Erinnerung in 600 Fotos

50 Jahre Bergwerkschließung in Peiting

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Bilder wie dieses sind in der Sonderausstellung, die am 30. Juni eröffnet, im Klösterle zu sehen. Sie zu schießen, war damals streng verboten.

Peiting – Am 28. Juni 1968 war Schluss. „Ich bin der Letzte“ ist auf dem Förderwagen zu lesen, der an diesem Tag den Peitinger Bergwerks-Schacht verlässt. 50 Jahre ist das heuer her. Für die ehemaligen Peitinger Bergleute eigentlich kein Grund zu feiern, sind sie sich einig. Dennoch erinnern sie mit einer Ausstellung im Klösterle-Museum an das Ereignis.

Etwa 600 Fotos hat der ehemalige Bergmann Alfred Braun zusammengetragen und bringt sie derzeit an den Stellwänden im Museum in chronologischer Reihenfolge an. Auch Beschriftungen und Erklärungen zu den einzelnen Schwarz-Weiß-Aufnahmen dürfen natürlich nicht fehlen. Am 30. Juni wird die Ausstellung eröffnet, am gleichen Tag wird auch die „Kunst am Kreisel“ gegenüber mit den Förderrädern des Künstlers Marinus Wirtl eingeweiht. Voraussichtlich bis zum Herbst sind die Fotos in DIN A4, 3 und 5 ausgestellt und können zu den Museums-Öffnungszeiten besichtigt werden.

900 Arbeiter bauten zu Hochzeiten in Peiting Kohle ab. Am 28. Juni 1968 verloren auch die letzten ihren Job.

Die Fotografien, die vor zehn Jahren schon einmal zu sehen waren, zeigen den Arbeitsalltag der Kumpel. „Die meisten Bilder haben die Berg­leute verbotenerweise selbst geschossen“, sagt Alfred Braun. Denn offenes Feuer – wie man es damals noch für den Blitz benötigte – war unter Tage strengstens verboten.

Als echten „Knochenjob“ bezeichnen die ehemaligen Bergleute Xaver Bader und Alfred Braun ihre Arbeit. In drei Acht-Stunden-Schichten wurde in den Schächten – am Ende war man in Peiting über 800 Meter im Boden und es gab 49 Kilometer Streckenlänge – gearbeitet. In der Früh- und der Mittags-Schicht mussten die Arbeiter Kohle fördern, die Nacht-Schicht war für Reparaturarbeiten zuständig.

Unheimlichem Lärm waren die Bergleute ausgesetzt, denn alle Werkzeuge funktionierten damals mit Pressluft. Dazu kam der Kohlestaub und auch Wasser. „Man war praktisch allen Elementen ausgesetzt“, sagt Xaver Bader. Gehörschutz gab es noch nicht. Für Alfred Braun hatten diese Bedingungen Auswirkungen: Er musste noch vor der Schließung die Arbeit als Bergmann wegen eines Hautekzems aufgeben.

Doch die Arbeit an den Kohleflözen barg auch Gefahren. Jeder Bergmann hatte eine Sicherheitsmarke bei sich und man war immer in etwa acht Mann starken Trupps unterwegs. Benzinlampen, wie sie die Vorarbeiter bei sich hatten, sollten vor Gas­austritten warnen. Die Strecken unter Tage wurden zudem aufgrund des Gebirgsdrucks immer enger. In der Geschichte des Peitinger Bergwerks von 1920 bis zum Ende vor 50 Jahren haben dort 31 Bergleute den Tod gefunden. „Man hat auch einfach Glück gebraucht“, sagen Bader und Braun.

Die ehemaligen Bergmänner Xaver Bader und Alfred Braun (v. links) haben die Sonderausstellung zu „50 Jahre Bergwerksschließung Peiting“ im Klösterle-Museum aufgebaut. Am Modell des Bergwerks erklären sie ihren Arbeitsablauf unter Tage.

Gerüchte gab es bereits, 1967 wurde es dann offiziell: Die Schließung stand unmittelbar bevor. Zuerst sei es ein Schock gewesen, sagen die beiden Ex-Bergmänner, „man hat es vielleicht auch gar nicht richtig geglaubt“. Doch am 28. Juni 1968 war es dann so weit – der letzte Hunt verließ das Bergwerk. Grund für das Ende war das Aufkommen des Heizöls. „Da hat der Liter damals gerade mal sieben Pfennig gekostet“, erzählt Alfred Bader. Zudem blieb beim Verbrennen des Öls keine Asche zurück. Kohle wurde out.

Viele trifft die Nachricht zunächst schwer, gerade die, die kurz vor dem Rentenalter stehen. Doch die Bergmänner sind begehrt. Sie sind vielfältig ausgebildet, als Lehrling mussten sie viele Stationen durchlaufen. So siedelten sich nach und nach immer mehr Handwerksbetriebe in der Marktgemeinde an.

Die Foto-Ausstellung gibt die Höhen und Tiefen dieses Handwerks wieder und lässt den Betrachter Eindrücke der längst vergangenen Zeit gewinnen. Für Bader und Braun, die die Sonderausstellung organisiert und aufgebaut haben, eine Gelegenheit, die Vergangenheit Peitings der Öffentlichkeit noch einmal zugänglich zu machen. „In zehn Jahren gibt es keinen Bergmann mehr“, sagt Braun. Die Fotos bleiben nach der Ausstellung im Museum. Vielleicht werden sie irgendwann noch einmal ausgestellt.

asn

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