Barrierefreiheit wird überprüft

Mit dem Rollstuhl ins Rathaus

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Thomas Ola (Stadtbauamt), Anne Wenninger (RITA), Christine Kuisel (Teilhaberat), Bürgermeister Falk Sluyterman und Marianne PorscheRohrer (Behindertenbeauftragte) brachten gemeinsam den Aufkleber am Seiteneingang des Rathauses an (v. li.).

Schongau – Wie barrierefrei sind die öffentlich zugänglichen Gebäude der Stadt Schongau? Das überprüft aktuell das RITA-Team der Herzogsägmühle. Die Ergebnisse sollen künftig im Internet abrufbar sein, damit sich Menschen mit Handicap vor dem Besuch einer der insgesamt dreizehn untersuchten Einrichtungen mit den Gegebenheiten vertraut machen können.

Schon im März vergangenen Jahres, da war Falk Sluyterman noch gar nicht zum Bürgermeister der Stadt gewählt, hatte Anne Wenninger den jetzigen Rathauschef angesprochen. „Ich habe ihm gesagt, dass ich, sollte er gewählt werden, mit dem Thema Barrierefreiheit auf ihn zukommen werde“, erzählte die RITA-Leiterin beim Pressetermin im Rathaus. „Er hat mir versprochen, sich der Sache anzunehmen.“

Sluyterman hielt Wort. Man habe RITA vor einigen Wochen den Auftrag erteilt, die städtischen Gebäude auf Herz und Nieren zu prüfen, berichtete er. „Das ist ein wichtiger Schritt“. Immerhin zwölf Prozent, also rund 1500 Schongauer würden schließlich unter einer Schwerbehinderung leiden, eine Zahl, die auch ihn überrascht habe.

Insgesamt dreizehn städtische Gebäude lässt die Stadt durch das Team aus Herzogsägmühle untersuchen, bis Ende März soll die 3500 Euro teure Erhebung abgeschlossen sein. Ab dann kann jeder die Ergebnisse im Internet unter www.pfaffenwinkel-barrierefrei.de abrufen. 

Dort werden die Gebäude nach dem Ampelprinzip bewertet, das heißt, grün erfüllt alle Anforderungen an die Barrierefreiheit, bei gelb und rot gibt es Verbesserungsbedarf. Mit einer Lupe werden Gebäude gekennzeichnet, die erfasst sind, aber bislang keine der Vorgaben erfüllen. „Wir sehen die Seite nicht als Pranger, sondern als Informationsplattform“, erklärte Wenninger. 

RITA, das ausgeschrieben etwas sperrig Regionales Informations- und Kompetenz-Zen-trum Tourismus für Alle bedeutet, existiert seit zwei Jahren und beschäftigt selbst Menschen mit Handicap. 182 Datensätze sind in dieser Zeit zusammengekommen. Zu den Kunden im Pfaffenwinkel zählen neben Gemeinden auch private Geschäftsleute. „Jeder kann sein Geschäft von uns untersuchen lassen“, so Wenninger. 

Die Nachfrage ist groß, wie die RITA-Leiterin anhand von Zugriffszahlen belegte. So hätten sich in der Ferienwoche allein 89 Internetnutzer über die Barrierefreiheit des Märchenwalds informiert. Er ist einer von bereits 50 Einträgen, die die Internetseite für Schongau verzeichnet. 

Dazu zählt auch das Schongauer Rathaus, welches das RITA-Team als erstes der öffentlichen Gebäude bereits abschließend untersucht hat. Dabei überraschte das historische Haus die Tester durchaus positiv. Mit Gelb, was gut bedeute, habe man nicht gerechnet, gab Wenninger zu. 

Größtes Defizit ist die fehlende behindertengerechte Toilette. Verbesserungsbedarf gibt es auch am Nebeneingang, dessen Tür sich nicht automatisch öffnet. Beides lasse sich aber mit verhältnismäßig geringem Aufwand beheben, erklärte Sluyterman. „Das sollten wir zeitnah hinbekommen.“ 

Bei der Stadt sieht man die Untersuchung schließlich auch als Grundlage für weitergehende Verbesserungsmaßnahmen an den eigenen Gebäuden. Stadtbaumeister Ulrich Knecht lobte in diesem Zusammenhang die „sachliche Aufbereitung“ und „hohe Qualität“ der Erhebung.

Von Wenninger gab’s zum Abschluss noch den Aufkleber „Wir sind dabei!“, der künftig an der Nebeneingangstür des Rathauses auf die Teilnahme an RITA hinweist.

Christoph Peters

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