"Sind ans Recht gebunden"

Schongauer Gymnasiasten gegen Anbieter-Wechsel in Mensa

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Das Welfen-Gymnasium ist mit seiner Verpflegung durch Herzogsägmühle vollauf zufrieden. Doch ob der Anbieter auch bei der abzuhaltenden Ausschreibung den Zuschlag bekommt beziehungsweise ob er sich überhaupt bewirbt, ist offen.

Schongau – Die Schülerschaft des Schongauer Welfen-Gymnasiums (WGS) ist in Sorge: Zum neuen Schuljahr endet der Vertrag mit Herzogsägmühle. Wenn die neue Mensa am Schulzentrum ihren Betrieb aufnimmt, schwingt dort womöglich ein in der Region völlig fremder Anbieter den Kochlöffel. Ursächlich dafür sind rechtliche Bestimmungen, die mit der abzuhaltenden Ausschreibung einhergehen. Handlungsspielraum sieht die Stadt trotz eigenem Bedauern keinen. Gänzlich ungehört verhallen die Stimmen der Schüler allerdings nicht.

Oscar Wilde sah es so: „Nach einem trefflichen Mittagessen ist man geneigt, allen zu verzeihen.“ Wenn es schmeckt, komme die Harmonie von alleine. Vielleicht ist es also auch das Miteinander, um das sich die Schülermitverantwortung (SMV) des WGS sorgt. Sie hat jüngst per Rundschreiben informiert und zur Unterschriftenabgabe aufgerufen. „Wir fordern, dass die Mensa in den Händen der Herzogsägmühle bleibt“, lautet ihre wichtigste Forderung. 14 Jahre lang hatte der Anbieter aus dem nahegelegenen Diakoniedorf das Welfen-Gymnasium in der dortigen Mensa bekocht und die Mittelschule beliefert. Doch zum neuen Schuljahr 2019/20 läuft der Vertrag aus.

Der Grund: Sobald die neue Mensa, verwirklicht im Rahmen des Teilneubaus der Grundschule, ihren Betrieb aufnimmt, sollen von hier aus alle vier Schulen – Gymnasium, Real-, Mittel- und Grundschule – sowie der Hort von einem einzelnen noch zu ermittelnden Anbieter versorgt werden. Grund- und Realschule bekommen im Neubau ihren Speiseraum; Gymnasium, Mittelschule und der Hort werden beliefert. Das schließt den Pausenverkauf mit ein.

Dieser Schritt, die Verpflegung zentral zu organisieren, fuße auf Beschlüssen des Kreistags und des Stadtrats, erklärt Bettina Schade, Geschäftsleiterin der Schongauer Stadtverwaltung. Die SMV kritisiert die Entscheidung: Die schul­interne Mensa falle dem „Trend des immer größer Werdens, des immer mehr Wollens zum Opfer“. Nachhaltigkeit werde außer Acht gelassen. „Möglichst billig“, laute die Devise. Herzogsägmühle habe all die Jahre mit frischer Zubereitung vor Ort überzeugt, biologisch und regional produziert. Als Inklusionsprojekt erlebten Behinderte und Nicht-Behinderte die Mensa als Bereicherung.

Das Gymnasium habe sich aktiv dafür ausgesprochen, die Zusammenarbeit fortzuführen, schildert Schade. Auch bei den anderen Schulen habe sie diesbezüglich beim jüngsten runden Tisch, der am Mittwoch vergangener Woche im Rathaus abgehalten wurde, einen Konsens erkannt. Doch weder das, noch eine von der WGS-SMV initiierte Unterschriftenaktion, an der sich die Mehrheit der Schüler- und Elternschaft mit großer Eindeutigkeit beteiligte, spielt bei der Entscheidung, wer künftig das Schulzentrum versorgt, eine Rolle. Denn: Die Stadt hat gar keinen Spielraum.

„Ich will klarstellen, dass wir überhaupt keine Vorbehalte gegen Herzogsägmühle haben“, erklärt Schade. „Die Kooperation lief und läuft sehr gut.“ Doch weil die Auftragssumme, die mit der Rundum-Versorgung des Schulzentrums einhergeht, ein großes Volumen erreicht, ist ein öffentliches Ausschreibungsverfahren unumgänglich. „Wahrscheinlich europaweit“, so sie städtische Geschäftsleiterin. Eine freihändige Vergabe, bei der die Wünsche seitens der Schulen Berücksichtigung finden, ist nicht möglich. „Wir sind an den rechtlichen Rahmen gebunden.“

"Volles Verständnis"

„Wir haben dafür volles Verständnis“, sagt Daniel Löscher, Leiter des Fachbereichs Arbeit für Menschen mit Behinderung bei Herzogsägmühle. „Die Stadt kommt da aus der Ausschreibungs-Kiste nicht raus.“ Das müsse man akzeptieren.

Will Herzogsägmühle im Boot bleiben, bleibt nur eine Möglichkeit: sich unter womöglich mehreren Interessenten ebenfalls zu bewerben. Wohl im März wird die Ausschreibung veröffentlicht. Die Stadt, neben dem Landkreis einer von zwei Sachaufwandsträgern – aufgrund der räumlichen Nähe aber federführend beteiligt – lässt sich im Laufe des Verfahrens von einer Beraterfirma begleiten. Im Mai soll dann der Zuschlag erfolgen – vielleicht pro Herzogsägmühle.

„Wir müssen kucken, ob eine Bewerbung darstellbar ist“, sagt Löscher. Die Bemühungen der WGS-SMV empfinde er stellvertretend für die Beschäftigten als großes Lob und Anerkennung. „Unsere Leute freut das wahnsinnig.“ Auch deshalb gelte: „Wenn wir es stemmen können, werden wir uns an der Ausschreibung beteiligen.“

ras

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