Anstelle von Max Dingler:

Stadtrat benennt Weg im Gnettnerareal nun nach Lena Christ

Lena Christ Literatin
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Lena Christ wurde 1881 in Glonn geboren. Ihr wird nun der Weg im Gnettnerareal gewidmet.
  • Astrid Neumann
    vonAstrid Neumann
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Schongau – Für den Weg im Gnettnerareal, der ursprünglich Max-Dingler-Weg heißen sollte, hat sich der Stadtrat nun auf einen anderen Namen einigen können. Er wird künftig nach der bedeutenden deutschen Autorin Lena Christ benannt. 

Nachdem bekannt wurde, dass der deutsche Zoologe und Mundartdichter Max Gottfried Dingler eine gewisse Nähe zum Nationalsozialismus hatte, erschien die Namensgebung problematisch. „Der Name ist belastet“, sagte Bürgermeister Falk Sluyterman in der Sitzung am Dienstag. Eine Neubenennung des noch nicht gewidmeten Weges wurde angeregt.

Die Mehrzahl der Namensgebungen in dem Wohngebiet basiert auf einheimischen Literaten und Literatinnen mit einem Bezug zur Stadt Schongau. Die Anzahl der weiblichen Benennungen ist hierbei deutlich unterrepräsentiert, so Stadtbaumeister Sebastian Dietrich. Nur eine Frau – es handelt sich um Klara Staiger – wurde hier bisher berücksichtigt.

Die Stadt haben mehrere Vorschläge zur Umbenennung aus den Reihen der Bürgerschaft erreicht, so Dietrich. Diese habe man im Vorfeld auch bereits mit dem neuen Kreisheimatpfleger Jürgen Erhard diskutiert.

Zur Auswahl standen demnach Herbert Rosendorfer, Lena Christ und Christoph Probst. Im Vorfeld wurde auch eine Benennung des Weges nach der deutschen Sozialreformerin, Sozialdemokratin und Frauenrechtlerin Marie Juchacz diskutiert. Jedoch war diese weder Schriftstellerin noch besteht ein Bezug zu Schongau, so der Stadtbaumeister.

Anders stellt sich das bei Herbert Rosendorfer dar. Er ist der Verfasser der beiden Volksstücke „Die Hexe von Schongau“ und „Die Venezianer in Schongau“. Da er zum Zeitpunkt der Namensgebungen im Gnettner­areal noch lebte, sei Rosendorfer nicht zu Wahl gestanden. Im Jahr 2012 ist der Autor allerdings verstorben.

Lena Christ ist ebenfalls eine bedeutende deutsche Autorin. Beeindruckend sei unter anderem die Verarbeitung ihrer eigenen Beobachtungen und Erlebnisse in ihren Büchern, die einen tiefen Einblick in das ärmliche Leben der Arbeiterklasse, Dienstboten und der Landbevölkerung Anfang des 20. Jahrhunderts geben, so Dietrich. Bei Christ sei zwar kein direkter Bezug zu Schongau belegt, jedoch stehe ihr Werk exemplarisch für das prekäre Leben im Oberland zu dieser Zeit.

Ein weiterer Vorschlag war Christoph Probst. Dieser war Mitglied der Widerstandsgruppe Weiße Rose gegen den Nationalsozialismus. Kurz vor der Verhaftung der Gruppe hatte Probst das siebte Flugblatt der Widerstandsgruppe entworfen. Am 22. Februar 1943 wurde er vom Volksgerichtshof zum Tode verurteilt und noch am selben Tag hingerichtet. Christoph Probst war im Januar 1941, nach bestandenem Physikum des Medizinstudiums, der Garnison am Fliegerhorst in Schongau zugeteilt worden und blieb dort bis zum Ende des Sommersemesters stationiert.

Die Tendenz, so Dietrich auch in Absprache mit dem Kreisheimatpfleger, gehe in Richtung Lena Christ. „Die anderen beiden würden sich auch woanders anbieten“, so der Stadtbaumeister, der einen kleinen Weg für Probst beispielsweise nicht geeignet sieht, eher für eine Schule. „Mit Bezug zur Jugend“, so Dietrich.

Ihre Fraktion würde dem Vorschlag Lena Christ zustimmen, so Bettina Buresch (Grüne). „Die Figuren in ihren Stücken sind auch in Schongau denkbar“, befand sie. Wenn es nach ihr gehe, sollte auch Christoph Probst in der Stadt vorkommen. Einen wie von Dietrich angesprochenen Bezug zur Jugend erachtete sie als gut.

Hans Rehbehn gefielen alle drei Vorschläge sehr gut. Sein Favorit sei aber eindeutig Herbert Rosendorfer aufgrund des engen Bezugs zu Schongau. Seine CSU-Fraktionskollegin Kornelia Funke wünschte sich hingegen für Rosendorfer „etwas größeres an markanterer Stelle“.

Dass in dem Wohngebiet eine Frau gut aufgehoben sei, fanden auch Ilona Böse, Barbara Karg (beide SPD) und Gregor Schuppe (ALS). „Wir müssen einen Ausgleich schaffen“, meinte Karg dazu. Alternativ schlug sich noch Hubert Distler, den „Hausmaler“ der Evangelischen Kirche, vor.

Mit 15:6 Stimmen entschied sich das Gremium schließlich dafür, den noch verbliebenen Weg im Gnettnerareal nach Lena Christ zu benennen.

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