Wohnen im Alter

Die richtigen vier Wände

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Blick hinter die Kulissen: Bewohner der Senioren-Wohnanlage in der Lechvorstadt gaben Mitgliedern des Sozial- und Gesundheitsbeirats Einblick in ihre Wohnungen.

Schongau – Die Geburtenraten sind rückläufig, das Alter der Bevölkerung in Deutschland nimmt zu. Besser hätte das Thema der jüngsten Sitzung des Sozial- und Gesundheitsbeirats des Landkreises Weilheim-Schongau daher nicht gewählt werden können: Es ging um das Wohnen im Alter.

Ohne Zweifel gibt es schlimmere Orte, um seinen Lebensabend zu verbringen, als die Wohnanlage der Holzhey-Seniorenstiftung in der Schongauer Lechvorstadt. 2003 hatte der ehemalige Haindl-Geschäftsführer und Ehrenbürger der Stadt Schongau, Fritz Holzhey, das aus dem Jahr 1724 stammende Anwesen gekauft. Sein Ziel: Wohnraum für Senioren und junge Familien schaffen. 2008 begannen die Umbau- und Sanierungsarbeiten. Ein Jahr später zogen die ersten Mieter ein. Wie gut das Projekt angenommen wird, davon konnten sich die Mitglieder des Sozial- und Gesundheitsbeirats selbst ein Bild machen. Denn das Gremium hatte für seine Sitzung den Gerber-Saal gewählt, den Holzhey im Zuge des Umbaus als Veranstaltungsraum hatte herrichten lassen.

 Zwei Bewohner gewährten Einblick in ihre seniorengerechten Wohnungen, nachdem Holzhey die Fakten erläutert hatte. „Wir wollen hier den Leuten ermöglichen, so lange wie möglich in den eigenen vier Wänden wohnen zu können“, erklärte er. Wer allerdings  der Pflege bedürfe, müsse in eine andere Einrichtung ziehen. „Für eine Betreuung rund um die Uhr ist die Anlage zu klein.“  Damit die Wohnkosten erschwinglich bleiben, gibt es für die Mieter einen Zuschuss von der Stiftung, die derzeit über ein Kapital von 500000 Euro verfügt. Landrat Friedrich Zeller hatte für das Projekt nur lobende Worte übrig: „Das hier ist ein Juwel in der Lechvorstadt.“

Einen anderen Ansatz für das Wohnen im Alter verfolgt dagegen Christine Fremmer mit ihrem altinum-Projekt. Hier sollen Senioren in einer Wohngemeinschaft zusammenleben. Dafür hat Fremmer das Haus in der Blumenstraße, in dem bislang ihre Steuerkanzlei untergebracht war, umgebaut. Im Juli feierte die WG ihre Eröffnung. Neben sechs Wohnungen gibt es eine Gemein-schaftsküche und ein -wohnzimmer. Ziel sei es, erläuterte Fremmer den Mitgliedern des Beirats, Senioren, die ihren Alltag noch selbst stemmen können, ein neues soziales Umfeld zu eröffnen, in dem gemeinsame Hobbys und Interessen gepflegt werden. Beim Richtfest im Februar hatte sich bereits Landtagsprösidentin Barabara Stamm das Konzept erklären lassen. Noch mangelt es Fremmer allerdings an Bewohnern für ihre Senioren-WG.

Das dürfte beim Projekt, das die Alzheimer Gesellschaft Pfaffenwinkel initiiert hat, ganz anders aussehen. Sie plant ambulant betreute Wohngemeinschaften für Demenzkranke. Der Clou: Statt eines Trägers sollen diese über ein Genossenschaftsmodell finanziert und betrieben werden. Das von der Staatsregierung unterstützte Modellprojekt soll ab Januar starten und ist vorerst auf drei Jahre begrenzt. Das Prinzip funktioniere wie in anderen Bereichen auch, erklärte Martin Okrslar, der im Sommer die Maro-Genossenschaft für selbstbestimmtes und nachbarschaftliches Wohnen in Weilheim gegründet hat. „Anleger sorgen für die Finanzierung und profitieren ihrerseits von einer Dividende von bis zu vier Prozent.“ Das Projekt werde zudem wissenschaftlich begleitet. Zwischen 1600 und 1800 Euro betrage voraussichtlich die private Zuzahlung der WG-Bewohner, womit man durchaus konkurrenzfähig zu stationären Behandlungsformen sei, sagte Okrslar. „Wir wollen, dass die Bürger Verantwortung für ihre Region übernehmen.“

Derzeit ist die Genossenschaft auf der Suche nach einem geeigneten Objekt, zwei Grundstücke in Weilheim habe man  im Auge, so der Geschäftsführer. Außerdem gebe es Gespräche mit Altenstadt. chpe

Bildergalerie:

Wohnanlage der Seniorenstiftung Holzhey

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