Kunst am Kreisel

Förderrad als "starkes Symbol"

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Die Jury und Kämmerer Christian Hollrieder (Wettbewerbs-Koordinator im blauen Pullover) hinter dem Siegerentwurf von Marinus Wirtl (kleines Foto).

Peiting – Die Jury hat entschieden: Der Peitinger Künstler Marinus Wirtl wird das Kunstwerk im neuen Verkehrskreisel an der Bahnhofstraße realisieren. Unter fünf eingereichten Entwürfen ist der Vorschlag „Abgeteuft“ mit den zwei Rädern eines Förderturmes mit den meisten Punkten bedacht worden. Das Votum sei deutlich ausgefallen, schildert Kämmerer Christian Hollrieder, der seitens der Marktverwaltung den Wettbewerb organisiert und begleitet hat.

Sein Entwurf brachte den Sieg: Der Schongauer Künstler Marinus Wirtl.

Marinus Wirtl ist 60 Jahre und hat seine Werkstatt in Schongau-Ost. In Peiting hat er bereits den Barbarabrunnen am Rathaus geschaffen. Auch die Silhouette vor der Schloßberghalle, die 2012 aufgestellt wurde und die – je nachdem von welcher Seite man draufschaut – entweder eine Trachtlerin oder einen Fußballer darstellt – ist in seinem Atelier entstanden. Den aktuellen Entwurf für den Peitinger Kreisel sieht Marinus Wirtl, wie er im Gespräch mit dem Kreisboten betont, als „starkes Symbol“. Die zwei Stahlräder – das eine leicht, das andere mehr als zur Hälfte eingesunken – würden eine Brücke zwischen Vergangenheit und Zukunft schlagen. Einerseits erinnere das Kunstwerk an die Berg­bauvergangenheit in Peiting, was Vorgabe für den Ideenwettbewerb war. Andererseits seien die Räder Symbol „für das wiederkehrende, Zukunftsweisende, Dynamische“, wie es Marinus Wirtl selbst erklärt.

Das große Förderrad, das einen Durchmesser von 3,50 Meter hat und knapp drei Meter hoch wird, wird zusammen mit dem kleineren Rad, das eingesunken ist und für die Geschichte steht, auf der Grünfläche inmitten des Verkehrskreisels bei der Bäckerei Sesar aufgestellt. Anfang Juni soll es fertig sein, blickt Kämmerer Hollrieder voraus. Denn Ende des Monats wird das Jubiläum 50 Jahre Bergwerkschließung in Peiting begangen.

Am Förderturm des Peitinger Bergwerks sei das Förderrad als einzige Verbindung zwischen untertage und übertage gar nicht zu sehen gewesen, es war eingehaust, weiß Marinus Wirtl. Aber bei einem Besuch im Deutschen Museum in München und bei weiteren Recherchen sei ihm klar geworden, dass er dieses Symbol, mit dem Bergleute sowie Kohle nach unten und wieder herauf transportiert wurden, für den Wettbewerb einreiche.

Das Rad stehe für ein Auf und Ab und für eine Dynamik. Die drücke sich auch darin aus, dass die Zeit des Bergbaus vorbei sei, aber die Marktgemeinde sich weiterentwickle, schildert Marinus Wirtl seine Gedanken. Die Speichenradsegmente werden aus verzinktem Stahl gefertigt. Sie werden auf einem betonierten Fundament verschraubt.

Obwohl er den Verkehr reguliere, beruhige und verteile, stünde der neue Verkehrskreisel als Knotenpunkt im Ort doch auch für den Fluss der Menschen und Fahrzeuge, die in die verschiedenen Richtungen streben. Beim Bergwerk sei es in die Tiefe gegangen, Zukunft werde hier aber nicht senkrecht, sondern ausstrahlend in alle Himmelsrichtungen erschlossen, gleichsam in die Fläche abgeteuft.

Für die Kunst im Kreisel werden 50.000 Euro bereitgestellt. Zirka die Hälfte der Kosten übernimmt die Marktgemeinde, die andere Hälfte ist der Betrag, den die Regierung von Oberbayern fördert. Ebenso wie Marinus Wirtl haben für die abschließende Runde, nachdem in einem ersten Verfahren aus 17 Vorschlägen zunächst fünf ausgesucht wurden, vier andere Künstler ihre Ideen in einem expliziten Entwurf eingereicht. Dies waren Christine Gräper aus Peiting, Andrea Kreipe aus Böbing, Dietrich Förster aus Apfeldorf und Klaus Goth aus Augsburg.

Christine Gräpers Vorschlag war eine Turmskulptur mit dem Material Olivin Diabas, das an die dunkle Kohle erinnert. Andrea Kreipe hatte die Idee zu einer Darstellung mit drei Steinsäulen, die an die Bohrkerne im Vorfeld des Kohleabbaues erinnern sollen. Dietrich Förster wollte am Kreisel einen großen Schacht mit einem offenen Schlund und einer abgestützten Decke gestalten. Die Idee von Klaus Goth aus Augsburg war ein Steigerhammer. Für die Entwürfe werden jeweils tausend Euro bezahlt.

Die Jury zum Wettbewerb bestand aus 13 Frauen und Männern, darunter auch zwei freiberufliche Künstlerinnen, die für den Bezirk Oberbayern tätig sind. Es wurde so verfahren, dass die Punkte der Fachpreisrichter doppelt gewertet wurden und die der Sachpreisrichter je einfach. 

Johannes Jais

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