Auf den Spuren der Vindeliker

Auch Schongaus Bürgermeister Karl-Heinz Gerbl (Mitte) und sein Burggener Amtskollege Josef Schuster zeigten sich beeindruckt von der neuen Museumsabteilung. Foto: Zerhoch

Mit einem Festakt, der der Bedeutsamkeit der Funde Rechnung trägt, wurde am vergangenen Sonntag die neue archäologische Abteilung rund um die Exponate aus dem Burggener Gräberfeld im Schongauer Stadtmuseum eröffnet. Als Hausherr übergab Bürgermeister Karl-Heinz Gerbl mit großer Hochachtung und Dank vor der zweijährigen intensiven Arbeit aller Beteiligten die Ausstellung der Öffentlichkeit.

In ihren Ansprachen würdigten Vertreter von der ARGE Stadtmuseum und Behörden den enormen Aufwand und Idealismus der Initiatoren, Sponsoren und Firmen. Für die passende Untermalung sorgte bei dem gut besuchten Festakt das Bläserensemble der Musikschule Pfaffenwinkel. Im Jahr 2007 war beim Ausbau der Straße WM 6 bei Burggen ein bedeutendes Gräberfeld aus der Zeit um 600 n.Chr. zutage gekommen. Nach einer Notgrabung war schnell klar, dass man hier auf einen wahren Schatz gestoßen war. In Burggen selbst bestand keine Möglichkeit, den Fund angemessen auszustellen. Nach Aufarbeitung durch Fachleute wie Anthropologen und Archäologen wurde zeitgleich an einem modernen Konzept für das Schongauer Stadtmuseum gearbeitet. Die neu entstandene Abteilung führt nun, nach ihrem Umzug in das Obergeschoss des Gebäudes, in eine Zeitreise weit zurück in die alten Tage der nachrömischen Besiedlung am Lech. Ein Novum in der Ausstellung derartiger Funde: eine detaillierte Analyse der Skelette. Mit dem Fazit, eines geradezu verheerenden Gesundheitszustandes der damaligen Bevölkerung. Schlimmster Feind waren nicht Krieg oder Verletzungen, sondern Zahn- und Knochenprobleme. Man starb an eitrigen Entzündungen, hatte lebenslange Dauerschmerzen und Mangelerkrankungen. Der nächste Zahnarzt tausend Jahre entfernt. Die Ausstellung fasziniert auch durch die Art der Darstellung. Die Exponate werden sowohl für Laien als auch Kenner in Vitrinen, auf Tafeln und an Stationen wie in einem Krimi zum Sprechen gebracht. Besonders das Grab Nummer 12, vermutlich ein freier Bauer, besticht durch seine Darstellung ohne Gruselfaktor, in seiner Reichhaltigkeit des vollen Waffenschmucks und Keramik. Ein Highlight ist die interaktive Station mit Kinderkleidung aus dem frühen Mittelalter, die zum Verkleiden einlädt. Prächtig auch der Schongauer Münzschatz und das älteste Kartenspiel Deutschlands. Mit der Ausstellung ist es gelungen, einen Blick abseits von Adelshistorie und Schwelgen in Gold und Juwelen, hinein in den pragmatischen Alltag der Vindeliker – der „Menschen vom Lech“ – zu werfen. Und wie es Helmut Schmidbauer, Kreisheimatpfleger sagte: „Ein Stück Vergangenheit hat eine lange Zukunft erhalten.“ Auch sonst hat das Stadtmuseum einiges zu bieten, was Jung und Alt die Vergangenheit der Region nahebringt. Geöffnet ist das barrierefreie Museum jeden Mittwoch, Samstag, Sonn- und Feiertag von 14 bis 17 Uhr.

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