Roter Maxl, Bezi, Xari

Stadtmuseum zeigt Schongauer Originale

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Der rote Maxl ist eines der Schongauer Originale, die derzeit im Stadtmuseum ausgestellt sind.

Schongau – Der mittlerweile 36. Glaskasten im Schongauer Stadtmuseum zeigt diesmal Gesichter aus der Vergangenheit. „Schongauer Originale“ heißen die sechs Porträts der Malerin Luise Gotthardt-Dreer, die bis Ende April zu sehen sind. Gotthardt-Dreer, vielen als Boutiquen-Besitzerin bekannt, hielt mehr oder weniger bekannte Schongauer mit Papier und Bleistift fest, bekanntestes Gesicht ist der Bezi.

„Der Bezi. Freilich hab‘ ich den kennt“. Irmgard Hofmeister freut sich. Der sei immer mit seinem Handwagen zur Molkerei, um dort die Milch zu holen für die Ordensschwestern. Zumindest den älteren Schongauern ist der Bezi noch in guter Erinnerung, auch wenn Gregor Gießer, wie der Bezi mit bürgerlichem Namen hieß, schon vor mehr als zwei Jahrzehnten verstorben ist. Und wer ihn kennenlernen durfte, erinnert sich noch gut an dieses Schongauer Original, der immer für Heiterkeit sorgte, wo er auftauchte. Und natürlich durften der Bezi und sein Leiterwagen auch beim alljährlichen Faschingsumzug nicht fehlen.

Sie sind so typisch für Schongau wie das Ballenhaus, die Stadtmauer oder der Altstadtberg – die Schongauer Originale, die Luise Gotthardt-Dreer verewigt hat, so Franz Grundner vom Historischen Verein. Hingen die Porträts, seinerzeit ein Geschenk Gotthardt-Dreers, bisher im Schongauer Altenheim, bereichern sie seit dem vergangenen Wochenende das Stadtmuseum.

Doch es sind nicht nur die Menschen, die Gotthardt-Dreer porträtiert hat, es ist auch die Geschichte der Künstlerin selbst, die ein kleines bisschen in der Ausstellung angesprochen wird. Kurz nach dem Ende des ersten Weltkriegs geboren, machte Gotthardt-Dreer schon am Lyzeum erste Erfahrungen mit der Malerei. Aber erst nach dem Tode ihres Mannes, mit dem sie zusammen eine Modeboutique am Marienplatz führte, bildete sich die Künstlerin weiter und besuchte Kurse. Über ihre Porträtzeichnungen sagte sie selbst: „Meine besondere Liebe gilt dem Menschen. Ihn zu betrachten, zu erforschen, ist mir Freude, denn der Mensch kann sehr schön sein“.

Solchermaßen hatte sie im Laufe der Jahre sechs Porträts angefertigt, neben dem Bezi auch die Dedler Theres, eine Landwirtin aus der Münzstraße, den roten Maxl und die Monika Salater sowie die Biber Franni und den Xari.

Über kaum jemanden ist so viel bekannt wie über den Bezi, zu dem es sogar noch zahlreiche Fotos gibt. Und während Therese Dedler Geld und auch Güter besaß und auch die Monika Salater eine angesehene Ökonomiebesitzerin war, sind die anderen drei Originale mehr oder weniger Unbekannte. Die Biber Franziska lebte im Bürgerheim und war für ihr „Sakramentieren“, also Fluchen, stadtbekannt. Schwieriger wird es aber bei den letzten beiden Originalen, die Grundner und sein Kollege Harald Scharrer in der Ausstellung der Öffentlichkeit zugänglich machen; nicht ganz ohne Hintersinn. Denn über den roten Maxl ist so gut wie nichts bekannt, vor allen Dingen nicht sein Nachname. Mit dem, so Grundner, könnte man mehr über den Mann mit Rausche­bart und blumengeschmückten Hut herausfinden. Ob der Maxl nun ein Sozi war, also ein Roter aus Gesinnung oder ob sich sein Spitzname vom roten Haar ableitet, wissen Scharrer und Grundner nicht und hoffen auf ältere Schongauer, die sich noch an dieses Original erinnern. Über den Xari hat die Künstlerin selbst noch ihre Gedanken zu Papier gebracht: Auf dem Porträt steht etwas über den wahrscheinlich nicht sesshaften, der von Almosen und Gelegenheitsarbeiten lebte.

Die Schongauer haben den ganzen April nun die Möglichkeit, nicht nur die Originale zu sehen, sondern auch etwas über diese besondere Stadtgeschichte zu erfahren. 

gau

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