Ohne Höhepunkt im Kalender

97. Lechgau-Trachtenfest entfällt

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Da war die Vorfreude bei den Hohenfurchern auf ihr eigenes Gaufest noch groß: Beim Festzug 2019 in Schongau.

Hohenfurch – Es wäre der Höhepunkt im Kalender eines jeden Trachtlers im Lechgau gewesen: Das 97. Lechgau-Trachtenfest, ausgerichtet von den „Schwalbenstoanern“ Hohenfurch. Doch auch dieses Fest fällt natürlich in die Kategorie „Großveranstaltung“ und darf somit nicht stattfinden. Eine einmalige Situation in der Geschichte des Lechgaus? Mitnichten.

„Wir hätten loslegen können“, fasst Schwalbenstoaner-Vorstand Franz Linder den Stand der Vorbereitungen zusammen. Zwei Jahre lang planten die Hohenfurcher Trachtler das Fest zu ihrem 100-jährigen Bestehen. Das Programm stand, die Kapellen waren engagiert, der Festwirt wartete in den Startlöchern und 40 Trachtenvereine, sechs Ortsvereine, 23 Musikkapellen, sieben Trommlerzüge und 13 Festwagen hatten für den großen Festzug am 19. Juli zugesagt. Und dann, Mitte April, der Hammer: Alle Großveranstaltungen werden bis Ende August abgesagt. „Klar denkt man sich erst einmal ‚Sch…‘, aber es hatte sich ja angebahnt und letztendlich ist es wohl auch vernünftiger so“, lautet Linders Fazit nach dem ersten Schock. Denn: „Bei uns Trachtlern gibt es einfach viele ältere Menschen, die als Risikogruppe eingeschätzt werden, da muss man nichts herausfordern.“ Ähnlich sieht es auch Schirmherr Guntram Vogelsgesang: „Die Absage ist ewig traurig und schade, aber man muss sich auch fragen, wer denn überhaupt noch zum Fest gekommen wäre.“ Denn ein Fest mit Abstandsregel oder Mundschutz wäre definitiv keine Option gewesen.

Doch gab es in der 112-jährigen Geschichte des Lechgaus, abgesehen von den Jahren der beiden Weltkriege, eine Absage seines größten Festes? Ja. Kurioserweise im Jahr 1920, dem Gründungsjahr der „Schwalbenstoaner“. Damals wütete in Deutschland, mitten in der Weltwirtschaftskrise, die „Maul- und Klauenseuche“. Auch damals wurde den Kindern, vor allem aus „verseuchten Gehöften“, der Schulbesuch untersagt, Menschenansammlungen verboten und „öffentliche Lustbarkeiten“ unter Strafe gestellt. Auch zehn Jahre später fand kein Lechgau-Trachtenfest statt, allerdings aufgrund eines riesigen Trachtenaufmarsches in Rosenheim.

Wie geht es jetzt bei den „Schwalbenstoanern“ weiter? „Im Moment ist bei uns natürlich die Luft raus“, beschreibt Franz Linder die Stimmung im Verein. Noch hoffe man, wenigstens den Festabend zum 100-Jährigen heuer durchführen zu können. Doch möglicherweise liegt das gar nicht mehr in der Verantwortung Linders, denn er gibt voraussichtlich im Herbst sein Amt nach 27 Jahren ab. Es hätte der krönende Abschluss seiner Vorstandschaft sein können – noch so ein bitterer Beigeschmack. „Wir treffen uns erst nächste Woche, doch ich kann jetzt schon sagen, dass es kein sogenanntes Zweitfest im nächsten Jahr geben wird. Eventuell bewerben wir uns auf das Gaufest 2023, denn für die nächsten beiden Jahre ist es ja bereits vergeben.“

Das Grundgerüst würde jedenfalls stehen, denn auch die Sponsoren sind nach wie vor im Boot. „Keiner hat bis jetzt seinen Beitrag zurückverlangt. Dieser wird als Rücklage für das nächste Fest angelegt“, ist Linder dankbar. Auch Gauvorstand Franz Multerer ist traurig darüber, dass „das Herz des gesamten Festjahrs“ fehlt. Doch er sieht darin auch eine Chance: „Vielleicht erfährt alles, auch das Vereinsleben und die Trachtensache, nach der Krise eine noch höhere Wertschätzung. Und es ist nicht mehr alles so selbstverständlich.“ Deshalb blickt er auch optimistisch auf den ersten Termin, der im Lechgau wieder stattfinden könnte: Die 70. Gauwallfahrt auf den Hohenpeißenberg am 6. September. Ein Jubiläum, das unter einem ganz besonderen Stern stehen würde.

cw

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