Zwischen Wissenschaft und Praxis

Seminararbeiten des Welfen-Gymnasiums zu Förderschule und Nationalsozialismus

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Die Referenten der Seminararbeiten mit ihren Lehrern Angela Wagner und Alexander Mikutta sowie Heide Krauthauf vom Historischen Verein.

Schongau – Ein alljährlicher Glanzpunkt im Vereinsjahr des Historischen Vereins ist die Vorstellung der Seminararbeiten der Abiturienten des Welfen-Gymnasiums. Betreut von ihren Lehrern haben diese in Gruppen ihre praktischen P-Arbeiten und als Einzelkämpfer ihre wissenschaftlichen W-Arbeiten erstellt.

Den Anfang machten sechs Vertreter des P-Seminars von Angela Wagner, die sich mit der „Schönachschule“, dem sonderpädagogischen Förderzentrum in Altenstadt, beschäftigt und ein Infoheft für die Schule gestaltet hatten. Dabei hatten sich die Schüler auch mit der ab 1800 zunehmenden Einsicht einer nötigen „besonderen“ Förderung von Menschen mit körperlicher oder geistiger Beeinträchtigung befasst.

Danach stellten fünf Abiturientinnen des Seminars von Wilfried Funke ihre W-Arbeiten zum Widerstand gegen den Nationalsozialismus vor. Drei beschäftigten sich mit der Weißen Rose. „Hitler und sein System müssen fallen, damit Deutschland weiterlebt“, Franziska Bertl zitierte so Christoph Probst. Als Einziger der Widerstandsbewegung kam er aus Bayern und ließ eine Familie mit drei Kindern zurück. Ein Puzzleteil des Schicksals, nannte es Franziska Bertl, nämlich das Konzept eines Flugblatts in der Manteltasche von Hans Scholl, ließ ihn auffliegen. Aber durch die Taufe vor der Hinrichtung gestärkt, starb er am 22. Februar 1943 ohne Hassgefühle.

Am selben Tag starb auch Sophie Scholl. Sophia Sinn zitierte deren Haltung mit „Was liegt an meinem Tod, wenn durch unser Handeln Tausende von Menschen aufgerüttelt und geweckt werden“. Sophie wuchs in Württemberg auf, lernte ab 1942 in München die Mitglieder der Weißen Rose um ihren Bruder Hans und Professor Kurt Huber kennen. Am 18. Februar wurde sie beim Abwurf der Flugblätter in der Universität entdeckt. Ihre gefasste Haltung bis zur Hinrichtung habe sie aus ihrem Glauben und aus ihrer Nächstenliebe geschöpft, so Sophia Sinn.

In der dritten Arbeit zur Weißen Rose zeichnete Annika Nägele den Lebensweg von Alexander Schmorell nach. Als Kind einer begüterten deutsch-russischen Familie war er in Orenburg, dann in München zweisprachig aufgewachsen. Mit Hans Scholl hatte er die ersten fünf Flugblätter entworfen. Nach der Verhaftung der Geschwister Scholl wurde auch er steckbrieflich gesucht und am 13. Juli zusammen mit Professor Huber hingerichtet. Seine Ehrlichkeit, sein Bekenntnis zum Glauben, so Annika Nägele, würdigte die russisch-orthodoxe Kirche durch seine Heiligsprechung.

Eine weitere Referentin, Lisa Mattern, hatte sich mit den Edelweißpiraten beschäftigt. Diese Gruppierung bekämpfte die Politik der Nationalsozialisten, aber nicht nur mit legalen Mitteln. Die Zentren der Edelweißpiraten lagen um Düsseldorf und Köln. Als Beispiel erwähnte Lisa Mattern Barthel Schink aus der Köln-Ehrenfelder Gruppe, der auch Diebstähle beging, um zu helfen. 1944 wurde er als Sechszehnjähriger mit anderen öffentlich gehängt. Wegen der Gesetzesverletzungen würden er und andere bis heute nicht als Widerstandskämpfer anerkannt, so die Schülerin.

Zuletzt beschrieb Amelie Wirth den Lebenslauf von Georg Elser und sein misslungenes Attentat auf Hitler am 8. November 1939 im Münchner Bürgerbräukeller. Der 1905 bei Heidenheim geborene Elser wollte einen zweiten Weltkrieg verhindern. Die Schülerin schilderte, wie er sich im Bürgerbräukeller einschließen ließ, um den Pfeiler für die Bombe auszuhöhlen. An dem Abend musste Hitler aber wegen Nebels den Zug nehmen, hielt deshalb nur eine kurze Rede, war bei der Explosion längst weg. Amelie Wirth verwies auf die Tragik für Elser, der sinnloses Sterben verhindern wollte, nun schuld war am Tod von acht Unbeteiligten. Elser wurde gefasst und am 9. April 1945 in Dachau hingerichtet.

Historische Häuser

Wegen der fortgeschrittenen Zeit beschränkten sich die Teilnehmer des P-Kurses „Leben in historischen Gebäuden“ mit ihrem Lehrer Alexander Mikutta darauf, ihre Objekte, sieben, privat genutzte Gebäude in der Region, nur kurz anzusprechen. Die interessanten Einzelheiten ihrer Recherche kann man in ihrer Broschüre nachlesen. Zu bestellen unter ­historische-haeuser@gmx.de

Heide Krauthauf

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