Sechs Jahre Energiewende-Resolution

Weniger ist mehr

+
Schongaus 2. Bürgermeister Paul Huber, Betriebsleiter Georg Mödl, Werkleiter Walter Frömmrich, Andreas Scharli (Energiewende Oberland) und Landrat Friedrich Zeller (v. li.) vor einem Gerät, dass den unterschiedlichen Stromverbrauch alter und neuer Umwälzpumpen darstellt.

Schongau – Sechs Jahre ist es her, dass der Kreistag den Beschluss fasste, bis zum Jahr 2020 mindestens 40 Prozent der klimarelevanten Emissionen gegenüber 1990 einsparen zu wollen. Dass es bis dahin noch ein steiniger Weg ist, zeigt die Zwischenbilanz, die Landrat Friedrich Zeller und Andreas Scharli von der Bürgerstiftung Energiewende Oberland am Montag zogen.

Als Ort des Pressegesprächs hatte Scharli das Klärwerk in Schongau gewählt, was auf den ersten Blick ein wenig sonderbar anmutete. Beim Thema Energiewende hätte man eher eines der riesigen Photovoltaikfelder, die jüngst auch im Raum Schongau aus dem Boden geschossen waren, oder ein Wasserkraftwerk am Lech als Treff-punkt erwartet. Aufbruchsstimmung statt Abwasseraufbereitung eben. Doch Scharli verfolgte damit einen bestimmten Zweck. 

Das Ziel der Bürgerstiftung, der auch der Landkreis seit 2011 angehört, bis zum Jahr 2035 energieunabhängig zu sein, werde man allein durch regenerative Energieerzeugung nicht schaffen, stellte er fest. Das klang zunächst überraschend aus dem Mund von jemanden, der seit Jahren den Ausbau selbiger fordert. Zu langsam steige dafür der Anteil von Sonnenenergie, Wind- und Wasserkraft sowie Biomasse am Gesamtstromverbrauch, in den vergangenen vier Jahren habe er gerade einmal von 17 auf 21 Prozent zugenommen, rechnete der Experte vor. Die Energiewende – unerreichbar? Mitnichten, allein der Ansatz müsse ein anderer sein, folgerte Scharli. „Unser Ziel Nummer eins muss die Einsparung werden.“ Der Vorteil: Während etwa Windkraftprojekte oft auf erbitterten Widerstand in der Bevölkerung stießen, müssten Einsparpotentiale nur „publiziert“ werden. 

Hier kam die Kläranlage ins Spiel. Sie diente Scharli als Beispiel für einen gelungenen Versuch, den Stromverbrauch massiv zu senken. Hatten die Stadtwerke für den Betrieb 2004 noch über 150000 Euro in Strom investieren müssen, sank die Stromrechnung in den vergangenen Jahren kontinuierlich auf nur noch knapp über 50000 Euro. Möglich gemacht haben dies laut Werkleiter Walter Frömmrich Verbesserungen an Isolationen, der Austausch von in die Jahre gekommenen Wärmetauschern und andere energetische Ertüchtigungen. „Es waren relativ kleine Maßnahmen, aber mit einem Riesenerfolg“, sagte Frömmrich. 

Genau solche Verbesserungen schweben Scharli auch für Privathaushalte vor. Als Beispiele nannte er Heizungsum-wälzpumpen und die Beleuchtung. Erstere älteren Baujahrs würden bis zu 100 Watt verbrauchen, aktuelle dagegen bis zu 80 Prozent weniger. „Dadurch sind die Kosten von 300 Euro pro Pumpe nach zwei Jahren wieder drin“, sagte er. Ähnlich drastisch seien die Unterschiede zwischen Glühlampen und den neuen LEDs. „Mit der Erzeugung von Energie sind wir schon sehr weit gekommen, an der Einsparung hapert es noch“, stellte auch Landrat Friedrich Zeller fest. 

Dass das Thema in der Bevölkerung noch nicht angekommen ist, zeigt auch der geringe Erfolg der Pumpentausch-Aktion der Bürgerstif-tung, zu der diese in den letzten Monaten in mehreren Gemeinden des Landkreises aufgerufen hatte. Nur wenige hätten davon Gebrauch gemacht, räumte Scharli ein. „Wahrscheinlich ist der Strom noch zu billig. Wir sind wohl noch nicht an der Schmerzgrenze angekommen.“ Doch selbst wenn sich Privathaushalte mehr engagieren würden, alleine durch sie ist die Energiewende nicht zu stemmen, das räumte auch Scharli ein. „Natürlich ist auch die Industrie gefordert“, sagte er. Mit der Papierfabrik UPM, dem größten Stromverbraucher im Landkreis, befinde man sich deswegen bereits in Gesprächen. Privathaushalte und Industrie mit Vorschriften zum Umrüsten zu zwingen, davon hält Scharli allerdings nichts: „Das ist Utopie.“ 

Eher interessant sei da schon eine Abwrackprämie für TV-Geräte, wie sie der Betriebsleiter der Kläranlage, Georg Mödl, ins Spiel brachte. „Mein alter Fernseher hat über 700 Watt verbraucht, der neue nur noch 70. Da lohnt sich das schnell“, rechnete er vor. Sicher ist: Bei den Verbrauchern dürfte ein derartiges Modell deutlich schneller auf Gegenliebe stoßen als der Tausch einer schnöden Umwälzpumpe.

Christoph Peters

Auch interessant

Meistgelesen

Erst 2020 barrierefrei
Erst 2020 barrierefrei
Schnittpunkt zwischen Gleis und Straße
Schnittpunkt zwischen Gleis und Straße
Digitale Ergänzung kommt an
Digitale Ergänzung kommt an
Das Pizzakarton-Problem
Das Pizzakarton-Problem

Kommentare