive Spieler werden können. Bereits am 14. Juli 2018 wurde die von der Gemeinde Altenstadt finanzierte Boulebahn anlässlich eines Turniers gegen Mannschaften aus Landsberg und Kochel am See offiziell eröffnet. Bürgermeister Albert Hadersbeck hatte es sich an diesem Tag nicht nehmen lassen, selbst dabei zu sein und sich im Spiel zu versuchen.

Bereits zum einjährigen Bestehen der Bahn 2019 reisten Mannschaften aus Weilheim und Schongau zu einem kleinen Turnier an. Insgesamt ist die Abteilung auf 17 Mitglieder im Alter von 14 bis 84 Jahren angewachsen. 14 betreiben den Sport aktiv, wovon zehn eine Beeinträchtigung haben.

Auf die Herausforderung Kreisliga Süd Bayern hat sich das Team im zurückliegenden Jahr bei mehreren lizenzfreien Turnieren intensiv vorbereitet. Hierzu waren sie nach Weilheim, Landsberg, München, Kochel am See und sogar ins Vorarlberger Rankweil in Österreich gefahren. Nach der Lizenzierung sollte es ab diesem Frühjahr ernst werden. In seiner Eigenschaft als Leiter der Abteilung Boule im TSV Schwabniederhofen hatte Dieter Wagner, der gemeinsam mit Gerhard Frischat auch als Mannschaftsführer tätig ist, geplant, an gleich zwei Tagen in der Woche (Dienstag und Samstag) zu trainieren. Unter anderem wohl auch deshalb, weil das am Sport- und Spielgelände befindliche Café Schönach bald barrierefrei sein wird, sinniert Dieter Wagner auch darüber nach, dass es in Zukunft eine Boule-Rollstuhlmannschaft geben könnte.

Für den 25. Juli 2020 haben sich „Die schrägen Vögel“ neben den Anforderungen der Liga auch ein eigenes Turnier in den Jahresplan geschrieben. Aufgrund der in Peiting größeren Platzverhältnisse soll dieses dort ausgetragen werden. Da die Boulebahn in Schwabniederhofen in Verbindung mit der Neugestaltung des Sport- und Spielgeländes erweitert wird, können ab 2021 derlei Turniere auch vor heimischer Kulisse durchgeführt werden.

Die Schirmherrschaft liegt bei der Tagesstätte für seelisch Erkrankte Schongau (Herzogsägmühle). Für die Transporte wird der Kleinbus von dort genutzt, um mit bis zu neun Spielern zu den Auswärtsspielen zu fahren. Auch Boulekugeln, Trikots und weiteres Equipment werden von der Tagesstätte beigesteuert. Bereits seit 2019 werden die Bouler von Sponsoren aus Hohenfurch, Altenstadt und Schongau unterstützt. Weitere Unterstützer sind Dieter Wagner zufolge bereits in Aussicht. „Wir werden aber niemanden ablehnen, der sich darüber hinaus einbringen möchte“, so der Leiter der Abteilung Boule. Und weiter stellt er fest: „Wir leben Inklusion“. Bei den Boulern in Schwabniederhofen gehört jeder ganz natürlich dazu, egal ob mit oder ohne Behinderung. 

mel

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