UPM setzt auf BauhM

Heizen mit Müll statt mit Altholz

+
Eindrucksvoller Vergleich: 440 Kilogramm Hackschnitzel entsprechen 200 Liter Dieselöl oder 400 Kilogramm BauhM.

Schongau/Ingenried – Hohe Müllberge sind vielerorts ein Problem. Bei der EVA geht man das Problem innovativ an. Seit 2013 wird im Abfallentsorgungszentrum Erbenschwang ein ganz besonderer Brennstoff aus Müll gewonnen. Dieser soll nach einer erfolgreichen Testphase in Zukunft auch in Schongau eingesetzt werden.

„BauhM“ heißt das Material, das aus heizwertreichem Müll gewonnen wird. Alles Verwertbare – PVC und Metalle werden beispielsweise zuvor aussortiert – wird zu Brennstoff weiterverarbeitet. Bisher wurde das fertige Produkt aus dem Landkreis lediglich an entfernte Industrieheizkraftwerke geliefert. Doch in Zukunft soll auch in Schongau damit geheizt werden. 

Getestet wurde der Brennstoff aus Abfall in Schongau bereits im September 2013 fünf Tage lang im UPM-Heizkraftwerk 2, das auch die Stadt Schongau mit Fernwärme versorgt. Nach dieser ersten Phase wurden die Ergebnisse dem Kreistag, der Umweltinitiative Pfaffenwinkel (UIP) und dem Landesverband „Das bessere Müllkonzept“ vorgestellt. Schnell wurde man sich einig, dass ein längerfristiger Versuch durchgeführt werden sollte. 

Anfang dieses Jahres war es dann so weit. „Anfangs waren alle sehr skeptisch, aber haben gehofft, es könnte funktionieren“, erinnert sich Landrätin Andrea Jochner-Weiß. „Doch der Langzeittest hat es bewiesen, dass es klappt.“ „Wir waren froh, dass wir mit UPM wen gefunden haben, der sich mit uns auf das Abenteuer einlässt“, ist auch Fritz Raab, Geschäftsführer der EVA, zufrieden mit den Ergebnissen, die in der letzten Woche im Landratsamt vorgestellt wurden. 

Dennoch war zunächst noch eine mehrmalige Weiterentwicklung von „BauhM“ nötig. „Der Brennstoff muss den hohen Standard von UPM erfüllen“, erklärt Raab. Daher wurde konsequent gemessen und immer wieder nachgebessert. „Wir haben uns ein hohes Know-how angeeignet“, ist Raab stolz. „In den 14 Testwochen hat vom ersten bis zum letzten Tag alles geklappt.“ 

Dass sich dieser Einsatz auch gelohnt hat, zeigen die durchwegs positiven Untersuchungsergebnisse, die unter anderem vom bifa Umweltinstitut und anderen unabhängigen Stellen bewertet wurden. Auch der UIP, dem Kreistag und der Immissionsschutzbehörde wurden die Ergebnisse vorgelegt. „Es war uns wichtig, dass alles offen und transparent abläuft“, erklärt Raab. 

Dies lobt auch Hans Schütz von der UIP. Er ist außerdem glücklich über die gute Zusammenarbeit aller Beteiligten. „Es bestand ständig ein konstruktiver Austausch.“ Schütz bestätigt, dass mit dem neuen Brennstoff problemlos geheizt werden kann. Schließlich war klar, dass durch den Einsatz von „BauhM“ keine Verschlechterung der Abgase entsteht. Außerdem wurde festgestellt, dass die Abgasreinigungsanlage auch die höchsten anzunehmenden Schadstoffgehalte im Brennstoff ohne Probleme behandeln kann. 

Durch den Einsatz vor Ort werden rund 65 000 Kilometer im Jahr eingespart, die die liefernden LKW nicht fahren müssen. Nicht nur das sorgt für einen geringeren CO2-Ausstoß, sondern vor allem das Verbrennen des „BauhM“. Denn durch den höheren Heizwert kann die Brennstoffmenge im Vergleich zu Holz deutlich verringert werden. Dies bringt zusätzlich eine Ersparnis von Rund 1 850 Tonnen CO2 im Jahr. 

Zum Vergleich: Die Solarparks der EVA schaffen es im Jahr auf eine Gesamtersparnis von rund 900 Tonnen. „Es ist wichtig, dass die Werte bei Immissionen und der Asche nicht verschlechtert werden“, erläutert Dr. Thomas Krauthauf, Business Development bei UPM, die Ansprüche des Unternehmens. „Die Qualität war konstant und es wurde pünktlich geliefert“, zeigt er sich aber begeistert. 

Die Firma möchte nach den positiven Erfahrungen auch künftig mit der EVA zusammenarbeiten und in Teilen des Werks auf „BauhM“ vertrauen. „Nicht gleich 100 Prozent, aber mit ordentlicher Startmenge. Ob drei oder fünf LKW pro Woche werden wir sehen“, sagt Krauthauf. 

Derzeit liegt der Antrag für die Genehmigung des dauerhaften Einsatzes von „BauhM“ beim Landratsamt. Das muss erst noch zustimmen. „Unsere Genehmigungsbehörde stellt eine gewaltige Hürde dar“, weiß Jochner-Weiß. Doch auch sie ist zuversichtlich, dass der Antrag genehmigt wird. Ebenso Krauthauf: „Wir sind sicher, dass dieses Jahr noch etwas passiert.“ 

Die Zusammenarbeit könnte sich auch darauf auswirken, dass die Müllgebühr für die Bürger in den nächsten Jahren konstant bleibt, glaubt die Landrätin. Außerdem sei das innovative Konzept natürlich ein Vorteil für die Umwelt und könnte auch als Vorbild für viele andere Landkreise sein. „Denn in Bayern“, so betont Holger Poczka, der stellvertretende Geschäftsführer der EVA, „sind wir derzeit einzigartig.“

Auch interessant

Meistgelesen

Messerstecherei in Schongau
Messerstecherei in Schongau
7. Tag der Helfer in Peiting - die Bilder
7. Tag der Helfer in Peiting - die Bilder
 Gourmet-Essen auf Rädern
 Gourmet-Essen auf Rädern
Nur die Automaten bleiben
Nur die Automaten bleiben

Kommentare