Schwanenweiher-Areal eingeweiht

Ende gut, alles gut?

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Schwan im Gegenlicht: Bei der offiziellen Einweihung des Schwanenweiher-Areals verlor nicht nur das Metallkunstwerk, sondern auch der Himmel einige Tropfen.

Schongau – Sechs Jahre ist es her, dass der Schongauer Stadtrat beschloss, das Gelände vor dem Münztor neu zu gestalten. Seit knapp zwei Wochen ist mit der Aufenthaltsplattform samt wassersprühendem Metallschwan auch das letzte Element vollendet. Mit einer kleinen Feier haben Bürgermeister Falk Sluyterman und Stadträte am Montag das Schwanenweiher-Areal offiziell eingeweiht.

Bevor Sluyterman zur Rede ansetzte, hatten die Kinder schon das Wasserbecken erobert. Quietschend vor Freude stiegen sie hinein und hinaus, hielten ihre Hände – manche auch ein wenig mehr – in den feinen Sprühregen, der aus den metallenen Flügeln des schwanähnlichen Gebildes rieselte. 

So ähnlich dürften sich das die Stadträte und das damalige Stadtoberhaupt Karl-Heinz Gerbl vorgestellt haben, als sie sich 2012 im letzten Moment doch noch dazu entschlossen, dem Wasser eine tragende Rolle einzuräumen. Bis dahin hatte das Nass aus Kostengründen in den Planungen keine Rolle gespielt, der ehemalige Schwanenweiher sollte nur symbolisch auftauchen. 

Das tut er jetzt gleich an mehreren Stellen. In der großen Grünfläche ist sein einstiger Platz mit einem Oval aus Steinen angedeutet, die Holzplattform erinnert in ihrer Form an einen überdimensionalen Wassertropfen. Und dann ist da natürlich der Metallschwan. Symbole, die laut Architekt Peter Kern zu einem Platz wie diesem wunderbar passen. Ein Platz, der einst als Wehranlage und Richtstätte diente, der „mit Mystik und Bedeutung beladen“ sei. 

Das habe man versucht, in die heutige Zeit zu übersetzen. „Wir wollten einen Anziehungspunkt schaffen, der nicht vorgibt, wie man sich im Kreis drehen darf, sondern einlädt, selbst zu entdecken“, erklärte der Architekt mit Blick auf das Wasserspiel und die unterschiedlichen Sitzmöglichkeiten aus Stein. 

Kern klang dabei ein wenig, als wollte er verteidigen, was er und die beteiligten Firmen geschaffen haben. Denn natürlich war ihm die Kritik an dem Projekt nicht entgangen. Zu teuer, kein Weiher, ein Weg, der rollstuhlgerecht sein sollte, aber ein wenig zu steil geriet: Viel war gemäkelt worden, und so fand sich Sluyterman an diesem Tag in der unangenehmen Lage wieder, eine Planung verteidigen zu müssen, auf die er selbst gar keinen Einfluss gehabt hatte, weil sie unter der Ägide seines Vorgängers entstanden war. 

Doch das Stadtoberhaupt tat das mit Inbrunst. Noch einmal erinnerte er daran, dass man den Schwanenweiher bewusst nur nachempfunden habe. Die große Grünfläche lade auch ohne Wasserstelle zum Verweilen ein, wie auch die Holzplattform schon stark genutzt werde, betonte er. „Wir haben hier eine hohe Aufenthaltsqualität geschaffen.“ 

Am neuen Fußweg, der sich bereits seit 2011 von der Bahnhofstraße hinauf zum Schwanenweiher schlängelt, wollte Sluyterman erst gar keine Kritik gelten lassen. Auch wenn dieser die für eine behindertengerechte Lösung gesetzlich geforderten sechs Prozent Steigung nicht einhalten könne, sei der Bau eine gute Entscheidung gewesen, sagte Sluyterman, habe er doch die steile und im Winter meist gesperrte Treppe ersetzt. 

Rund 260000 Euro hat die Wegeverbindung und die Umgestaltung des Areals gekostet. Hinzu kamen noch einmal 118000 Euro für die Holzplattform und den Metallschwan. Immerhin 250000 Euro gab’s durch die Städtebauförderung zurück. Eingerechnet sind da auch die fünf Metallbohlen, auf denen Zitate von Adolph Kolping verewigt sind. 

Die Idee dazu sei nach der Benennung des vorbeiführenden Wegs in Adolph-Kolping-Weg entstanden, blickte Bruno Atzler zurück. „Das ehrt uns natürlich“, fügte der Vorsitzende des Schongauer Adolph-Kolping-Vereins stolz hinzu. Ihr Zweck sei, dass sich die Menschen, die dort verweilen, Gedanken machen. „Die Wurzel der Menschheit ist die Familie“, zitierte er einen Spruch und stellte fest: „Das gilt heute mehr als damals.“ 

Mit Blick auf die große Rasenfläche kam allerdings auch Atzler nicht umhin, anzumerken, dass die Arbeit noch nicht beendet sei. „Die beiden Bereiche müssen noch zusammenwachsen.“ Vielleicht könne die Stadt den Schwanenweiher ja noch ein bisschen deutlicher herausarbeiten – etwa mit einer ganzjährlichen Bepflanzung, schlug er an das Stadtoberhaupt gewandt vor. Ein Hinweis, den Sluyterman gleich aufgriff. „Bei mir liegen schon die ersten Anträge für eine Bepflanzung auf dem Schreibtisch“, verriet er. Man darf gespannt sein.

Christoph Peters

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