Elektromobilität beschäftigt Bauausschuss

Strom für die Revolution

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Schnellladestationen gibt es aktuell vor allem an Autobahnen. Die LEW möchten jetzt auch jeweils eine in Schongau und in Steingaden installieren.

Schongau – Eine Million Elektroautos sollen bis 2020 auf Deutschlands Straßen fahren. So jedenfalls lautet das hehre Ziel der Bundesregierung. Doch noch klaffen weite Lücken zwischen Wunsch und Wirklichkeit. Ein Grund dafür ist neben den hohen Anschaffungskosten für die Stromfahrzeuge und deren geringer Reichweite die fehlende Ladeinfrastruktur. Auf Antrag der SPD hat sich jüngst der Schongauer Bauausschuss mit der Möglichkeit beschäftigt, eine zweite Ladestelle im Stadtgebiet zu schaffen.

Seit der Dieselskandal die Schlagzeilen beherrscht, ist auch das Thema Elektromobilität wieder in aller Munde. Der gehöre die Zukunft, heißt es allenthalben, doch aktuell ist davon auch in der Region noch wenig zu sehen. Gerade einmal 117 Elektroautos sind im Landkreis zugelassen, nur fünf davon in Schongau. Ernüchternde Zahlen, die Stadtbauamtsmitarbeiter Martin Blockhaus dem Bauausschuss präsentierte und die erst einmal die Frage aufwarfen: Braucht es in Schongau tatsächlich eine zweite Ladestation für E-Autos, wie sie die SPD in ihrem Antrag angeregt hatte?

Wer sein Elektroauto an der Ladesäule in der Schongauer Altstadt lädt, darf in dieser Zeit kostenlos parken.

Schon seit Jahren betreiben die Lechwerke (LEW) auf dem Parkplatz hinter dem Münzgebäude eine Ladesäule. Einblicke, wie oft diese tatsächlich genutzt werde, habe die Stadt allerdings nicht, erklärte Blockhaus. So blieb nur Paul Hubers (CSU) subjektiver Eindruck („Die ist fast immer frei“). 

Überhaupt habe man sich schwer getan, objektive Daten für eine fundierte Entscheidung zu recherchieren, sagte der Stadtbauamtsmitarbeiter. Ohne eine verlässliche Einschätzung der Wachstumsrate jedoch ließe sich der Bedarf an Ladesäulen nur schwer vorhersehen.

 Hinzu kämen die unterschiedlichen Systeme, die teils nach Hersteller differieren und die Frage nach der Ausstattung und dem Betriebsmodell. Braucht es zum Beispiel eine Schnellladestation, die acht bis zehn Mal so teuer ist, aber dafür ein E-Auto binnen einer halben Stunde wieder mit vollem Akku versorgt? Soll die Stadt die Station selbst kaufen und betreiben oder dies lieber einem Energieversorger überlassen? Und welcher Standort ist der geeignetste? Eine einheitliche Vorgehensweise gebe es bislang nicht, jede Gemeinde regle das anders, berichtete Blockhaus, der sich in den Nachbarkommunen umgehört hatte.

Übergreifendes Konzept nötig

Deshalb sei es aus Sicht der Verwaltung am sinnvollsten, den Landkreis ins Boot zu holen. In einem Gesamtkonzept ließen sich Informationen am besten bündeln und Handlungsempfehlungen für die Kommunen geben, was helfen würde, Fehl­investitionen zu vermeiden, begründete Blockhaus. Außerdem würde eine Förderung der Elektromobilität auf Landkreisebene wohl deren Akzeptanz stärken und so langfristig zu mehr Fahrzeugen führen. 80 Prozent der Kosten für derartige Konzepte, wie sie bereits mehrere Landkreise vorantreiben, trage der Bund.

„Wir haben das Landratsamt schon angeschrieben“, sagte Bürgermeister Falk Sluyterman, der das Thema zudem bei der nächsten Bürgermeisterdienstbesprechung auf die Agenda setzen will. Der Rathauschef riet dazu, nichts zu übereilen. Auch bei der SPD, die in ihrem Antrag den Bürgermeister-Schaegger-Platz und den neuen Parkplatz am Buchenweg als Standort für eine Ladestation vorgeschlagen hatte, hielt man den vorgeschlagenen Weg für den sinnvollsten. „Wir müssen nichts überstürzen.“

Lechwerke bauen neue Stromtankstellen

Trotzdem dürfte es die Sozialdemokraten freuen, dass auch ohne die Stadt Bewegung in die Sache kommt. Die Lechwerke haben nämlich derweil angekündigt, bis Frühjahr 2018 die Anzahl ihrer Ladestationen für Elektroautos in der Region Bayerisch-Schwaben zu verdoppeln. Dazu zählt das Unternehmen auch die Standorte Steingaden und Schongau, die je eine neue Schnelllade-Station bekommen. Jeweils eine neue Normallade-Station ist in Ingenried, Altenstadt, Hohenpeißenberg und Apfeldorf geplant; in Schongau derer sogar zwei.

Bislang betreiben die LEW 65 Ladesäulen in der Region. Nun sollen weitere 67 dazu kommen. Die Investitionen über circa zwei Millionen Euro werden mit rund 720 000 Euro über das „Bundesprogramm Ladeinfrastruktur“ des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) gefördert.

„Mit den neuen Ladestationen wird die Infrastruktur dem erwarteten zukünftigen Bedarf angepasst“, teilt der Energieversorger mit. „Eine flächendeckende Ladeinfrastruktur ist für den Erfolg der Technologie ganz entscheidend“, ist Vorstandsmitglied Norbert Schürmann überzeugt, der mit dem nahenden Schritt einen Meilenstein erreicht sieht.

LEW will die geplanten 67 Ladesäulen bis spätestens Ende Mai 2018 in Betrieb nehmen. Wie auch bei den bestehenden LEW-Ladestationen werden die neuen Standorte ausschließlich mit Ökostrom, also CO2-freier Energie, beliefert. Sie bieten diverse Zugangsmöglichkeiten vom vertragsbasierten Laden bis zur spontanen vertragslosen Nutzung.

Christoph Peters/Rasso Schorer

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