Rolliwelten-Gründerin ausgezeichnet

SPD-Sozialpreis für Christine Kuisel

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Trafen sich zur Preisverleihung an Christine Kuisel (Mitte): (v. li.) Gerhard Wimmer, Schongaus Bürgermeister Falk Sluytermann, SPD-Stadträtin Ilona Böse und SPD-Landtagsabgeordneter Manfred Rinderspacher sowie die Bezirksräte Helga Hügenell und Mike Malm.

Schongau – Eine exzellente Wahl sei die Preisträgerin, befand Gerhard Wimmer. „Sie hat Engagement gezeigt“, so der SPD-Bezirksrat, das genau in das Profil passe, das man gesucht habe. Zum dritten Mal hat die SPD im Bezirk Oberbayern ihren Sozialpreis ausgelobt, nach dem Begründer der Tafel in Bad Aibling und einem Köschinger Sportler wurde nun die Gründerin der Rolliwelten, Christine Kuisel, mit dem mit 1000 Euro dotierten Preis für ihren Einsatz geehrt

. „Die SPD-Fraktion würdigt Bürger im Bezirk Oberbayern, die anderen Menschen Hilfe und Unterstützung zu Teil werden lassen, die sich um das Gemeinwohl verdient gemacht haben und sich im Ehrenamt engagieren“, nannte Markus Rinderspacher die Ziele des Sozialpreises.

Eigens für die Verleihung war der Landtagsabgeordnete nach Schongau gekommen und hielt die Laudatio für die 33-Jährige, die seit knapp vier Jahren wegen einer Nervenkrankheit im Rollstuhl sitzt. Zwar könne sie auch mit Krücken laufen, sagte die dreifache Mutter im Gespräch mit Gerhard Wimmer, doch dann habe sie die Hände nicht frei.

Was die junge Frau vor allem in der Anfangszeit frustrierte, war die Tatsache, dass für denjenigen, der nach einem Unfall im Rollstuhl sitze, alles geregelt sei. Doch nicht für denjenigen, der krankheitsbedingt darauf angewiesen sei. Nichts habe gepasst, erinnerte sie sich, als sie aus dem Krankenhaus kam, niemand habe Bescheid gewusst, habe ihr Auskunft geben oder weiterhelfen können. Weshalb sich die Mutter von drei minderjährigen Kindern selbst schlau machen und die ihr zustehenden Hilfen selbst erarbeiten muss.

Bald wird sie von Leidensgenossen angesprochen, die erstaunt sind, was Kuisel alles zu organisieren vermag. An wen muss ich mich wenden, stimmen die Details auf meinem Plan, solche und ähnliche Fragen stellen andere Rollstuhlfahrer an Kuisel. „So ging das los“. Und irgendwann nicht mehr weiter, weil Kuisel finanziell nicht mehr kann und auf Sozialhilfe angewiesen ist.

Damals entsteht die Idee für den Verein Rolliwelten, um sich finanzielle Hilfen zu erschließen. Schließlich muss die gelernte Erzieherin auch ihre Kinder versorgen und ist durch ihre Krankheit arbeitsunfähig. Ein Verein, der im südwestlichen Oberbayern einmalig sei, erklärte der Landtagsabgeordnete. Es gehe um den richtigen Umgang mit Behörden und Leistungsträgern, Fragen zur Reha oder Pflegestufe.

Mittlerweile hat Rolliwelten zwölf Mitglieder, sogar nach Berlin hält man Kontakt. Über das Internet kommen Anfragen aus ganz Deutschland, über eine zweite Anlaufstelle in Franken denke man nach, verriet Rinderspacher.

Ein Engagement, das nicht nur Gerhard Wimmer, sondern auch dem stellvertretenden Bezirkstagspräsidenten Michael Asam Lob und Anerkennung abnötigte und der an die diversen Projekte im Landkreis erinnerte, die man in Puncto Inklusion schon vorangetrieben habe. Viel Kraft bedürfe es vor allem, um die finanziellen Mittel bereitzustellen. Viele Städte und Kommunen im Landkreis sollten sich die Evaluation von 2008 zur Brust nehmen und endlich danach handeln, forderte Asam.

Doch noch eine andere Baustelle bereitet den Sozialpolitikern Kopfzerbrechen. So darf Christine Kuisel, nachdem sie auf Sozialhilfe angewiesen ist, kein Geld ansparen oder Rücklagen, beispielsweise für die Anschaffung eines neuen Autos, oder ihre Kinder, bilden. Es sei diskriminierend, so Kuisle, als Rollstuhlfahrer sein gesamtes Vermögen offen legen zu müssen und auch nichts fürs Alter zurücklegen zu können.

Hier hätte der Entwurf des Bundesteilhabegesetzes Abhilfe schaffen können, sagte Wimmer. Doch leider sei der Gesetzesentwurf, der auch ein entsprechendes Teilhabegeld vorsieht, noch nicht verabschiedet worden, obwohl alle Fraktionen im Landtag dem Papier zugestimmt hätten. Der Terror und die Flüchtlings-Krise haben eine entsprechende Anstimmung bis dato verhindert, so der SPD-Bezirksrat. Mit dem Geldpreis, das von den Fraktionsmitgliedern gestiftet wird, kann Kuisel nun aber verfahren, wie es die junge Mutter für richtig hält.

Oliver Sommer

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