Im "Schweinsgalopp" entschieden – Thema Wirtschaftsschule: "Von Regierung förmlich getreten worden"

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ANTON JUNGWIRTH; Schongau – Wird die Lechstadt schon bald eine Wirtschaftsschule haben? Einiges spricht dafür, denn kürzliche Kurskorrekturen in der bayerischen Bildungspolitik wollen dem Auslaufmodell Hauptschule durch kosmetische Retuschen wieder mehr Gewicht verleihen. Dem Stadtrat haben die Überlegungen jedenfalls gefallen. „Ich denke, wir müssen hier schnell zugreifen“, sagte Bürgermeister Karl-Heinz Gerbl zur versammelten Stadtratsmannschaft und zeigte sich angetan von der Option, dass Schongau bereits im Schuljahr 2010/11 eine weitere Schule haben kann. Genauere Ausführungen hierzu machte der Rektor der Schongauer Hauptschule, Rolf Elbert, dem das Rederecht erteilt worden war. Kern aller Überlegungen ist sowohl eine größere Durchlässigkeit zwischen den drei Schulsystemen als auch eine Attraktivitätssteigerung der Hauptschulen. Eine Option wäre das Modell der Mittelschule, bei der eine Hauptschule zur Mittelschule werden könnte. Die ins Auge gefasste Wirtschaftsschule wäre ein zusätzlicher Zweig der Mittelschule. Um eine solche neue Schulart vor Ort zu gründen, sind allerdings einige Hürden zu nehmen: Neben einem Ganztagesangebot, das gewährleistet sein muss, müssen die drei berufsorientierenden Zweige Wirtschaft, Soziales und Technik unterrichtet werden, was in Schongau gegeben ist. Des Weiteren muss eine Kooperation zwischen der regionalen Wirtschaft, der Agentur für Arbeit und der Berufsschule vor Ort gegeben sein. Und der Schulabschluss der Wirtschaftsschule muss als Mittlerer Bildungsabschluss anerkannt werden. Weitere zu erfüllende Punkte sind die individuelle modulare Förderung der Schüler und Schulsozialarbeiter sowie Förderlehrer vor Ort. Dabei drängt die Zeit: „Wir sind von der Regierung förmlich getreten worden“, bemerkte der Hauptschulrektor, der noch einen zusätzlichen Punkt zu klären hatte: „Neben dem Unterricht ist auch der Aufbau eines Übungsraumes, in dem die Schüler so tun, als wären sie in einem Büro tätig, nötig“, kündigte Elbert an. Knackpunkt: Die Kosten hierfür veranschlagt dieser mit bis zu 50000 Euro. „Jetzt kommt es darauf an, wer das zahlt“, meinte Elbert weiter und verwies darauf, dass die Regierung von Oberbayern rasch eine Entscheidung möchte, ob es eine Kooperation zwischen den Hauptschulen von Peiting und Schongau oder zwischen der Berufsschule und der Schongauer Hauptschule gibt. „Ein Einstieg mit einer achten Klasse wäre bereits im kommenden Schuljahr 2010/2011 möglich“, prophezeite der Hauptschulrektor vollmundig. Stadträte jeglicher Fraktionscouleur waren angetan hinsichtlich der bevorstehenden Möglichkeit. „Ich finde die Idee gut“, bekannte CSU-Stadtrat Peter Blüml. Und UWV-Stadträtin Brigitte Ressle unterstrich, wie wichtig dieses Thema sei. Für SPD-Mann Robert Bohrer indes zeigen die hektischen Richtungsänderungen der bayerischen Schulpolitik nur, wie arg es um die Bildung im Staate gestellt ist. Dennoch sah auch er Möglichkeiten für die Wirtschaftsschule in Schongau. Gleichzeitig wollte Bohrer wissen, inwieweit die Peitinger Hauptschule an dieser neuen Schulart interessiert sei. Die Antwort von Rolf Elbert hierzu lautete: „Die Hauptschule in Peiting ist sehr interessiert“. Die Zeit drängt also, wenn Schongau im Rennen bleiben möchte.

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