Hat Peiting einen Plan?

Interessenskonflikt zwischen Gaplast-Erweiterung und Hochwasserschutz

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Die Wiese südlich der Firma Gaplast (hinten) und der Schnalzstraße (vorn): Sie soll als Erweiterungsfläche genutzt werden können. Ein extremes Hochwasser reiche nur bis zum Stadel, heißt es.

Peiting – So kann sich wegen einer Wiese ein Spannungsfeld auftun. Wegen der Gefahr einer Überschwemmung soll auf Peitinger Flur ein Grundstück nördlich der B472 im Flächennutzungsplan frei von Bebauung bleiben. Darauf haben Dietmar Narr und Tobias Ehnes von der Bürogemeinschaft Narr/Rist/Türk hingewiesen, als sie Änderungen im Flächennutzungsplan für Peiting vorstellten. Doch da widersprach Bürgermeister Michael Asam energisch. Genau dieses Grundstück sei als Erweiterungsfläche für die Firma Gaplast vorgesehen.

Die Überschwemmungsgebiete für die Peitnach und für die Nebengewässer seien neu ermittelt worden, führte Dietmar Narr vom Planungsbüro NRT in die Thematik ein. Das Ausweisen von Bauflächen in hochwassergefährdeten Gebieten sei verboten. Daher habe man auch in der überarbeiteten Version die bebaubaren Gewerbeflächen nördlich der B472 im Flächennutzungsplan weiter zurückgenommen, erklärte der Stadtplaner im Peitinger Marktgemeinderat.

Bürgermeister Asam hakte da ein. Dies stelle mit Blick auf eine künftige Entwicklung ein „Riesenproblem“ dar. Knallhart formulierte der Rathauschef, dies wäre das K.O. für eine Erweiterung von Gaplast. Asam erinnerte an das hundertjährige Hochwasser vom Sommer 1999; damals habe sich die Überschwemmung schräg über diese Wiese erstreckt. An Stadtplaner Narr richtete er die Bitte, die Bebaubarkeit möglichst weit Richtung Süden zu verschieben.

Aufgrund dieses „Konfliktes“ stellte Gemeinderat Norbert Merk (CSU) den Antrag, das ganze Thema nochmals zu vertagen und in einer eigenen Sitzung zu erörtern. Doch so ist’s dann nicht gekommen. Denn die anderen Punkte im Flächennutzungsplan und im Landschaftsplan für Peiting hätten dann ebenfalls nicht behandelt werden können. Dies wollte Asam jedoch vermeiden.

Gemeinderat Andreas Barnsteiner (BVP) sagte, der Stadel zwischen Gaplast und der B472 sei noch Überschwemmungsgebiet. Nördlich davon seien die Grundstücke vom Hochwasser nicht mehr betroffen. Barnsteiner bewirtschaftet in der Nähe einen Bauernhof.

Kritische Worte

Der Landwirt übte im Zusammenhang mit dem Flächennutzungsplan an einer anderen Zahl Kritik, nachdem die Flächenbilanz aufgezeigt worden war. In den vergangenen vier Jahrzehnten sind demzufolge fürs Wohnen in Peiting 17 Hektar dazugekommen (insgesamt sind es 202 Hektar). Für Gewerbegrund sind 24 Hektar Land verbraucht worden; insgesamt sind es jetzt 88 Hektar. Für ihn als Landwirt sei das eine „schockierende Zahl“. Immerhin habe es sich bei dem bebauten bzw. versiegelten Grund um „vollwertige landwirtschaftliche Nutzflächen“ gehandelt.

Norbert Merk nutzte diesen Kommentar als „Steilvorlage“ für einen Konter. Seit 1978 habe die flächengroße Marktgemeinde Peiting 45 Hektar verbraucht, das sei ungefähr ein Hektar pro Jahr und in der Summe ungefähr die Fläche, die ein landwirtschaftlicher Betrieb bewirtschafte. Gerhard Heiß (CSU) merkte zum Flächenverbrauch an, dass die Einwohnerzahl in Peiting seit längerem stagniere.

Ohne große Diskussion vorgestellt wurden weitere Änderungen im Flächennutzungsplan. Eine ehemalige Kiesgrube an der Ammergauer Straße wurde als Altlastenverdachtsfläche aus dem entsprechenden Verzeichnis (Kataster) herausgenommen. Der Grund soll nach den Vorstellungen der Planer zur Wohnbebauung dienen. Wobei Gemeinderat Herbert Salzmann (SPD) sagte, er hätte dazu schon gern eine Aussage vom Landratsamt, ob dieser Bereich einfach so überplant werden könne oder ob dazu ein eigener Bebauungsplan aufgestellt werden müsse.

Wohnen am Roten Berg

Eine weitere Änderung im Flächennutzungsplan ist, dass in Herzogsägmühle das Areal am Roten Berg zum allgemeinen Wohngebiet deklariert wird. Dort können auch Interessenten Häuser errichten, die nicht in Herzogsägmühle arbeiten. Früher war dies nicht möglich.

Der Flächennutzungsplan mit dem Landschaftsplan wird ein weiteres Mal überarbeitet. Befasst sind damit das Büro Hesselberger-Architekten aus dem Landkreis Starnberg und die Bürogemeinschaft NRT aus dem Landkreis Freising. Ein Flächennutzungsplan ist dazu da, die städtebauliche Entwicklung der Gemeinden zu steuern.

jj

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