Bankett am Brahmsplatz

Siebtes "Dinner in weiß" in Schongau

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Eröffnung des siebten Schongauer „Dinner in weiß“ am Brahmsplatz durch Initiator Martin Kayser (hinten, stehend).

Schongau – Wie erfreut Initiator Martin Kayser über die Nachricht ist, dass das Schongauer „Dinner in weiß“ in diesem Jahr nicht ins Wasser fallen muss, sieht man an seiner ersten Bekanntgabe per Mail – und der Vielzahl an lachenden Smileys. Er spürt Erleichterung trotz einigen Auflagen, die er an all seine „Brüder und Schwestern in weiß“ weitergibt. Die Veranstaltung kann steigen. Der Ort ist aber wie immer zunächst streng geheim.

Hinweise zum Schauplatz gibt es: etwas längerer Anweg, Bollerwagen wäre ideal, dazu jede Menge Fackeln. Gedanken gehen in Richtung Lido. Falsch. Kayser will ein Zeichen setzen und den neugestaltete Brahmsplatz mehr in den Blickpunkt rücken. Die Bekanntgabe erfolgt erst wenige Stunden vor der Spontan-Veranstaltung.

Doch dann hängen schwarze Wolken rings um Schongau. Starke Gewitter in Steingaden, Lauterbach, Wildsteig und Rottenbuch. Auch die Stadt selbst wird befeuchtet, aber zur festgelegten Uhrzeit grüßt ein Sonnenuntergang wie aus dem Bilderbuch. Kayser muss ein Zocker sein, aber er hat Erfolg. Das Fest kann steigen.

Verwunderte Gesichter bei den letzten Besuchern des Spielplatzes. Tische werden aufgeklappt, Stühle in Position gestellt, Abstände ausgemessen. Dazwischen Kayser mit Mundschutz und Gästeliste. Alles in weiß, Anzug, Hut, Mundschutz und Papier. Er hat die Sache im Griff. Nur mit seiner goldenen Glocke hat er Anfangsschwierigkeiten, der Klöppel ist verhakt. Doch dann klappt auch das. Eine kurze Ansprache, das traditionelle Winken mit den weißen Tüchern. Die Korken dürfen knallen.

Dresscode eingehalten

Gut 50 Personen haben an ihren Tischen Platz genommen. Und alle haben sich an den Dress­code gehalten. Vom Scheitel bis zur Sohle. Auch ein ganz besonderer Gast, der auf alle Fälle die längste Anreise hatte: Vor 40 Jahren ist Ingeborg Seiband aus Schongau weggezogen, seit 30 Jahren lebt sie in Griechenland.

Ihre Eltern hatten hier lange Zeit ein Fliesengeschäft und eigentlich wollte sich die Familie im März in Schongau treffen, um den 90. Geburtstag des Vaters zu feiern. Aber Corona machte einen Strich durch die Rechnung. Als Reisen jetzt wieder möglich waren, wurden gleich die Koffer gepackt. Darin fand sich vieles – aber nicht in weiß.

Sie solle sich weiße Klamotten besorgen, sagte ihre frühere Schulkameradin Mona Maucher am Nachmittag. Warum? Großes Geheimnis. Ingeborg Seiband durchstöbert Mutter Ilses Kleiderschrank. Alles ist vorhanden, sogar die kleine Handtasche aus den Sechzigerjahren.

Und jetzt sitzt sie da. Nicht zu überhören, dass sie und ihre Freundinnen sich viel zu erzählen haben. Wie all die anderen Gäste, die viele lockere Gespräche führen. „Dinner in weiß“ – auf alle Fälle eine Erfolgsgeschichte. 

Hans-Helmut Herold

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