Stadt Schongau legt Sanierungskonzept für Stadtmauer vor

Der Sonnengraben bleibt vorerst zu

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Eigentlich ist der Sonnengraben gesperrt. Doch das Gitter hält bei diesem Wetter längst nicht jeden von einem Sonnenbad ab.

Schongau – In den Wintermonaten ist es kaum aufgefallen, dass der Sonnengraben immer noch gesperrt ist. Wenn es aber demnächst Frühling wird und die Sonne ihre ersten wärmenden Strahlen schickt, dürfte die Frage wieder drängender werden, wann die beliebte Stelle an der Stadtmauer wieder für die Öffentlichkeit freigegeben wird. Eine erste Antwort gab es am Dienstag in der Stadtratssitzung. Die wird nicht jedem gefallen.

Seit vergangenem Jahr ist der Burgenforscher Joachim Zeune im Auftrag der Stadt damit beschäftigt, ein Gesamtkonzept für die Stadtmauer zu erstellen. Die ersten Ergebnisse hat er bereits im Herbst vorgestellt. In der jüngsten Sitzung am Dienstag legte Stadtbauamtsmitarbeiter Sebastian Dietrich nach. Diesmal ging es um den Sachstand der geotechnischen und statischen Untersuchungen des historischen Gemäuers. Insgesamt elf kritische Bereiche seien durch Experten ausgiebig unter die Lupe genommen worden, berichtete Dietrich. „An drei davon sind weitergehende Maßnahmen nötig.“ 

Einer davon ist der Bereich oberhalb des Lidl. Dort habe es in der Vergangenheit bereits Hangrutsche gegeben, weshalb die Mauer weiterhin überwacht werden müsse, so der Stadtbauamtsmitarbeiter. Auch im Bereich des Wegs vor der Heiliggeist-Kirche seien die Werte grenzwertig und erfordern weitere Messungen und eventuell sogar Bohrungen. Überwacht werden müsse zudem jene Stelle im Osten, an der die Mauer eine starke Neigung aufweise. Die Kosten würden zwischen 550 und 750 Euro pro Messung liegen, erklärte Dietrich. 

Dann kam Dietrich auf den Sonnengraben zu sprechen. Der war bekanntlich schon im Frühjahr 2014 für mehrere Wochen nicht zugänglich gewesen, weil Zweifel an der Standsicherheit der Stadtmauer bestanden hatten. Kurzzeitig gab es Entwarnung, doch mittlerweile ist er wieder gesperrt. 

Zwar sei die Mauer „gerade noch“ standsicher, erklärte Dietrich, doch deren Fundament sowie die davor angebrachte Stützmauer und der weitere Hangverlauf geben weiter Anlass zur Sorge, weshalb man sich für die neuerliche Sperrung entschieden habe. 

Das heißt im Klartext: Damit der Sonnengraben wieder freigegeben werden kann, muss er saniert werden. Wie das geschehen soll, darüber ist man sich bei der Stadt bereits im Klaren. Als erstes soll die Stützmauer der Sonnenterrasse gesichert werden, anschließend ist der Hang an der Reihe. 

Richtig zur Sache geht’s im dritten Schritt. Per Niederdruckinjektion soll Zement in das Fundament der Stadtmauer gespritzt werden und es so stabilisieren. Abschließend wird der Sonnengraben neu gestaltet. „Das macht Sinn, da wir Geländer und Fußweg ohnehin neu machen müssen“, stellte Dietrich fest. Außerdem sei eine städtebauliche Gestaltung Bedingung für eine Förderung durch die Städteplanung. 

Apropos Förderung: Für das Intwertsetzungskonzept seien heuer 510000 Euro im Haushalt eingeplant, sagte Dietrich. „Das müsste reichen.“ Man sei dabei, verschiedene Fördertöpfe anzuzapfen, unter anderem den Entschädigungsfond des Freistaats. Dieser hat laut Dietrich den Vorteil, dass er Planungssicherheit über mehrere Jahre bietet und eine Förderung von bis zu 80 Prozent für wirtschaftsschwächere Gemeinden vorsieht. 

Dazu zähle Schongau anders als etwa Peiting nach den Richtlinien zwar nicht, räumte er ein. Doch der Abstand sei gering und aufgrund der touristisch wichtigen Rolle der Stadtmauer sehe er durchaus „gute Chancen“ auf eine ähnlich hohe Förderquote. 

Bis mit den aufwendigen Baumaßnahmen begonnen werden kann, wird freilich noch eine Weile vergehen. „Wir hoffen, dass wir in der zweiten Jahreshälfte mit dem Sonnengraben anfangen können“, blickte Dietrich voraus. Man sei sich bewusst, dass die Sperrung eine Einschränkung bedeute. „Wir werden deshalb versuchen, die Aufenthaltsqualität am Bürgermeister-Schaegger-Platz und der Aussichtsplattform etwa durch weitere Bänke zu erhöhen“, kündigte er an.

 Bei den Stadträten stieß das Vorgehen durchwegs auf Zustimmung. Auch wenn man damit eine große Baustelle aufmache, man komme um eine Generalsanierung nicht umhin, betonte Friedrich Zeller. Dass der „Senioren-Grill, wie der SPD-Stadtrat den Sonnengraben liebevoll titulierte, dadurch für längere Zeit nicht genutzt werden könne, sei schade, aber nicht vermeidbar. Er regte an, eine Hinweistafel aufzuhängen, die die Sperrung erkläre.

Cornelia Funke zeigte sich „enttäuscht über den Zeitplan“. Schließlich seien vom unzugänglichen Sonnengraben auch die Stadtführungen betroffen, wies die CSU-Stadträtin hin. Sie bat in diesem Zusammenhang darum, die Überlegungen der Stadtführerinnen bei dem geplanten Erlebbarmachen der Stadtmauer zu berücksichtigen. 

Die womöglich hohe Förderung weckte bei Michael Eberle Begehrlichkeiten. „Wir sollten versuchen, ob wir nicht auch Münzgebäude und unsere Türme in das Sanierungskonzept mit einbeziehen können“, regte der CSU-Fraktionsvorsitzende an. Einstimmig segnete das Gremium die vom Stadtbauamt vorgeschlagene Vorgehensweise ab.

Christoph Peters

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