Sparkassen-Fusion: Schongauer Vorstandsvorsitzender Alexander Schmitz im Interview

"Ich kann die Emotionen verstehen"

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Aus Kreissparkasse Schongau wird Sparkasse Oberland.

Schongau – Die Vereinigten Sparkassen von Weilheim und die Kreissparkasse Schongau gehen in Zukunft als Sparkasse Oberland gemeinsame Wege. Die Entscheidung für die Fusion hat im Altlandkreis Schongau für geteiltes Echo gesorgt. Im Interview mit dem Kreisboten erklärt der Vorstandsvorsitzende der Kreissparkasse Schongau, Alexander Schmitz, warum der Zusammenschluss eine Entscheidung für den Standort Schongau ist, welche Änderungen auf Mitarbeiter und Kunden zukommen und wie es mit den Filialen weitergeht.

Die Fusion der Kreissparkasse Schongau und der Vereinigten Sparkassen Weilheim ist in trockenen Tüchern. Am 1. April 2017 wird sie rückwirkend zum 1. Januar vollzogen. Warum kommt der Zusammenschluss aus Sicht der Kreissparkasse Schongau zum richtigen Zeitpunkt?

Schmitz: „Die Umfeldbedingungen machen es regionalen, kleinen Kreditinstituten wie wir es sind immer schwerer, die ständig steigenden regulatorischen Anforderungen zu erfüllen. In einer deutlich größeren Sparkasse Oberland lassen sich diese Herausforderungen leichter bewältigen.“

Können Sie Beispiele für die regulatorischen Anforderungen nennen?

Schmitz: „Da wären einmal die Quartalsabschlüsse, die in Zukunft auch kleine Banken zusätzlich zum Jahresabschluss liefern müssen. Ein anderes Beispiel ist das Meldesystem AnaCredit, das verlangt, dass künftig schon ab einem gewerblichen Kreditvolumen von 25 000 Euro 81 Einzeldaten datenschutzkonform an die Europäische Zentralbank gemeldet werden müssen. Der Personal- und auch Kostenaufwand nur für diese beiden Änderungen ist groß.“

In Schongau herrschte viel Skepsis gegenüber den Fusionsplänen. Im Stadtrat war die Rede von einem Identitätsverlust. Bürgermeister Falk Sluyterman kritisierte, dass Schongau nach dem Amtsgericht nun eine weitere wichtige Institution verlieren würde. In der entscheidenden Abstimmung im Kreistag votierte der Rathauschef gegen den Zusammenschluss. Können Sie die Befürchtungen nachvollziehen?

Alexander Schmitz.

Schmitz: „Natürlich verstehe ich die Emotionen und die Sorge, dass Schongau einen Zentralitätsverlust erleidet. Im Moment steht die Kreissparkasse Schongau wirtschaftlich sehr solide und gut da. Die Frage ist aber, was passiert in den nächsten fünf Jahren, wenn wir jetzt nicht auf die veränderten Rahmenbedingungen reagieren? Wir tragen schließlich Verantwortung für unsere Kunden und Mitarbeiter. Durch die Fusion haben wir den Standort Schongau zukunftssicher gemacht. Im übrigen gibt es im Vergleich zum Amtsgericht einen wesentlichen Unterschied: Dort wurde das komplette Personal aus Schongau abgezogen, bei uns bleiben Mitarbeiter in einer ähnlichen Größenordnung wie bisher vor Ort.“

Damit sind wir schon beim Thema Arbeitsplätze. Fusionsbedingte Kündigungen wurden ausgeschlossen, dennoch wird es Veränderungen geben, oder?

Schmitz: „Unser Ziel ist ganz klar, nach dem Zusammenschluss im Kundengeschäft weiter zu wachsen. Festhalten muss man aber auch, dass sich der durch den Niedrigzins ausgelöste Einnahmenrückgang so zwar dämpfen, aber nicht kompensieren lässt. Als Sparkasse leben wir wie auch die anderen regionalen Kreditinstitute in Deutschland zu rund 80 Prozent vom Zinsüberschuss. Mittelfristig wird das dazu führen, dass wir die Zahl der Beschäftigten im Haus reduzieren müssen. Allerdings wird diese Anpassung zum Beispiel über Stellen, die nicht nachbesetzt werden, oder Altersteilzeitregelungen geschehen, also sozialverträglich sein.“

Auf einige Mitarbeiter wird mit der Fusion ein längerer Arbeitsweg zukommen.

