Entscheidungsoffen

So steht Hohenfurch zur Reaktivierung der Fuchstalbahn

Der Bahnübergang an der Hauptstraße im Westen von Hohenfurch in direkter Nachbarschaft zu Schwabniederhofen wird auch bei einer Reaktivierung der Fuchstalbahn unstrittig sein.
+
Der Bahnübergang an der Hauptstraße im Westen von Hohenfurch in direkter Nachbarschaft zu Schwabniederhofen wird auch bei einer Reaktivierung der Fuchstalbahn unstrittig sein.

Hohenfurch – Bereits bei der Novembersitzung des örtlichen Gemeinderats hatte Bürgermeister Guntram Vogelsgesang den Ratsmitgliedern die Beschussvorlage der Gemeinde Denklingen zu deren Ablehnung der Reaktivierung der Fuchstalbahn als Tischvorlage zur Kenntnisnahme ausgegeben. Bei der Jahresabschlusssitzung stand dieses Thema in Hohenfurch offiziell auf der Tagesordnung. 

Vogelsgesang musste gegenüber dem Gremium eingestehen, dass im Denklinger Gemeinderat zu dem Zeitpunkt der Ausgabe noch nicht über die Beschussvorlage gesprochen und deshalb auch noch kein Beschluss getroffen werden konnte. Das sei ihm zum Zeitpunkt der zurückliegenden Sitzung nicht bewusst gewesen. Im Weiteren informierte er den Rat darüber, dass die Ende November im Kreisboten erfolgte Berichterstattung über die Absicht, das Thema Fuchstalbahn in der Jahresabschusssitzung zu behandeln, Schongaus Rathaus­chef Falk Sluyterman auf den Plan gerufen habe.

Am 23. November, genau zwei Tage nach der Veröffentlichung habe dieser sich mit einer E-Mail an ihn gewandt und darum gebeten, vor einer Beschlussfassung, in der man sich gegebenenfalls gegen eine Reaktivierung der Bahnstrecke aussprechen würde, zunächst den zur Thematik geplanten Runden Tisch Anfang 2021 abzuwarten. Bei diesem werde Andreas Holzhey, Geschäftsführer der in Landsberg am Lech ansässigen Bürgerbahnhof Service Verwaltungs-GmbH sein Eckpunktepapier zur Fuchstalbahn vorstellen.

Daraufhin hatte sich Vogelsgesang schriftlich an den bei der Sitzung als interessierter Hohenfurcher Bürger anwesenden „Sprecher des Arbeitskreises Fuchstalbahn in der Umweltinitiative Pfaffenwinkel e.V.“ Harald Baumann gewandt und ihn darüber informiert, dass das Thema in der Sitzung dennoch behandelt werde, weil der Gemeinderat das so beschlossen habe. „Damit habe ich dann aber auch eine Handlungsanweisung für einen etwaigen runden Tisch. Allerdings werde ich darauf hinwirken, keine Beschlüsse zu fassen“, gab der Bürgermeister weiter zu dem Inhalt seines Schreibens bekannt.

Dem ungeachtet hatte er selbst einen Vorschlag zum Beschluss beziehungsweise als Handlungsanweisung für die Sitzung entworfen. Hierzu hatte er „den Beschlussvorschlag der Gemeinde Denklingen überarbeitet“ und darin die Hohenfurcher Belange und Begebenheiten eingearbeitet. Insbesondere verweist die Vorlage darauf, dass für die Reaktivierung der Fuchstalbahn weder ein Bedarf noch ausreichend Nachfrage bestehe. Des Weiteren steht darin: In der Gemeinde Hohenfurch befindet sich keinerlei Infrastruktur mehr. Hierzu führte Guntram Vogelsgesang auch in Worten nochmals an, dass das frühere Bahngebäude als auch die anliegenden Grundstücke bereits vor vielen Jahren von der Bahn verkauft worden seien. Und schließlich sei im Zuge des Gleisaustauschs im Jahr 2013 auch der zuvor noch existierende Bahnsteig komplett entfernt worden. Außerdem werde, obwohl das Gleis zumeist von der Wohnbebauung entfernt verlaufe, die Lärmbelästigung durch regelmäßigen Personenverkehr massiv erhöht. Auch der sich abzeichnende Mehraufwand für die Landwirtschaft bei Schließungen von mehreren der insgesamt acht Bahnübergänge auf dem Gemeindegebiet sei nicht ohne weiteres hinnehmbar. Die von Schließungen betroffenen Landwirte müssten bei Bahnbaumaßnahmen einen Umweg von 3,2 Kilometern in Kauf nehmen. Unter Berücksichtigung der Tatsache, dass meist mehrere Fahrten an einem Tag anfallen, dürfte allein schon dieser Punkt bei den davon Betroffenen zur Ablehnung des Projekts führen.

