Spatenstich für UPM-Kraftwerk

Ein Projekt mit Vorbildcharakter

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Griffen zum Spaten: Projektleiter Erkki Repo, Landrat Friedrich Zeller, Stefan Engelshove (Siemens), Gerd von Laffert (Wirtschaftsministerium), UPM-Vorstandsmitglied Hartmut Wurster, Schongaus Bürgermeister Karl-Heinz Gerbl und Werkleiter Winfried Schaur (v. li.).

Schongau – Der Aushub ist gemacht, das erste Betonfundament in der riesigen Grube auf dem Gelände der Papierfabrik UPM in Schongau steht bereits: Am Donnerstag fand der Spatenstich für das neue Gaskraftwerk statt.

Dieser war angesichts der begonnen Bauarbeiten nur ein Sinnbild – allerdings ein bedeutsames: Das 85 Millionen Euro teure Projekt ist der erste Kraftwerksneubau in Bayern, seitdem der Atomausstieg beschlossen wurde. Da war es kein Wunder, dass im Wahljahr Bayerns Wirtschaftsminister Martin Zeil persönlich den Spaten schwingen wollte. Doch die Flutkatastrophe warf den Terminplan des Ministers kurzfristig über den Haufen. Zeil nahm stattdessen gemeinsam mit Ministerpräsident Horst Seehofer die Lage im überschwemmten Deggendorf in Augenschein. So blieb es an Gerd von Laffert, das Ministerium vor den zahlreich erschienen Gästen aus der Lokalpolitik zu vertreten. 

Der Referatsleiter für energiepolitische Grundsatzfragen kam dann auch gleich zum Punkt. Er lobte das Projekt, das „Vorbildcharakter“ für ganz Bayern habe und gerade bei der Energiewende von „herausragender Bedeutung“ sei. Laffert brach in diesem Zug eine Lanze für die energieintensive Industrie, die besonders unter den steigenden Stromkosten leide und für die es deswegen auch in Zukunft Ausnahmen geben müsse. Der Weg, den UPM mit dem Kraftwerkneubau beschreite, sei richtig, betonte Laffert weiter, und als ein klares Bekenntnis zum Standort Schongau zu werten. „Keiner investiert einfach so 85 Millionen Euro.“ Dies sei umso bemerkenswerter, als die Papierindustrie aufgrund des Umbruchs in der Medienbranche vor keiner leichten Zukunft stehe. 

Damit gab er das Stichwort für UPM-Vorstandsmitglied Hartmut Wurster. Von den schrumpfenden Märkten für grafisches Papier seien auch Produkte betroffen, die in Schongau hergestellt würden, sagte Wurster. Dennoch habe sich das Unternehmen zu seiner größten Investition in Europa entschlossen. „Wir wollen unser erfolgreiches Konzept weiter ausbauen“, betonte er. Denn nur wer wirtschaftlich produziere, habe langfristig eine Chance. 

Am meisten Sorgen bereite UPM, das allein in Deutschland sieben Werke besitzt, dabei die Umsetzung der Energiewende, erklärte Wurster. Diese habe schon jetzt zu einer Kostenexplosion beim Strom geführt. „Wir brauchen mehr Planungssicherheit.“ 

Auch dafür soll das neue Gaskraftwerk sorgen, das laut Werkleiter Winfried Schaur im Herbst 2014 in Betrieb gehen wird. Die Zahlen beeindrucken durchaus: Allein 600 Tonnen Stahl, 130000 Ingenieurstunden und elf Kilometer Leitungen werden für den Bau benötigt. 70 Megawatt soll das Kraftwerk leisten, womit eine Stadt mit 400000 Einwohnern versorgt werden könnte. Die Eigenstromerzeugung von UPM steigt dadurch von 40 auf 70 Prozent. Dank Kraft-Wärme-Kopplung, von der auch Schongau durch Fernwärme profitiert, erreicht die Anlage einen Wirkungsgrad von 91 Prozent. „Damit sind wir Weltspitze“, freute sich Wurster. 

Auch Landrat Friedrich Zeller zeigte sich begeistert. Allein durch das neue Kraftwerk sinke der ökologische Fußabdruck um zehn Prozent, rechnete er vor. „Das ist enorm viel für den Landkreis.“ An von Laffert gewandt äußerte Zeller dann noch einen Wunsch: „Vielleicht schaffen wir es ja gemeinsam mit dem Wirtschaftsministerium, die Bahn dazu zu bekommen, die Gleise bis Kinsau bis zur Fertigstellung zu sanieren. Das würde passen.“ 

Christoph Peters

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