Schmitz: „Das stimmt, es wird sicher den ein oder anderen geben, der künftig von Weilheim nach Schongau pendelt oder andersherum. Wir wollen Synergieeffekte nutzen und da macht es wenig Sinn, bestimmte interne Abteilungen an jedem Standort zu unterhalten. Für Mitarbeiter, die bislang zu Fuß oder mit dem Fahrrad zur Arbeit gekommen sind und nun auf einmal 27 Kilometer mit dem Auto fahren sollen, ist das sicher eine Umstellung. Aber man darf nicht vergessen, dass wir uns immer noch in einem Landkreis bewegen.“

Was ändert sich für die Schongauer Kunden, außer, dass sie sich an einen neuen Namen und eine neue IBAN gewöhnen müssen? 

Schmitz: „Die größte Sorge, die wir bisher gehört haben, war, ob Schongauer Kunden in Zukunft zur Beratung nach Weilheim fahren müssen. Diese Befürchtung aber ist unbegründet. Die Kunden werden am gewohnten Standort auch in Zukunft ihren persönlichen Berater antreffen. Es wäre schließlich fatal, wenn wir über Jahre entstandene Beziehungen auf diese Weise zerschneiden würden.“

Auf den Bankkarten der Schongauer Kunden steht noch die alte IBAN. Wird es deshalb eine Austauschaktion geben?

Schmitz: „Das ist noch nicht endgültig entschieden. Technisch spricht nichts dagegen, die aktuellen Karten weiter zu verenden. Aber es kann gut sein, dass wir sie ersetzen werden, um Verwirrungen zu vermeiden. Wer im übrigen bei einer Überweisung noch die alte IBAN verwendet, muss nicht fürchten, dass diese nicht ankommt. Sie wird im System entsprechend umgeleitet.“

Derzeit bieten die Kreissparkasse Schongau und die Vereinigten Sparkasse Weilheim unterschiedliche Kontomodelle an. Werden diese jetzt vereinheitlicht?

Schmitz: „Bis zum technischen Zusammenschluss, der für den 24. September 2017 geplant ist, wird sich aller Voraussicht nach nichts ändern. Auch danach wird es keinen Schnellschuss geben, sondern wir werden die Preis- und Leistungsverzeichnisse mit ruhiger Hand harmonisieren.“

In Peiting hat die VR Bank Kaufbeuren-Ostallgäu ihre Filiale im Ortszentrum zum Jahresende in eine SB-Filiale umgewandelt. Die Raiffeisenbank Pfaffenwinkel vollzieht den gleichen Schritt für ihre Geschäftsstelle am Hauptplatz zur Jahresmitte. Gibt es solche Überlegungen auch für das Filialnetz der Sparkasse Oberland?

Schmitz:  „Fest steht, dass sich das Kundenverhalten derzeit stark wandelt. Immer mehr Bankgeschäfte werden per Telefon- oder Online-Banking erledigt. Mittelfristig will ich deshalb nicht ausschließen, dass es auch bei uns zu Änderungen an der Struktur des Filialnetzes kommt. Derzeit gibt es keinerlei Planungen dieser Art. Außerdem gibt es zwischen dem Schließen einer Filiale und Öffnungszeiten an fünf Tagen pro Woche viele Möglichkeiten.“

Vor einem Jahr scheiterten die Gespräche über eine große Fusion der Sparkassen Schongau, Weilheim und Garmisch. Letztere steht nun ziemlich allein da. Rechnen Sie damit, dass in dieser Sache das letzte Wort noch nicht gesprochen ist?

Schmitz: „Im Moment kann ich keine Signale erkennen, dass darüber bald erneut gesprochen wird. Für eine fernere Zukunft ist es schwer, eine Prognose abzugeben.“

Interview: Christoph Peters

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