Atmosphärischer Alleskönner

Blick in die erneuerte Schongauer Grundschule

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Noch sieht es nach Baustelle aus, doch die letzten Maschinen sollen bald verschwinden. Was bleibt, ist die Optik der neuen Gebäude. „Rough, robust und atmosphärisch“, erklären die Architekten Franz Balda (rechts) und Jochen Handke (2. v. links) beim Rundgang mit Bürgermeister Falk Sluyterman (links), Schulleiterin Ursula Heitmeier (Mitte) und Stadtbaumeister Sebastian Dietrich (2. v. rechts). Das gilt auch für die Aula.

Schongau – Die Arbeiten an der Grundschule sind so gut wie abgeschlossen. Seit Ende der Osterferien werden die ersten, dritten und vierten Klassen in den jüngst errichteten würfelförmigen Gebäudeteilen unterrichtet. Wie es darin aussieht, dazu gaben die Architekten am Dienstagnachmittag einen Einblick.

Fast ist es vollbracht, sagt Franz Balda vom Fürstenfeldbrucker Architekturbüro Balda Architekten, als die Runde zur Besichtigung aufbricht. Um zu erkennen, dass noch einige Restarbeiten zu erledigen sind, reicht ein erster Blick. Noch sieht das Grundschulareal nach einer Baustelle aus: „Ich habe den Eingang nicht gefunden“, hatte sich Bürgermeister Falk Sluyterman bei seiner Ankunft kurz zuvor entschuldigt, nachdem sein zuerst eingeschlagener Weg an einem Bauzaun geendet hatte. Lange lag der gesamte Teilneubau gut im Zeitplan, dann meldete die Fassadenfirma Insolvenz an. „Super schade“, findet Balda die daraus resultierende Verzögerung. In Hinblick darauf, dass die neuen Bauten – sie machen rund zwei Drittel der Grundschule aus und sind komplett barrierefrei – am 5. Juli offiziell eingeweiht werden sollen, ist er aber zuversichtlich: „Klar, da muss alles sitzen“.

„Wie soll das gehen?“, habe man sich anfangs gefragt, als es um die Planungen und Entwürfe für die Grundschule ging, schildert Balda, der mit dem Ergebnis aber ebenso wie Kollege Jochen Handke sehr zufrieden ist.

Optisch sind die Wände und Decken der neuen Gebäude sehr modern-reduziert gehalten. Viel grauer Beton und Licht, etwas Holz. „Rough, robust und atmosphärisch“, fasst Balda zusammen.

Beton, Holz, Licht

Der Beton ist unverputzt und ungestrichen. „Nirgendwo taucht Weiß auf“, erläutert Handke. Nur die Toiletten sind komplett in Blau gehalten. Auch am Boden dominiert Beton, auf der Magistrale im Obergeschoss und in der Mensa Holz und in den Klassenzimmern Teppich. „Farbe gibt wahnsinnig viel vor“, erläutert Balda. Knallige Wände und eine verspielte Optik lenken die Kinder in der Schule ab – wo doch Konzentrationsvermögen gefragt ist. „Diese Reizfreiheit gefällt mir sehr gut“, schildert Hort-Leiterin Manuela Tausch. „Das Leben bringen die Kinder hier herein“, sagt Balda.

Denn bei aller modernen Nüchternheit des Baus ist ihm eines wichtig: „Atmosphäre“, lautet das bei diesem Rundgang am Dienstagnachmittag wohl meistgenannte Wort. Und die komme bei der Schülerschaft an, bestätigt Schulleiterin Ursula Heitmeier. Die Kinder seien sehr angetan und darum bemüht, alles ordentlich zu halten.

Nichts liegt herum, akkurat sind die Garderoben eingeräumt. Diese bestehen wie alle Holzoberflächen, aus weicher Weißtanne. Dass es so schnell zur ein oder anderen Macke und Schramme kommt, sei einkalkuliert, so Balda. „Das ist wie bei einem Wirtshaustisch.“ Auch der werde durch den steten Gebrauch und eine Patina erst richtig schön.

