Mehrere Unglücksfälle in der Region

Schnittpunkt zwischen Gleis und Straße

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18 Personen, die bei dem Unglück am Schongauer Bahnübergang in der Friedrich-Haindl-Straße im Zug saßen, verletzten sich, weil ein Lkw auf die Gleise gefahren war.

Landkreis – 18 Verletzte, 120.000 Euro Sachschaden und rund 160 Einsatzkräfte, die mehrere Stunden beschäftigt waren. Das ist die Bilanz des Zugunglücks, das sich im September auf der Schongauer Friedrich-Haindl-Straße ereignet hat. Wenngleich es wohl nicht zum Crash gekommen wäre, hätte der Lkw-Fahrer, in dessen Gespann der BRB-Triebwagen krachte, nicht sämtliche Warnvorrichtungen missachtet, bleibt eine Frage: Inwieweit könnte das Anbringen von Schranken an diesem und vielen weiteren Bahnübergängen dazu beitragen, derlei Unglücksfälle zu vermeiden?

Eine ganze Serie unerfreulicher Vorkommnisse hat die Bayerische Regiobahn (BRB), die die Strecken Augsburg-Weilheim (Ammerseebahn), Weilheim-Schongau (Pfaffenwinkelbahn) sowie Augsburg-Ingolstadt und Ingolstadt-Eichstätt bedient, zu verzeichnen. Denn zwischen Ende September und Anfang Oktober waren BRB-Züge in gleich vier Unglücke verwickelt, drei davon in unmittelbarer Nähe eines Bahnübergangs.

Beim Schongauer UPM-Werk missachtete ein 44-jähriger Bulgare auf dem Fahrerbock eines rumänischen Lkw ein rotes Signal sowie eine akustische Warnung, der Bahntriebwagen krachte in seinen mit Papierschnipseln beladenen Sattelauflieger. 18 der 88 Personen im Zug trugen leichte Verletzungen davon, der Sachschaden belief sich auf 120.000 Euro.

Bei Peißenberg unterlief einem 63-jährigen Autofahrer eine ähnliche Unaufmerksamkeit: Er fuhr trotz rotem Blinklicht auf die Gleise eines unbeschrankten Übergangs. Bei der Karambolage verletzte sich der Mann schwer, vier Zug­insassen trugen leichte Blessuren davon.

Mitte September krachte es auch in Augsburg, als ein BRB-Zug gegen ein rangierendes DB-Pendant fuhr. Tödlich ging der Zwischenfall aus, der sich am Donnerstag vergangener Woche ereignete: Nahe einem Bahnübergang zwischen Riederau und Holzhausen erfasste ein Zug eine Person, die dabei zu Tode kam. Drei dieser vier Vorkommnisse ereigneten sich somit dort, wo sich Schiene und Straße kreuzen.

Rückläufige Tendenz bei Anzahl an Unfällen

Genau 17.061 Bahnübergänge zählt die Deutsche Bahn, auf deren Schienennetz beispielsweise die BRB unterwegs ist, in ganz Deutschland; davon 3.210 in Bayern. Rund 40 Prozent davon gelten als nicht „technisch gesichert“. Das bedeutet, dass sie lediglich mit einem Andreaskreuz oder einer Umlaufsperre ausgestattet sind. Per Definition gesichert ist ein Bahnübergang dann, wenn Blinklicht, Lichtzeichen und beziehungsweise oder eine Schranke dafür sorgen sollen, dass sich die verschiedenen Verkehrsmittel nicht folgenreich in die Quere kommen.

Das klappt immer besser, ist man zumindest bei der Deutschen Bahn überzeugt. 152 Unfälle, davon 51 in Bayern, im Jahr 2016 markierten einen im Vergleich mit der Vergangenheit niedrigen Wert. Die Tendenz sei abnehmend. Doch kommt es tatsächlich zum Crash, geht dieser selten glimpflich aus. 168 Leicht- und 44 Schwerverletzte erfasst die Statistik 2016, 35 Menschen ließen ihr Leben bei den Unfällen, die zu 96 Prozent von Straßenverkehrsteilnehmern verursacht werden. Leichtsinn, Unaufmerksamkeit und Unkenntnis nennt die Bahn als häufigste Ursachen.

Doch wie kommt die Entscheidung, ob ein Bahnübergang technisch zu sichern ist oder nicht, überhaupt zustande? „Die Sicherheit an Bahnübergängen ist eine Gemeinschaftsaufgabe von Bahn, Bund und Straßenbaulastträger“, erklärt ein Bahnsprecher. Straßenbaulastträger in der Schongauer Friedrich-Haindl-Straße und damit mit im Boot, ist die Stadt. Dort, wo der 63-Jährige bei Peißenberg auf die Gleise fuhr, gilt das für den Landkreis.

"Angemessen gesichert"

Generell werden technisch schon gesicherte Übergänge zweimal jährlich inspiziert, ungesicherte dreimal pro Jahr in Augenschein genommen. Bei diesen regelmäßigen Verkehrsschauen gilt es auch zu überprüfen, ob und wie die Sicherung eines Bahnübergangs gewährleistet werden kann. Zu welchem Entschluss die Entscheidungsträger hierbei gelangen, hängt unter anderem von der Art der Bahnstrecke, der Geschwindigkeit des Zuges sowie der Verkehrsstärke auf der Straße an der jeweiligen Stelle ab.

Allein auf der Strecke Weilheim-Schongau, der Pfaffenwinkelbahn, kreuzen 23 Mal Straßen die Schienen. 13 dieser Bahnübergänge sind technisch gesichert – darunter auch jene in Schongau und Peißenberg, an denen es kürzlich krachte. „Bei der letzten Verkehrsschau wurde für diese BÜs (Bahnübergänge, d. Red.) festgehalten, dass die vorhandene Sicherung und Ankündigung für die örtlichen Gegebenheiten angemessen ist“, teilt ein Bahnsprecher dem Kreisboten auf Anfrage mit.

Thema im Stadtrat

Vor dem Hintergrund der jüngsten Unglücksfälle waren sowohl der betreffende Bahnübergang in Schongau als auch der in Peißenberg Gesprächsthema in der jüngsten Sitzung des Schongauer Stadtrats. Stephan Hild, Fraktionsvorsitzender der UWV, stieß die Diskussion an, ob die Überwege im Stadtgebiet und konkret jener bei UPM, wo es jüngst zum Zusammenstoß kam, nicht generell besser mit Schranken zu versehen seien. Bürgermeister Falk Sluyterman verwies auf das bestehende Gutachten, versprach aber, die Situation weiter im Auge behalten zu wollen.

Bettina Buresch (ALS) kündigte derweil an, ihre Fraktion werde sich im Kreistag dafür stark machen, dass der Peißenberger Übergang in seiner Sicherung aufgewertet werde. Das ist wohl nicht mehr nötig. „Für den BÜ Peißenberg liegt eine Planung für eine Nachrüstung der technischen Sicherung vor“, kündigt der Bahnsprecher an. Voraussichtlich bis Ende 2018 solle das bisherige Blinklicht durch Halbschranken mit vorgeschalteter Lichtzeichenanlage ersetzt werden.

ras

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