Schüler erleben Praxis:

Lernort Bauernhof

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Schule einmal anders: Auf dem Erlebnisbauernhof, dem „Fitness-Stall“ in Badwerk/Bernbeuren von Andrea Balzer (hinten, 2. v. links) haben Diego, Max, Julian (vordere Reihe) sowie Ilias, Marlon und Luis (hinten Mitte) eine mannshohe und wetterfeste Hirnholzwand gebaut. Mitgeholfen haben Julia Litt, Werner Kreuzburg, Lisa Milisterfer und Birgit Walter von der Alfons-Brandl-Schule der Herzogsägmühle sowie Georg Waibl (Badwerk).

Bernbeuren – Was gibt es Schöneres für echte Kerle, als selbst mit anzupacken? Beton mischen, sägen, Lehm stampfen und Rundhölzer stapeln. Und am Ende das gelungene Bauwerk feiern: Ilias, Marlon, Luis, Diego, Max, Yassine, Jonas und Julian sind mächtig stolz auf ihre Hirnholzwand, die sie jüngst als Unterstand und Windschutz einer großen Feuerstelle auf dem Erlebnisbauernhof „Fitness-Stall“ in Badwerk nahe Bernbeuren errichtet haben.

Dieser mannshohe Windschutz ist quasi ihr Meisterstück und stolzes „Etappenziel“ eines dauerhaft angelegten Schulprojekts namens „Lernort Bauernhof“. Die acht Jungs gehören zur 3./4. Kombiklasse der Alfons-Brandl-Schule des Förderzentrums Herzogsägmühle, die vor allem die soziale und emotionale Entwicklung ihrer nicht immer ganz einfachen Kinder im Auge hat. Da heißt es dann eben nicht nur lernen und pauken, sondern praktische und handwerkliche Dinge des bäuerlichen Alltags meistern. Deshalb ist die Klasse seit eineinhalb Jahren regelmäßig für einen Schultag im Monat in die Arbeit auf dem Erlebnisbauernhof eingebunden - bei Wind und Wetter auf dem Auerberg zwischen Schafen, Kühen, Hühnern und Pferden. Marlon zum Beispiel liebt das Arbeiten draußen in der Natur. „Ich könnte für immer hier bleiben“, schwärmt der Schüler.

Für den Bau der Hirnholzwand war die Klasse mit ihrer Klassleiterin Birgit Walter und Erlebnisbäuerin Andrea Balzer im Juli eine Schulwoche lang beschäftigt. Jeder Arbeitsschritt vom Betonieren des Fundaments über das Stampfen der Lehm-Stroh-Masse bis hin zum Annageln der Dachpappe wurde maßgeblich von den Kindern ausgeführt. „Diese handwerklichen Projekte kommen unseren Schülern sehr entgegen“, weiß Lehrerin Birgit Walter. „Sie stellen sich ganz praktischen Herausforderungen und wachsen als Gruppe zusammen.“ Auch im gerade begonnenen Schuljahr wird es weiterhin einen Tag auf dem Hof der Erlebnisbäuerin geben. Andrea Balzer genießt die Arbeit mit den Kindern. Ihr gelingt es, den Schülern den Alltag eines Bauernhofs und das Leben mit den Jahreszeiten auf eindrückliche Art nahezubringen. „Wir füttern die Schafe und die Lämmer, mähen auch mal mit einer alten Sense und pressen Apfelsaft im Herbst. Wir entdecken Tierspuren im Schnee und helfen, wenn ein Baum gefällt wird“, erzählen die Kinder von ihren gesammelten Erlebnissen auf dem Bauernhof von Andrea Balzer. „Kinder haben auf unserem Hof schon immer mit dazugehört“, erzählt die Bäuerin, die eine Zusatzausbildung für die Projektarbeit mit Kindern und Jugendlichen hat und in den Schulferien regelmäßig auch Reiterferien für Kinder anbietet. „Mir gefällt besonders, dass wir draußen sind und viel basteln. Das ist cool und es ist immer was los“, fügt Jonas noch hinzu. „Nur den Kuhstall mag ich nicht, weil es da so stinkt!“ 

Angelika Hirschberg

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