Die Architekten haben sich Gedanken gemacht, das verdeutlichen auch die komplett blauen Toiletten. Boden blau, Wand blau, Einrichtung blau, ausnahmslos alles blau. „Ein starker Farbreiz, um wachzuwerden“, erklärt Balda. Dazu, zu verweilen, lädt das nicht ein. Soll es auch nicht. „Es muss immer einen Raum geben, über den es sich kontrovers diskutieren lässt.“ Bei der Grundschule sei das nun eben das stille Örtchen. Wobei auch das seine Fans hat. „Eine unserer Schülerinnen hat zwei Freundinnen vom Gymnasium hierher mitgegebracht und erklärt, sie müsse unbedingt unser ‚geiles neues Klo‘ herzeigen“, so Heitmeier.

"Traum" Lernhauskonzept

Seinen wahren Wert beweist ein Schulhaus aber natürlich dort, wo gelernt wird. Hier sei ein echter Traum in Erfüllung gegangen, freut sich Heitmeier. Denn die neuen Gebäude – nur die zweiten Klassen werden noch im Y-Bestandsbau unterrichtet – verwirklichen Prinzipien des sogenannten Lernhauses. Um ein Forum herum, also einen gemeinsam genutzten Bereich, sind Klassenzimmer, ein nach Bedarf nutzbarer und dem Forum zuschlagbarer Mehrzweckraum und ein Lehrerstützpunkt angeordnet. Dadurch, dass die Unterrichtsräume teils nur durch Glasflächen abgetrennt sind, entsteht ein offener Eindruck. „Man geht hier rein und nicht nur durch“, erklärt Balda. Zwischen den Klassen einer Jahrgangsstufe werde Kommunikation möglich – aber zum Beispiel, wenn eine Prüfung ansteht, auch nicht unumgänglich.

„Das ist der Unterschied zu einer Flurschule nach altem Vorbild“, so der Architekt. Ein langer Gang ohne Mehrwert, von dem baulich abgeriegelte Klassenräume abzweigen, das sei mittlerweile überholt. So ein Lernhaus dagegen habe etwas von einer gemeinsamen Wohnung, in der sich „in allen Bereichen Schule halten“ lasse.

Bewährt habe sich das Konzept bereits, berichtet Heitmeier. Zum Beispiel jüngst beim Pflanzenstreichelzoo. Dieser wurde im Forum aufgebaut, die Klassen hatten eine zentrale Anlaufstelle, um nacheinander die Inhalte zu erarbeiten. Praktisch, denn so war das Anschauungsmaterial nicht von Stunde zu Stunde in ein anderes Klassenzimmer zu verfrachten.

In den Unterrichtsräumen bieten moderne Lehrmittel wie Dokumentenkamera, Beamer und Whiteboardtafel die Möglichkeit für zeitgemäßes Lernen. „Wie analog oder digital, das kann sich die Lehrkraft selbst aussuchen“, erklärt Stadtbaumeister Sebastian Dietrich.

Jüngst habe man die 2014 schriftlich festgehaltenen Wünsche, die in Hinblick auf den neuen Hort geäußert wurde, noch einmal herausgekramt, schildert dessen Leiterin Tausch. Ihr Fazit mit einem Schmunzeln: Bis auf ein Schwimmbad, das ein Kind realisiert sehen wollte, wurde alles erfüllt.

Die neue Mensa versorgt ab dem kommenden Schuljahr die dann eingeführte erste Ganztagsklasse der Grundschule sowie das ganze übrige Schulzentrums. Platz bietet sie für 120 Grund- und 60 Realschüler. „Das Haus kann sehr viel“, ist Balda überzeugt.

Auch ein weiteres, letztes „Sorgenkind“, so Balda, soll in zwei bis drei Wochen verspätet den Schulbetrieb aufnehmen: Am Ende der Osterferien war entdeckt worden, dass im Boden der Sporthalle 400 Liter Heizwasser ausgelaufen waren, sodass sich der Belag aufwellte.

Optionen für die Zukunft

Mit dem Teilneubau, ist Stadtbaumeister Dietrich zufrieden, biete sich für die Zukunft eine „Exitoption“. Das heißt: Werden die verbliebenen Gebäude, die aus den Fünfziger- und Neunzigerjahren stammen, einmal abgerissen, füge sich deren Ersatz, der dann wie die nun neuen Teilkomplexe des Schulzentrums in Würfelform erstellt werden soll, nahtlos in das gesamte Ensemble ein. „Das gibt Sicherheit für die Zukunft.“

ras

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