Sozialen Supergau abwenden – Obdachlosigkeit vermeiden helfen: Beitritt zur Fachstelle beschlossen

Kurt Konrad (li.) vom Wohnungsamt der Stadt Schongau und Martin Holleschovsky, Leiter des ambulanten Dienstes Fachbereich Menschen in besonderen Lebenslagen (Herzogsägmühle) warben für den Beitritt zur Fachstelle. Foto: Jungwirth

Es ist ein Thema, das unter die Haut geht: Obdachlosigkeit. Fakt ist, dass eine Kommune im Falle einer Zwangsräumung dazu verpflichtet ist, die Betroffenen unterzubringen, damit sie nicht auf der Straße landen. Dies ist aber häufig mit hohen Kosten für die betroffene Gemeinde verbunden. Die Einrichtung einer Fachstelle zur Vermeidung von Obdachlosigkeit im Landkreis soll im Vorfeld dazu beitragen, dass es gar nicht erst zum sozialen Supergau kommt. Nach ausführlicher Debatte sprach sich der Stadtrat mehrheitlich für den Beitritt aus.

„Das Thema Obdachlosigkeit wird leider immer wichtiger“, sagte Bürgermeister Karl-Heinz Gerbl (SPD) und stellte klar, dass er hinter einem Beitritt der Stadt zur Fachstelle steht. Diese Einrichtung unter der Trägerschaft der Caritas und der Herzogsägmühle sorge dafür, dass viel dafür getan wird, dass es nicht so weit kommt. Näheres wussten Kurt Konrad vom Wohnungsamt der Stadt Schongau und Martin Holleschovsky, Leiter des ambulanten Dienstes Fachbereich Menschen in besonderen Lebenslagen bei der Herzogsägmühle. „Die Vermeidung von Obdachlosigkeit ist eine gemeindliche Aufgabe“, so Konrad. Gleichzeitig bedauerte er es, dass vor allem kleinere Gemeinden nicht über die nötigen Mittel verfügen und bei einer Zwangsräumung an ihre Grenzen stießen. Doch gerade diese kleinen Gemeinden hätten oft kein Verständnis für die wichtige Funktion der Fachstelle. Holleschovsky verwies darauf, dass es oft eine Summierung von Umständen sei, die letztlich zur Obdachlosigkeit führten. „Hier kann man viel tun, dass es nicht so weit kommt“, sagte der Fachmann. Allerdings liegen die Kosten bei rund 12000 Euro jährlich. „Ich möchte, dass wir beitreten, auch wenn dies ein relativ hoher Betrag ist“, stellte Gerbl klar und äußerte die Hoffnung, dass sich der Aufwand für die Stadt auch lohne, wenn Obdachlosigkeit vermieden werden könne. Bei den Stadträten gab es Zustimmung aber auch kritische Meinungen: „Es ist eine Hilfe für die Bedürftigen. Aber der Landkreis darf sich nicht aus der Verantwortung ziehen“, forderte CSU-Fraktionschef Michael Eberle und Peter Blüml (CSU) schlug vor, die Entscheidung auf Januar zu vertagen, da dann auch die finanzielle Lage der Stadt klar sei. Mit 19 zu vier Stimmen sprach sich das Gremium schließlich für den Beitritt zur Fachstelle aus. Allerdings nicht ohne Hintertürchen: Die Kosten für die Beteiligung müssen bei einem Euro je Einwohner gedeckelt bleiben. Die Sache ist zunächst auf drei Jahre befristet und der Landkreis müsse sich mit einer Co-Finanzierung beteiligen, so die Forderung.

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