Seit 25 Jahren Heimat für psychisch- und physischkranke Menschen

Mitte der 70er Jahre begannen in Herzogsägmühle die Überlegungen, psychisch- und suchtkranken Menschen hier Rat, Hilfe und ein neues Heim zu geben. Dies sollte in einem großen Gebäudekomplex, den Häusern am Latterbach, geschehen. Nach jahrelanger Planungszeit konnte 1979/80 mit dem Bau begonnen werden. Im Mai 1984 wurden die Häuser am Latterbach feierlich eingeweiht. Das Jubiläum „25 Jahre Häuser am Latterbach“ wurde nun mit einem Fachtag und einem Tag mit buntem Programm gefeiert.

Alfred Fichtner ist der geistige Vater und Initiator der Häuser am Latterbach. Er blickt zurück: Früher wurden psychisch Kranke in Riesenkliniken „versteckt“, so gab es etwa 2000 Plätze im Klinikum in Haar. „Radikale Änderungen wurden gefordert“, sagt Fichtner. Anlass für die Häuser am Latterbach waren eigene fachliche Überlegungen im Diakoniedorf. „Die Mitarbeiter in Herzogsägmühle erkannten, dass unter dem immensen Zustrom nicht sesshafter Männer viele Gruppen mit unterschiedlichen Problemen waren. Viele Männer waren psychisch krank und seelisch angeschlagen. Die Planung der Häuser am Latterbach begann 1974 und dauerte zehn Jahre. „Für das Vorhaben gab es damals keine Vorbilder, wir betraten Neuland“, ergänzt der Bereichsleiter, der sich mittlerweile im Ruhestand befindet. Neuland betrat das Diakoniedorf erst recht, als auch Frauen aufgenommen werden sollten. „Das glich einer kleinen Revolution“, erzählt Fichtner. Resümierend hält er fest: „Für mich wird deutlich, wie viel sich in einem kurzen Zeitraum von 25 Jahren zum Guten verändert hat. Aus dem, was wir uns ausgedacht haben, wurde von den Mitarbeitern Hervorragendes geleistet.“ Auch Wilfried Knorr, Direktor des Diakoniedorfs, nutzte den Geburtstag zur Reflexion: „Geburtstage sind Feiertage, sie mahnen uns aber auch, zu reflektieren, wie mit Menschen mit Behinderung, seelischer Krankheit oder mit Obdachlosen umgegangen wird.“ Heute leitet Michael Bräuning-Edelmann den Fachbereich Menschen mit seelischer Erkrankung und Menschen mit Suchterkrankung und somit die Häuser am Latterbach. Er führt die Leitgedanken der Arbeit in diesen Häusern aus: Umfassende, ganzheitliche Hilfe aus einer Hand, fachlich kompetent, differenziert und individuell, nachhaltige Maßnahmen und Sicherheit gebende Begleitung. Wichtig sei die ausgewogene Balance zwischen Selbstbestimmung und Sorge umeinander. Von Bedeutung seien ferner eine ambulante und stationäre Betreuung sowie eine Unterstützung in Achtsamkeit vor der Würde des Menschen. „Nur die Vielfalt und das gleichwertige Nebeneinander von Optionen bietet eine ernsthafte Selbstbestimmung und Entscheidungsfreiheit“, sagt Bräuning-Edelmann. Heute werden in den Häusern am Latterbach 220 Personen stationär betreut. Auch Burghard Rappl, Ministerialdirigent des Bayerischen Sozial-Ministeriums, gratulierte zum Jubiläum und sagte: „Eine der wichtigsten Zukunftsaufgaben ist: Psychisch kranke Menschen sollen sich nicht an die Versorgungseinrichtung angleichen, sondern die Einrichtung soll den Bedürfnissen der Menschen angepasst werden.“ Michael Zellner, Leitender Verwaltungsdirektor der Deutschen Rentenversicherung Bayern Süd, sagte, oberstes Ziel sei die Rückführung der Menschen auf den normalen Arbeitsmarkt. „Es wird immer wieder nachgeprüft, besteht hier die Möglichkeit zur beruflichen Rehabilitation?“ Zellner beklagte jedoch: „Die Bewohner haben in der Gesellschaft keine Lobby. Es kann nicht sein, dass jemand, der eh schon betroffen ist, finanziell noch dafür haften muss.“

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