In den Kolonien und Berlin

WGS-Schüler präsentieren ihre historischen Seminararbeiten

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Ausgezeichnete Seminararbeiten wurden vom historischen Verein präsentiert. Von links Fachlehrer Geschichte Wilfried Funke, Laurin Hartz, Heide-Maria Krauthauf, 1. Vorsitzende Historischer Verein Schongau Stadt und Land e.V., Max Edinger, Fachlehrerin Französisch Angela Wagner und Julius Schauer.

Schongau – Eine langjährige Tradition ist es mittlerweile, dass der historische Verein Schongau Stadt und Land e.V. in Zusammenarbeit mit der Fachschaft Geschichte des Welfen-Gymnasiums ausgezeichnete Seminararbeiten präsentiert. Diese werden ins Archiv des historischen Vereins aufgenommen und stehen Interessierten zur Verfügung.

Auch dieses Jahr wieder gab es Interessantes zu hören, obwohl die Themen weitab von Schongau verortet sind. „Es ist nicht immer so, dass sich die Themen im regionalen Bereich bewegen“, so Wilfried Funke, Fachlehrer für Geschichte am Welfen-Gymnasium und Vorstandsmitglied im historischen Verein. Auf dem Programm standen das Berlin der 20er Jahre, sowie die Geschichte der Kolonie Louisiana und die Auswirkungen der Kolonisation auf die Ureinwohner Amerikas.

Funke kündigte einen interessanten Abend mit vielen neuen Erkenntnissen an und hatte nicht zu viel versprochen. Die drei Schüler, die ihre Arbeiten im Rahmen des W-Seminars Geschichte präsentierten, packten viel Wissenswertes in ihre Kurzvorträge.

Den Anfang machte Julius Schauer aus Burggen, der sich mit der Stadt New Orleans und der Historie der Kolonie Louisiana befasst hatte. So wurde dort 1682 von Robert de La Salle an der wichtigen Handelsroute am Mississippi eine französische Kolonie gegründet. Die Vorteile einer solchen Niederlassung wollten allerdings dem damals regierenden französischen König Ludwig XIV. nicht so recht einleuchten und er erklärte die Landnahme für nutzlos. Ein weiterer Vorstoß erfolgte dann 1698 durch eine neue Expedition der Brüder Iberville, die das Fort Baton Rouge gründeten. Ein Aufschwung erfolgte durch Waldläufer aus Kanada und Siedler aus dem Rheinland. Der Bau von New Orleans nach europäischem Vorbild lockte Franzosen, Cajuns, Afrikaner und Kreolen an. Das Schicksal der Kolonie war immer wieder durch die knappe französische Staatskasse geprägt. So veräußerte Napoleon sie an Spanien. Nach der Rückgabe an Frankreich fiel sie dann 1803 endgültig an die vereinten Staaten von Amerika.

Max Edinger aus Peiting hatte sich mit dem Thema „Die first Nations – die Rückkehr einer verloren geglaubten Kultur“ beschäftigt. So wurden die ersten Einwohner des amerikanischen Kontinents von den ersten Neusiedlern anfangs geschätzt und geachtet, später als „Parasiten“ verunglimpft und in Reservate geschickt, wo sie erbärmliche Lebensbedingungen vorfanden und ihre Identität aufgeben sollten. Ein Vorgehen, das die indianische Bevölkerung bis heute traumatisiert hat. Allerdings ist laut Max Edinger in der heutigen Zeit wieder ein Wandel auszumachen. Alte indianische Weisheiten und Rituale sowie der Stolz auf die indigene Herkunft“ werden wieder geschätzt und gelebt.

Wandel in Berlin

Auf dem europäischen Kontinent, nämlich im Berlin der 20er Jahre, bewegte sich Laurin Hartz aus Peiting in seiner Arbeit. Angefangen vom kulturellen Aufschwung in den goldenen 20er Jahren bis hin zum Rückschritt in Zeiten des Nationalsozialismus erklärte er anschaulich den Wandel der Gesellschaft. Angefangen von einem neuen Frauenbild, das durch den ersten Weltkrieg und ein damit verbundenes neues Selbstbewusstsein der Frauen geprägt wurde, bis hin zu einem toleranten Miteinander – auch was die sexuelle Ausrichtung betraf – und der Auswirkung auf Kunst und Literatur, beleuchtete Laurin Hartz das Zeitgeschehen. Sein Resümee: „Man kann nicht an politischen Ereignissen vorbeifeiern.“

Heide-Maria Krauthauf bedankte sich für den schönen und informativen Abend mit Bücherschecks bei den Referenten. Die Arbeiten können nach Absprache mit dem historischen Verein eingesehen werden.

Über das Gemeinschaftsprojekt von Schule und Historischem Verein

In einer Gemeinschaftsveranstaltung präsentieren der „Historische Verein Schongau – Stadt und Land“ und die „Fachschaft Geschichte des Welfen-Gymnasiums Schongau“ ausgesuchte Seminararbeiten, in deren Mittelpunkt historische Themen stehen. Die wissenschaftspropädeutischen Seminare (kurz W-Seminare) dienen der Vorbereitung auf ein Universitätsstudium. In ihnen lernen die Schüler das Erstellen einer Seminararbeit nach wissenschaftlichen Anforderungen. In den Projekt-Seminaren (kurz P-Seminare) erfolgt die Erarbeitung eines konkreten Projekts. Dabei werden sie vom jeweiligen Kursleiter begleitet und betreut. In den Schuljahren 2017 bis 2019 fand unter anderem das W-Seminar „Geschichte der französischen Kolonien“ statt. Im Rahmen dieses Seminars entstanden Arbeiten zu Kolonien auf verschiedenen Kontinenten wie Amerika und Asien, deren Ergebnisse vorgestellt werden.

Ihre Arbeiten präsentierten:

Julius Schauer: New Orleans – Von der französischen Hafenstadt zur Südstaatenmetropole der USA – Historische Entwicklung und französischer Einfluss heute

Max Edinger: Die Geschichte der First Nations – Rückkehr einer verloren geglaubten Kultur

Laurin Hartz: Die Goldenen Zwanziger in Berlin

uf

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