Unter Einbeziehung der beschriebenen Vorbehalte umfasst die Vorlage ganze 13 Punkte, deren Inhalte durchweg ablehnend zu einer Reaktivierung gefasst sind.

Dass Gemeinderatsmitglied Christine Grünewald ihre eigene Auffassung in der Hohenfurcher als auch der Denklinger Vorlage voll und ganz bestätigt sieht, daraus machte sie gleich zu Beginn der Diskussionsrunde keinen Hehl. Mehrere andere Mitglieder aber sahen das Thema etwas diffiziler und wollten sich deshalb bei der Sitzung noch nicht festlegen. Nicht zuletzt deshalb, weil bislang weder ein Konzept existiere und daher auch keine konkreten Kosten festlägen. Und da aus deren Sicht zudem noch kein Zeitdruck bestehe, habe man vor einer abschließenden Festlegung die Möglichkeit, noch viele offene Fragen zu klären.

Dass eine solche Klärung alles andere als schnell zu erwarten sei, darauf hatte Guntram Vogelsgesang schon zuvor mit dem Hinweis auf eine im November veröffentlichte Presseverlautbarung hingewiesen, in der Andreas Holzhey vor zu hohen Erwartungen an das von Schongaus Bürgermeister Falk Sluyterman angeführte Eckpunktepapier gewarnt hatte. Zwar würden darin Fördermöglichkeiten aufgezeigt, es handele sich aber um kein Gutachten und erst recht keine Entwurfsplanung.

„Außer vielleicht zwei Leuten sitzt keiner mehr außer mir herin, der sich noch an Zeiten des Zugs erinnern kann.“ Mit dieser Einleitung ihres Beitrags wartete Siglinde Schuster mit einem zuvor nicht zur Sprache gekommenen Argument auf. Sie war in ihrer damaligen Ausbildungszeit mit dem Zug von Hohenfurch nach Landsberg gefahren. „Wir wollen alle unser Klima schützen“, führte sie weiter an. Und einen Bahnhof und Parkplätze bräuchte man auch „nicht unbedingt“. Sie verwies ferner darauf, dass eine Umsetzung des Vorhabens noch viel Zeit „10, 15, 20 Jahre“ in Anspruch nehmen werde und sprach sich deshalb für eine bejahende Positionierung der Gemeinde bei den weiteren Erörterungen aus.

Unterstützung erhielt sie von Josef Schmidbauer, der die Fuchstalbahn zwar nicht als nötig sieht, der aber mit Blick auf Landsberg und dem absehbaren Entwicklungspotential der Stadt als wachsendes Zentrum „auch im Hinblick auf neue Arbeitsplätze“ eigentlich schon mit einer strategischen Komponente aufzuwarten wusste.

Nachdem Guntram Vogelsgesang wiederholt einen Handlungsauftrag des Gemeinderats für die weiteren Gespräche erbeten hatte, meldete sich auch Peter Schratt zu Wort. Auch er wendete sich gegen eine verfrühte Ablehnung und wies mit den Worten „Der Herr Scheuer, Bundesverkehrsminister hat angekündigt, dass jetzt dann mit voller Macht die Bahn ausgebaut wird“ auf die auch vom Bundesverkehrsministerium propagierte Verkehrswende hin. Außerdem werde Autofahren teurer werden.

„Bedarf besteht im Moment nicht“, stellte der Bürgermeister letztlich gegenüber dem Gremium fest. Dennoch solle es keinen ablehnenden Beschluss seitens der Gemeinde gegen die Reaktivierung der Fuchstalbahn geben. Auch das dafür und dagegen wolle er bei den weiteren Gesprächen weglassen und zunächst einmal darauf hinzuwirken, dass die im Beschlussvorschlag aufgeführten Punkte in einem „echten Verkehrsgutachten“ geklärt werden. Diese Ausrichtung der Gemeinde fand das Einverständnis und die Zustimmung aller anwesenden Gremiumsmitglieder.

Alles in allem dürfte diese einerseits vorsichtige wohl auch überlegteste und weitsichtige aller denkbaren Beschlüsse gewesen sein. Es bleibt nun mit einiger Spannung abzuwarten, wie es im Jahr 2021 weitergeht.

Manfred Ellenberger

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

„Apotheke am Hauptplatz“ hat das neue Peitinger Ärztehaus bezogen
„Apotheke am Hauptplatz“ hat das neue Peitinger Ärztehaus bezogen
Christian Lory übernimmt SPD-Fraktionsvorsitz
Christian Lory übernimmt SPD-Fraktionsvorsitz

Kommentare