Stadtmauer am Sonnengraben

Gerade noch standsicher

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Tiefe Einblicke: Um das Fundament der Stadtmauer beurteilen zu können, wurde ein Schacht gegraben. Mittlerweile ist dieser wieder zugeschüttet. Noch am Freitag sollte der Sonnengraben wieder für die Öffentlichkeit freigegeben werden.

Schongau – Wie steht es um die Stadtmauer am Sonnengraben? Ist sie einsturzgefährdet oder nicht? Zumindest teilweise konnte Schongaus Stadtbaumeister Ulrich Knecht in der Bauausschusssitzung am Dienstag Entwarnung geben. Akut drohe keine Gefahr, fasste er das Ergebnis der durchgeführten Untersuchungen zusammen. Reagieren muss die Stadt in absehbarer Zeit dennoch.

Seit Ende Februar herrscht am Sonnengraben gähnende Leere. Auf den Bänken, die an sonnigen Tagen normalerweise voll besetzt sind, lassen sich allenfalls ein paar Vögel nieder. Schwere Metallgitter an beiden Enden des Wegs verhindern den Zutritt. „Vorübergehend gesperrt“ heißt es auf dort angebrachten Schildern. Der Grund dafür wird nicht genannt, und er erschließt sich auch nicht auf den ersten Blick, denn alles sieht eigentlich aus wie immer. 

Die Gefahr verbirgt sich in der Stadtmauer oder besser gesagt darunter. Das haben die Untersuchungen ergeben, die die Stadt in Auftrag gegeben hatte, nachdem im Februar massive Zweifel an der Standfestigkeit der Mauer aufgekommen waren. Denn bereits 2001 hatte ein Experte vor der Einsturzgefahr gewarnt, die Befürchtung war jedoch vom damaligen Stadtrat ignoriert worden. Passiert ist nämlich seitdem nichts, weshalb Stadtbaumeister Ulrich Knecht Ende Februar die sofortige Sperrung forderte, bis neue Erkenntnisse vorliegen würden. 

Der Burgenforscher Joachim Zeune und der Schongauer Ingenieur Leo Achmüller haben das Bauwerk in den vergangenen Wochen nun genau unter die Lupe genommen. Ein Schacht wurde von der Stützmauer quer über den Weg bis zur Stadtmauer gegraben, um Erkenntnisse über das Fundament zu gewinnen. Außerdem entnahmen die Experten zwei Bohrkerne aus dem historischen Bauwerk, um Einblick in das Innnere zu bekommen. 

Das Ergebnis, das Knecht am Dienstag in der Bauausschusssitzung präsentierte, war nicht so schlecht wie zunächst befürchtet. „Die Standsicherheit ist gerade noch gegeben“, zitierte der Stadtbaumeister aus dem Gutachten Achmüllers. Eine akute Gefahr könne daher ausgeschlossen werden. Auch um das Innere der Mauer ist es besser bestellt als zunächst gedacht. Zwischen den beiden äußeren Schalen aus Tuffstein stießen die Experten laut Knecht auf eine „Art Vermörtelung“, die stabil und nicht durchfeuchtet war. „Das ist ein gutes Ergebnis“, freute sich Knecht. 

Also alles in Butter? Keineswegs, denn Sorge bereitet den Fachleuten das Fundament. „Es ist nur 60 Zentimeter tief und besteht noch dazu aus verschiedenen Steinschichten“, erklärte der Stadtbaumeister. Laut Achmüller sei deshalb eine Nachgründung bis zu einer Tiefe von 1,2 Metern unumgänglich. Ebenfalls müssten Maßnahmen zur Hangsicherung ergriffen und Messpunkte gesetzt werden, um vierteljährlich überprüfen zu können, ob sich die Mauer bewege. 

Deren Schiefstellung veranlasste Michael Eberle (CSU) zur Frage, ob diese Neigung kritisch zu sehen sei. Doch da konnte Knecht den Stadtrat beruhigen. Bereits auf Fotos aus den 1930er-Jahren sei die Schiefstellung zu erkennen, sagte Knecht. Laut dem Burgenforscher Joachim Zeune hänge diese mit der Art des Bauens zur Zeit der Errichtung der Stadtmauer zusammen.

Sonnengraben vorerst wieder zugänglich 

Als nächstes sollen jetzt Angebote für die Anbringung der Messpunkte eingeholt werden, damit diese installiert werden können. Auch die übrigen Maßnahmen will Knecht nicht auf die lange Bank schieben. Bis es soweit ist, wird der Sonnengraben wieder für die Öffentlichkeit freigegeben.

Christoph Peters

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