"Das brummt richtig"

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Daniela Puzzovio, Andreas Schnaubelt und Beatrice Amberg vor einem der ersten Projekte, das die Gruppe „Schongau belebt“ umgesetzt hat: Der offene Bücherschrank in einer ehemaligen Telefonzelle am Marienplatz.

Schongau – Im Frühjahr 2014 formierte sich die Gruppe „Schongau belebt“. Was bei Facebook begann, ist mittlerweile zu einer festen Größe in der Lechstadt geworden. Der Kreisbote sprach mit den Mitgliedern Beatrice Amberg, Andreas Schnaubelt und Daniela Puzzovio über ihren Verein, der gar kein Verein sein will, gelungene und weniger gelungene Aktionen und die Probleme der Altstadt.

Vor fast genau drei Jahren ist „Schongau belebt“ entstanden. Wenn Sie jetzt zurückblicken: Wie fällt ihre Bilanz aus?

Amberg: (lacht) „Viele Ideen und Projekte, viel zu tun.“

Schnaubelt: „Als wir begonnen haben, hatten wir gleich eine Liste mit Ideen zusammen, die sieben Seiten lang war. Davon haben wir schon einiges geschafft. Aber es gibt noch viele, die es wert sind, angegangen zu werden.“

Aus der Gruppe ist mittlerweile ein eingetragener Verein geworden. Wie ist der Zulauf an Mitgliedern?

Schnaubelt: „Beim Thema Verein geht es eher drum, uns zum Beispiel haftungsrechtlich abzusichern. Wir sehen uns nach wie vor als Netzwerk, das die Leute zusammenbringt und sie animiert, projektbezogen zu helfen.“

„Schongau belebt“ hat in den letzten Jahren viele Aktionen durchgeführt. Dabei tauchen als Organisatoren immer die gleichen Namen auf. Fehlt es nach der anfänglichen Aufbruchstimmung an Unterstützung?

Schnaubelt: „Natürlich gibt es einen harten Kern, der oft involviert ist. Es braucht schließlich jemanden, der anleitet und sagt: ‚Das Projekt machen wir.‘ Das ist dann meist unsere Frau Amberg als erste Vorsitzende.“

Amberg: „Wobei ich auch gerne delegiere, wenn es möglich ist.“

Schnaubelt: „Damit nicht alles an ihr hängt, haben wir letztes Jahr entschieden, Projektverantwortliche zu bestimmen. Und natürlich sind alle Schongauer immer herzlich eingeladen, sich einzubringen und zu unseren monatlichen Treffen zu kommen.“

Gutes Stichwort: Wie viele nehmen diese Gelegenheit zum Ideen­austausch wahr?

Amberg: „Meist zwischen zehn und 15. Es kommen immer wieder neue hinzu.“

Schnaubelt: „Wir waren auch schon mal 30, das hängt oft von den Themen ab, die gerade aktuell sind.“

Welche Punkte kommen am häufigsten zur Sprache?

Schnaubelt: „Der Leerstand in der Altstadt ist immer ein großes Thema, genau wie die uneinheitlichen Öffnungszeiten. Letztens hatten wir auch die Diskussion, warum eigentlich nicht mehr Kapital aus der Historie der Stadt geschlagen wird. Da müsste man unserer Meinung nach tatsächlich viel mehr tun.“

Warum?

Schnaubelt: „Sind wir doch ehrlich: Die Altstadt wird kein Einkaufszentrum mehr, da hilft weder Rolltreppe noch Parkhaus. Da ist auch keine Fußgängerzone schuld. Was die Leute anzieht, sind Gastronomie und touristische Highlights. Da fehlt ein Gesamtkonzept. Deshalb befürchte ich, dass in dieser Richtung wohl auch in den nächsten fünf Jahren wenig passieren wird.“

Amberg: „Wir haben eine attraktive Altstadt, wir müssen sie nur richtig vermarkten. Es ärgert mich deshalb immer, wenn nur negativ über sie geredet wird. Wir bemühen uns, dem möglichst positiv entgegenzuwirken und wenn das auch manchmal nur heißt, bei Instagram schöne Momente festzuhalten und zu teilen. “

Auch die Aktionen von „Schongau belebt“ werden von manchen kritisch gesehen. Der Vorwurf lautet oft, dass sie nicht langfristig zur Belebung beitragen würden.

Puzzovio: „Bei Veranstaltungen, die ein oder zwei Mal im Jahr stattfinden, kann man so etwas auch nicht erwarten und ist auch gar nicht der Anspruch, den wir damit verfolgen. Allerdings ziehen diese Events Leute in die Altstadt, die sich dann vielleicht überlegen, auch mal ohne Anlass vorbeizuschauen. Dieser Effekt ist nur schlecht messbar.“

Schnaubelt: „Kritik ist gut, aber statt nur negativ zu reden, wäre es besser, selbst aktiv zu werden. Arbeit gibt es genug.“

Sie haben in den vergangenen drei Jahren viele Aktionen auf die Beine gestellt. Auf welche Projekte sind Sie besonders stolz?

Schnaubelt: „Der offene Bücherschrank am Marienplatz. Ich muss zugeben, dass ich am Anfang zu den Skeptikern gehört habe. Ich hätte nicht gedacht, dass er so gut angenommen wird. Ich bin jetzt selber schon oft drin gewesen und habe mir ein Buch ausgesucht.“

Amberg: „Das Osterfrühstück. Das wird jedes Jahr gut angenommen. Das nächste findet am kommenden Ostermontag statt. Und natürlich der Weibsdeifimarkt, mit dem wir den Leerstand angegangen sind. Das war uns von Anfang an wichtig. Es gibt immer Läden, in die wir rein dürfen. Mittlerweile hat sich das bis über die Landkreisgrenze hinaus herumgesprochen. Das brummt richtig.“

Das gilt nicht für alle Projekte. Von welchen Ideen hätten Sie sich mehr erwartet?

Amberg: „Der Schneemann-Flashmob, zu dem wir gemeinsam mit der Werbegemeinschaft aufgerufen hatten, hat leider nicht so eingeschlagen, wie wir uns das erhofft hatten. Der lebendige Adventskalender musste diesmal leider ausfallen, weil sich nicht genügend Teilnehmer gefunden haben.“

Puzzovio: „Beim letzten Bürgersteigflohmarkt hatten wir wegen des Wetters wenige Teilnehmer. Aber dafür haben diejenigen, die mitgemacht haben, mehr verkauft (lacht).“

Zum Schluss ein Blick voraus: Sie sprachen von einer sieben Seiten langen Projektliste. Welche davon werden heuer verwirklicht?

Schnaubelt: „Wir sind gerade dabei ein weiteres Leerstands-Projekt umzusetzen, bei dem auch die Stadt und die Eigentümer im Boot sind. Abseits der Öffentlichkeit haben wir im Januar erstmals ein Treffen der Schongauer Vereine initiiert, bei dem es darum ging, die Termine für das Jahr abzustimmen. In der Vergangenheit gab es da ja häufiger Überschneidungen. Längerfristig ist das Ziel, einen eigenen Veranstaltungskalender auf die Beine zu stellen.“

Amberg: „Gerade haben wir auch grünes Licht von der Stadt für unser Vorhaben bekommen, mit Blumenkübeln vor den Geschäften für ein schöneres Flair zu sorgen. Das kostet nicht die Welt, macht aber viel her.“

Interview: Christoph Peters

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