Aussichtsreiche Verhandlungen

Stadt Schongau will den Bahnhof kaufen

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Der Schongauer Bahnhof könnte bald der Stadt gehören.

Schongau – Erst Peiting, jetzt Schongau: Wie Bürgermeister Karl-Heinz Gerbl bestätigt, will auch die Lechstadt den Bahnhof erwerben. Zuvor hatte die benachbarte Marktgemeinde einen ähnlichen Coup vermeldet.

Es war eine Erfolgsmeldung, die Peitings Bürgermeister Michael Asam jüngst anlässlich einer Zugsegnung in die Welt hinaus trug. Die Gemeinde werde den Ostbahnhof erwerben, ließ er stolz verlauten. In Schongau hat man die Entwicklung natürlich aufmerksam verfolgt, denn auch in der Lechstadt ist der Bahnhof seit Jahren in einem bemitleidenswerten Zustand. Doch auch hier scheint sich jetzt eine Lösung abzuzeichnen: Nach Informationen des KREISBOTEN steht die Stadt kurz vor dem Kauf der Bahnstation. 

„Ich kann bestätigen, dass wir in aussichtsreichen Verhandlungen mit dem Besitzer sind“, sagt Bürgermeister Karl-Heinz Gerbl auf Anfrage des KREISBOTEN. Noch sei es allerdings zu früh, um nähere Auskünfte geben zu können. „Ich werde erst genauer darüber reden, wenn die Tinte unter dem Vertrag trocken ist.“ 

Dass die Verhandlungen alles andere als einfach sind, liegt auch am derzeitigen Besitzer. Der Schongauer Bahnhof gehört wie viele andere nicht mehr der Deutschen Bahn, sondern der luxemburgischen Gesellschaft Patron Elke S.a.r.l. hinter der wiederum der britische Fonds Patron Capital steckt. Das Unternehmen hatte in den vergangenen Jahren gleich mehrere hunderte deutsche Bahnhöfe im Paket übernommen, in der Hoffnung, mit ihnen gute Rendite erzielen zu können. Doch die Rechnung ging zum großen Teil nicht auf. Da kaum oder gar nicht in den Unterhalt investiert wurde, entwickelten sich die Bahnhöfe vielerorts zum städtebaulichen Ärgernis, so auch in Schongau. 

Die Filetstücke habe die Firma für viel Geld verkauft, sagt Gerbl und fügt trocken hinzu: „Beim Rest wartet man so lang, bis große Proteste der Bürger kommen und die Kommunen die Bahnhöfe schließlich selbst kaufen.“ Den Weg will nun offensichtlich auch die Lechstadt beschreiten und damit endlich die Weichen für ein ansehnliches Bahnhofs-Areal stellen. 

Schon 2008 hatten die Verantwortlichen ein umfangreiches Konzept erstellt, das Park & Ride-Parkplätze, einen neuen, modernen Busbahnhof sowie Gewerbeflächen vorsah. Das alles könnte verwirklicht werden, sollte der Kauf zustandekommen. Erst in diesem Jahr hat der Stadtrat deswegen eine Veränderungssperre für das Gebiet erlassen, um die weitere Entwicklung steuern zu können. 

Wie das Ganze einmal aussehen könnte, zeigt ein Blick nach Landsberg. Auch dort hatte der Bahnhof ein trauriges Bild abgegeben, bis ein privater Investor die Gebäude 2004 für 1,7 Millionen Euro sanierte und die Stadt das Umfeld auf Vordermann brachte. Das Konzept gewann viele Preise. Die Allianz pro Schiene kürte den Bürgerbahnhof sogar zum Bahnhof des Jahres 2007. „In Landsberg ist das gut gelungen“, stellt Gerbl fest. 

Bis dahin ist es allerdings in Schongau noch ein weiter Weg. Denn derzeit steht noch überhaupt nicht fest, ob sich ein privater Geldgeber findet oder die Stadt den Bahnhof selbst für teures Geld sanieren muss. Ein geeigneter Partner wäre ohne Zweifel Andreas Holzhey. Der aus Schongau stammende selbständige Verkehrsplaner hat mit seiner Firma „Bürgerbahnhof Oberland“ vor zwei Jahren den Murnauer Bahnhof gekauft und nach Landsberger Vorbild hergerichtet. 

Schon damals war sein Name im Zusammenhang mit dem Schongauer Bahnhof gefallen. Auch jetzt noch zeigt Holzhey Interesse an einer Zusammenarbeit. Es habe bereits Gespräche mit der Stadt gegeben, bestätigt er. „Es wäre sicher schön, wenn sich mittelfristig eine Lösung findet.“ Nur das Bahnhofsgebäude zu sanieren, reiche dafür allerdings nicht, betont der Geschäftsmann. „Es braucht ein schlüssiges Gesamtkonzept, dessen Bestandteile auch gleichzeitig umgesetzt werden.“

Christoph Peters

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